Roger Federer bezwingt Philipp Kohlschreiber im Finale von Halle und setzt seine Erfolgsserie auf Gras fort.
Eigentlich könnte Roger Federer Urkunden aushändigen, durchnummerierte Zertifikate mit einer persönlichen Widmung für seine Opfer, von denen sich einige schon freuen, wenn sie ihn durch demütige Präsenz bei seiner historischen Siegesserie unterstützen dürfen. Zum Beispiel Philipp Kohlschreiber. Der hatte seine Finalbegegnung mit dem Schweizer am Sonntagnachmittag im westfälischen Halle schon vorher als "größte Ehre" bezeichnet, obwohl er sicher war, keine Siegchance zu erhalten. "Ich werd's genießen", hatte er angekündigt.
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Endlich wieder mit Pott: Roger Federer (© Foto: Getty)
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Es gibt keinen anderen, gegen den Kohlschreiber eine Niederlage zu genießen bereit ist. Wenn Federer Urkunden ausstellen und nummerieren würde, hätte Kohlschreiber am Sonntag jene mit der Nummer 59 bekommen, Nicolas Kiefer hätte am Samstag die Nummer 58 erhalten und Michael Berrer am Mittwoch die 55. So hätten alle Deutschen, die sich im Laufe der Woche die Zähne an Federer ausgebissen hatten, eine Erinnerung mitgenommen.
Federer war natürlich auch am Sonntag nicht zu schlagen. In 74 Minuten besiegte er Kohlschreiber 6:3 und 6:4, und das, obwohl Kohlschreiber in seiner Karriere zuvor nie ein Finale verloren hatte (München 2007 und Auckland 2008) und obwohl er im Laufe der Woche die abergläubische Erkenntnis gewonnen haben wollte, nach vorheriger Einnahme eines Wiener Schnitzels stets als Gewinner vom Platz zu gehen. Vielleicht sollte er froh sein, dass dieses Ritual zu Ende ist. Froh hatte er sich ja auch bereits über den Finaleinzug genannt, zumal es seiner Chance, nach Nicolas Kiefer als zweiter Deutscher noch für Olympia nominiert zu werden, nicht geschadet hat.
Am Sonntag vor einer Woche hatte Federer eine deprimierende Niederlage erlitten. Beim Finale der French Open in Paris unterlag er dem spanischen Sandmann Rafael Nadal in 108 Minuten und drei Sätzen, aber zum Glück ging dann die Rasensaison los, und die ist für Federer, als gelange er nach einem Marsch durch die sandige Wüste an eine grüne Oase. "Hier tanke ich wieder auf", sagte er bei seiner Ankunft in Ostwestfalen, und niemand zweifelte daran, dass er seine historische Serie fortsetzen würde, die am 10. Juni 2003 in Halle mit Sieg Nummer eins begonnen und ebendort am Sonntag mit Sieg Nummer 59 ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Seit jenem Erstrundenmatch 2003 gegen den Armenier Sargis Sargsian ist Federer auf Rasen unbesiegt.
Zwar muss man bedenken, dass von den etwa 70 bis 90 Turniermatches, die er binnen eines Jahres bestreitet, nur zwölf auf Gras ausgetragen werden (fünf in Halle und sieben in Wimbledon) aber von diesen hat er seit 2003 keines verloren. Der Sieg im Finale am Sonntag war Federers 59. gewonnenes Rasenmatch hintereinander. In Runde eins hatte er mit dem 55. Sieg Berrer eliminiert und am Samstag mit dem 58. Kiefer. Einen Satz hat er im Laufe der ganzen Woche nicht verloren und das Turnier von Halle zum fünften Mal binnen sechs Jahren gewonnen; 2007 bloß deswegen nicht, weil er nicht teilgenommen hat.
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Lange habe ich mich für Tennis nicht mehr interessiert (steffi Graf und Boris Becker waren die letzten Großen aus deutscher Sicht).
Angesichts eines Krankenhausaufenthaltes war es mir vergönnt, Roger Federer anzusehen. Über seine Klasse, Tennis zu spielen, braucht man wohl nicht diskutieren. Mir gefällt seine einfache und menschliche Art, wie er sich gibt. Auf dem rasen ist er konzentriert und (obwohl fast jedem Gegener überlegen) immer wieder angespannt und nimmt so seine "arbeit" auf dem Platz ernst. Ausbrüche eines Conners oder Beckers sind ihm fremd. Besonders erhebt er sich über keinen seiner Gegner. das ist Fairnis pur.
Obwohl er schon fast alles gewonnen hat und so schnell von niemanden eingeholt werden wird, ist dieser erfolgreiche Sportler immer auf dem Teppich geblieben. Er ist, so scheint es über dem Bildschirm, immer der liebe, nette und brave Junge, den sich jede Schwiegermutter als Schwiegersohn erträumt.
Federer ist sportlich ehrgeizig und erfolgreich. Als Mensch ist er lieb und anständig. Er hat vermutlich ein sehr liebes und einfaches Elternhaus, aus dem er stammt.
Federer ist ein Vorbild sowohl aus dem Platz als auch im Leben für alle jungen Leute.