Von René Hofmann

Im Streit um das Hamburger Turnier will die ATP die Anwaltskosten vom Deutschen Tennis-Bund erstattet haben - der wehrt sich.

Es ist eine heikle Reise. Denn es geht um Geld. Um sehr viel Geld und damit auch um die Zukunft eines der traditionsreichsten deutschen Sportverbände. 1,6 Millionen Menschen sind im Deutschen Tennis-Bund (DTB) organisiert. Mehr Mitglieder hat weltweit kein anderer Tennisverband. Als Präsident steht dem DTB seit 1999 Georg von Waldenfels vor. Der 64-Jährige kennt sich mit Geld und Streit aus: Er ist Jurist und wirkte in Bayern einst als Finanzminister.

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DTB-Chef Georg Waldenfels wehrt sich gegen die Forderungen der ATP. (© Foto: dpa)

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Am Wochenende ist er in die USA aufgebrochen, wo er sich Anfang dieser Woche mit Vertretern der Männer-Tennistour ATP treffen wird, um zu ergründen, ob sich in dem teuren Streit zwischen den beiden Parteien nicht doch noch ein Kompromiss finden lässt. "Ich weigere mich zu akzeptieren, dass wir diesen Prozess verlieren können", sagt Georg von Waldenfels.

Anfang August 2008 hatte eine Jury am District Court in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware nach zwölf Prozesstagen einstimmig entschieden, die ATP habe nicht gegen das Kartellrecht verstoßen, als sie das DTB-Turnier am Hamburger Rothenbaum um eine Kategorie in die Klasse 500 zurückstufte und aus dem Mai in den Juli verlegte. Die Veranstalter hadern mit dem neuen Termin. Im Juli sind Schulferien in Hamburg, und nach Wimbledon zieht es die Spitzenspieler eher auf die schnellen Hartplätze als noch einmal auf Sand.

In den vergangenen Jahren hat die Veranstaltung Verluste eingefahren. Daran dürfte sich 2009 wenig ändern, auch wenn das Preisgeld wegen der Zurückstufung von 2,27 auf 1,2 Millionen Euro sinkt. Der Grund: Bei den großen Turnieren müssen die Top-Spieler antreten. Bei den kleineren lassen sie sich ihr Erscheinen gerne mit Antrittsgeld entlohnen.

"Wir haben die Centrecourt-Kapazität auf 13500 erhöht. Wir haben ein teures Dach gebaut. Wir sind vorzeitig aus einem gültigen Vermarktungsvertrag ausgestiegen. All das ist auf Druck der ATP geschehen", sagt Waldenfels. In der Hoffnung, bei drei Berufsrichtern mehr Verständnis zu finden als bei der Laien-Jury in erster Instanz, hat der DTB Berufung eingelegt.

Die Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr der Sport zu einer Ware geworden ist, wie heiß die mitunter gehandelt wird - und wie am Ende womöglich Freizeitsportler dafür zahlen, dass es die Profis nach immer mehr Honorar dürstet. Für den Fall, dass der DTB in der Auseinandersetzung unterliegt, kündigt Waldenfels schon an, dass es "eine gewisse Solidarität mit den Landesverbänden gibt". Sprich: Dann haften alle Tennisspieler.

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