Von Josef Kelnberger

Das deutsche Davis-Cup-Team scheitert im Viertelfinale - es fehlen Fortüne und Klasse.

Bremen - Mitte des zweiten Satzes verließ Rafael Nadal die Arena und kehrte mit einem Stück Pizza zurück. Nicht für sich, sondern einen Betreuer aus dem spanischen Tross. Nadal fühlte sich offensichtlich zu Hause hier. Im Zuschauerblock über der Spielerbox tobten die spanischen Anhänger, die mit ihrem Rot-Gelb-Rot die Halle farblich beherrschten und auch akustisch dominierten dank ihrer Sangeskunst und der Unterstützung eines Trompeters. Nadal, der ein rotes Team-T-Shirt übergezogen hatte, feuerte seine Teamkollegen Feliciano Lopez und Fernando Verdasco nach Leibeskräften an, fast fünf Stunden lang, dann schloss er sie in seine mächtigen Arme - unendlich dankbar, dass sie ihm Arbeit abgenommen hatten. Mit ihrem Fünfsatz-Sieg im Doppel gegen Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner hatten sie das Davis-Cup-Viertelfinale für Spanien entschieden. Nadal, erst am Dienstag aus Miami angereist und von Jetlag geplagt, musste im Einzel am Sonntag keine Verantwortung mehr tragen.

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Es sei ein Erlebnis gewesen, den Weltranglisten-Zweiten in Bremen zu sehen, sagte der deutsche Teamchef Patrik Kühnen. Nicht nur verblüffte die Beobachter, wie souverän Nadal am Freitag trotz mäßiger Vorbereitung den um jeden Zentimeter des Platzes kämpfenden Nicolas Kiefer in Schach hielt - sondern auch, wie geborgen er sich fühlte im Team. Als er am Samstagabend auf der Pressekonferenz den Kollegen dankte, lachten und feixten sie um ihn herum: Teamkapitän Emilio Sanchez, seinen kleinen Sohn küssend, die Doppelspieler Verdasco und Lopez sowie David Ferrer, der am Freitag im zweiten Einzel Philipp Kohlschreiber niedergerungen hatte. Wie eine Familie saßen sie am Tisch, und Nadal, ihren Jüngsten, behandelten sie wie das Maskottchen. Nebenan versuchten die Deutschen, ihre Niederlage zu verarbeiten. Werden sie jemals so ein Team haben?

Drei Matches, drei Niederlagen, geschlagen schon am Samstag, das war schwer zu verdauen für Kühnen und seine Männer. Sie hatten sich leidenschaftlich gewehrt: Kohlschreiber und Kiefer im Einzel, Kohlschreiber mit Petzschner im Doppel, und sie blieben ohne Lohn. "Zum Kotzen", fand es Kohlschreiber, der glaubt, im Doppel hätten sie "zumindest ein Unentschieden verdient" gehabt. Doch sie unterlagen 7:6 (3), 6:7 (1), 4:6, 6:2, 10:12 nach vier Stunden und 45 Minuten. Ausgerechnet Kohlschreiber verlor am Ende seinen Aufschlag, nachdem er den ganzen Tag seinen Partner mitgezogen hatte. "Die Fortüne" habe im Doppel gefehlt, sagte Kühnen. Für die Einzel gilt: Es fehlte die Klasse gegen das nominell zurzeit beste Team der Welt.

Philipp Kohlschreiber hätte es in der Hand gehabt, die Spanier mit einem Sieg gegen David Ferrer zumindest aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der wird zwar als Nummer fünf der Welt notiert, hat aber in den vergangenen Wochen nicht viel gewonnen. Kohlschreiber konnte jedoch den Schwung des 7:6 gewonnenen ersten Satzes nicht mitnehmen und ging 3:6, 4:6, 2:6 ein.

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