Tennis-Profi Tommy Haas "Ich will noch unbedingt ein Turnier gewinnen"

Tommy Haas: Trotz Alter wieder erfolgreich

(Foto: Christof Stache/AFP)

Schon diverse Male hat sich die Tennis-Elite insgeheim von Tommy Haas verabschiedet - doch der 35-Jährige feiert derzeit erneut ein umjubeltes Comeback. Im SZ-Interview spricht er über die richtige Einstellung, Kritik am Deutschen Tennis Bund und das Manko junger deutscher Spieler.

Von Gerald Kleffmann

Für Tommy Haas, der sich nach einer langen Verletzungspause wieder auf Rang 14 der Weltrangliste zurückgekämpft hat, ist ein baldiges Karriereende noch nicht in Sicht. "Ich will noch unbedingt ein Turnier gewinnen", sagte der gebürtige Hamburger im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Wenn ich fit bleibe, kann ich mir auch vorstellen, 2014 weiterzumachen." Der 35-jährige Familienvater, der sich nach guten Ergebnissen wieder zu einem echten Siegkandidaten entwickelt hat, startet diese Woche bei den BMW Open in München.

Über sein eigenes x-tes Comeback staunt Haas, der in Florida und Kalifornien lebt, selbst am meisten. "So richtig erklären kann ich das selber nicht", sagte er. "Man hofft einfach weiter, trainiert weiter. Man muss sich selber eine Chance geben. Dass ich gut spielen kann, wusste ich. Nur wollte ich auf ein Level kommen, wo ich das Gefühl habe, ich kann die ersten Fünf ärgern." Das gelang Haas auf eindrucksvolle Weise, in Miami triumphierte er kürzlich über den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic, vergangenes Jahr besiegte er Roger Federer im Finale des Rasenturniers in Halle.

Haas genießt seine neue Rolle als Art Elder Statesman des deutschen Tennis, wobei er sich noch immer als äußerst professionell erweist. Da spielt es auch keine Rolle, dass er nun mehr Zeit für seine kleine Tochter einplanen will. "Die Grundlage ist meine Disziplin, wie ich mich um meine Fitness kümmere. Ich habe seit letztem Jahr einen festen Physio, Carlos Costa aus Portugal, der wie mein Schatten ist und sich um meinen Körper bemüht", sagte er. "Auch habe ich Anfang des Jahres neben Christian Groh noch Ulf Fischer ins Trainerteam geholt. Mir ist es wichtig, mich weiter zu entwickeln."

Gleichzeitig äußerte Haas leichte Kritik am deutschen Nachwuchs. "Es gibt ja auch Philipp (Kohlschreiber) oder Florian (Mayer), die sich etabliert haben. Für die Jungen dahinter stellen sich natürlich die Fragen: Welches Selbstvertrauen haben sie? Welches Team steht hinter ihnen? Wie viel Ehrgeiz haben sie? Das ist so diese Grundeinstellung, die bei vielen ab und zu fehlt."

Aber nicht nur bei den Deutschen sei das so, auch in Amerika oder Australien, wo mehr Geld in den Verbänden stecke, sei es ähnlich. "Der Deutsche Tennis-Bund kann sich ja gar nicht strecken, um zu helfen, um gute Coaches zu holen. Um mal zu sagen, wir schicken einen Coach mit zwei Spielern, egal wohin, um die Welt", sagte Haas, der den DTB aber auch in der Verantwortung sieht, manches in Zukunft besser zu machen: "Ich kriege nicht alles mit. Aber dass es in Hamburg (DTB-Sitz) offenbar Kommunikationsprobleme gab, war offensichtlich. Man sollte offen und ehrlich miteinander reden", rät er.

"Auch zuletzt gab es Streit wegen des Belags beim Hamburger Turnier. Ich habe nur gehört, dass Michael Stich (Turnierveranstalter) keine Ahnung hat, was der DTB-Vorstand eigentlich macht. Das darf nicht passieren." Insbesondere Präsident Karl-Georg Altenburg sieht er in der Pflicht: "Viele fragen sich jetzt, wie es da weitergeht."

Haas selbst hat im Übrigen schon gewisse Ideen, wie er nach der Karriere seiner Branche erhalten bleibt. "Es reizt mich generell, mit Spielern zu arbeiten, die 15, 16 Jahre alt sind, die Potenzial haben, die meine Meinung hören wollen", sagte er.

Das ganze Interview lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung, auf dem iPad und Windows 8.