Thomas Bach will IOC-Präsident werden Im Pakt mit dem Scheich

Der deutsche Sportfunktionär Thomas Bach kandidiert für das Amt des IOC-Präsidenten - seine Chancen stehen gut: Der 59-Jährige versteht sich aufs Paktieren mit den Mächtigen und er kann wohl mit der Unterstützung des Mannes rechnen, der im Weltsport als Königsmacher gilt.

Von Thomas Kistner

Art und Zeitpunkt der Verkündigung trugen deutlich die Handschrift des höchsten Sportfunktionärs im Lande: Am Himmelfahrtstag gab Thomas Bach seine Kandidatur für das Präsidentenamt im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bekannt, erst wenige Stunden zuvor war eine geschraubt formulierte Medieneinladung ergangen. Nicht zur Pressekonferenz, sondern zur Entgegennahme eines "Statement betreffend des Prozederes der Wahl eines neuen IOC-Präsidenten". Die überfallartige Ankündigung kontrastierte stark damit, dass der 59-Jährige kaum über Nacht entschieden haben dürfte, für das höchste Sportamt des Globus zu kandidieren. Als Favorit gesetzt war Vizepräsident Bach in IOC-Kreisen seit Jahren. Spätestens seit der Session vor den Londoner Spielen 2012 hielten IOC-Mitglieder sogar unverblümt fest, wie generalstabmäßig der deutsche Wirtschaftsanwalt seit Jahren am letzten Karriereschritt bastle.

Am Donnerstag verkündete Bach nun am Sitz des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt, dass er tags zuvor "IOC-Präsident Jacques Rogge, anschließend die IOC-Mitglieder und heute die Mitgliedsorganisationen des DOSB von meiner Absicht informiert" hat, im Juni seine Kandidatur einzureichen. Ermuntert hätten ihn Funktionärskollegen im In- und Ausland. Doch sei ihm vor allem bei seinen vielfältigen Verbandstätigkeiten - Bach ist derzeit Chef der Juristischen Kommission im IOC und der Disziplinarkammer bei Olympischen Spielen - "bewusst geworden, welch große Aufgabe der IOC-Präsident zu leisten hat: Dieses Wissen macht mich demütig".

Im Olymp wurde bereits mit ihm gerechnet

Das DOSB-Präsidium garnierte die Verkündigung mit einer Botschaft, die Bach als "echten Mannschaftskapitän, der stets den Dialog mit seinen Partnern sucht" beschreibt. Die Einschätzung findet in kleineren nationalen Sportzirkeln nicht oft Bestätigung. Deutsche Weggefährten im IOC wie Walther Tröger, Roland Baar oder jetzt Claudia Bokel äußern sich abseits des Protokolls einsilbig über Bach. Und dass er als DOSB-Chef seinen General Michael Vesper ein harsches Regiment führen lässt, beschäftigt seit Monaten eine sich verfestigende Opposition. Viele Sportoffizielle befürchten, dass auch nach Bachs Ausscheiden an der DOSB-Spitze die aktuelle Machtallianz dort fortleben könnte.

Im Olymp rechnete man seit langem fest mit dem diskreten Wirtschaftsadvokaten aus Tauberbischofsheim. Dass Bach im steten Bestreben, sich bedeckt zu halten, die steile Karriere gerne als Laune des Schicksals verkaufte, nahm ihm niemand ab. Schon im Sommer 2012 orakelte der norwegische IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg: "Jeder Bewerber muss sich fragen, ob er Bach schlagen kann." Die Schweizer IOC-Mitglieder Gianfranco Kasper und Rene Fasel verwiesen auf die planmäßige Vorbereitung des deutschen Kandidaten. "Er hat viel gearbeitet", sagte auch der Kanadier Richard Pound, der auf Bachs Drähte in die Golfregion verwies: "Hinter ihm steht der Scheich von Kuwait."

Scheich Ahmed Al-Sabah gilt als Königsmacher im Weltsport. Enorm einflussreich ist der IOC-Mann als Chef der Verbände der nationalen Komitees weltweit (ANOC) und in Asien (OCA) - und ebenso zwielichtig beleumundet. Als jüngster Streich Al-Sabahs gilt die Inthronisierung des neuen Fußballchefs in Asien, Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa (Bahrain). Dass der sonst so reservierte Taktiker Bach seine Kandidatur nun als Erster kundtat, wird in IOC-Kreisen als starkes Signal verstanden, dass er Al-Sabahs Unterstützung hat.

Bach ist mit Kuwait beruflich eng vernetzt, als Aufsichtsratschef des von kuwaitischen Investoren kontrollierten Maschinenkonzerns Weinig AG ebenso wie als Chef der Ghorfa, der deutsch-arabischen Handelskammer. Das macht den Deutschen fast zum natürlichen Kandidaten für Emire und Scheichs. Im Zuge der Siemens-Affäre wurde 2008 publik, wie der Konzernberater Bach sein Bemühen, Kuwait als Großinvestor für ein Projekt zu gewinnen, an den "Freund und Kollege, Energieminister Scheich Ahmed Al-Sabah" knüpfte.