Von Von Thomas Kistner

Tommy Haas hält nicht viel von Olympia, er will in Athen vor allem Spaß. Florian Mayer und Rainer Schüttler amüsiert es weniger, dass sie schon in Runde eins ausgeschieden sind. Sie hatten einen starken Gegner - den Wind.

Ein Gekreische - "Tommy! Tommy!" - dann jagt das Teenagergeschwader die Metalltribüne des Tennisstadions hinab. Unten, am Ausgang des olympischen Hartplatzes, haben sie das Ziel ihrer Begierde erspäht. Tommy Haas kritzelt geduldig seinen Namen auf alles, was ihm unter den Stift kommt, wirft Teile seiner verschwitzten Arbeitskleidung in den flehenden Fanpulk und posiert zwischendurch mit entblößtem Oberkörper zwischen den Ballmädchen.

Rainer Schüttler, dpa

Besiegt von Wind und Gegner: Rainer Schüttler. (© Foto: dpa)

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Dabei bilden die zwei, drei Dutzend Autogrammjäger hier fast schon die Hälfte des Publikums, das seinen mühelosen 6:1,7:5-Auftaktsieg über den Kroaten Mario Ancic miterlebt haben. "Bei Olympia", sagt Haas und setzt ein Lächeln auf, "ist vieles anders."

Olympische Flamme im Blick

Was im Falle Athen bedeutet: Wenig Zuschauer, der brummende Hubschrauber in der Luft, vor allem ein böiger Nordwind, der das Spiel "sehr, sehr schwierig macht".

Den versöhnlichen Aspekt hatte Haas am anderen Ende des Platzes entdeckt: "Immer, wenn ich da hinten ums Eck geschaut habe, konnte ich die olympische Flamme sehen." Die spielerische Leichtigkeit des Florida-Boys mit dem deutschen Pass hätte man Florian Mayer bei dessen Erstrundenspiel am Dienstag gewünscht. Doch der Wimbledon-Viertelfinalist kam bei noch schlimmeren Windverhältnissen nie in Schwung, produzierte Fuß- und Aufschlagfehler en masse und unterlag dem technisch starken Tschechen Tomas Berdych 3:6, 5:7.

14 Tage lang krank und völlig erschöpft

War also alles längst nicht so spektakulär wie die Prozedur, die Mayer erst nach Athen gebracht hatte: Der Hickhack um die Nachnominierung des 20-Jährigen im deutschen NOK, das sich erst vertraulich einen Bittbrief von Jacques Rogge bestellt hatte, um dem IOC-Präsidenten nach erfolgter Berufung dann öffentlich die Einmischung in nationale Angelegenheiten vorzuwerfen.

Am Ende hat sich Mayer der bescheidenen Performance von NOK-Präsident Klaus Steinbach angepasst, für die er aber, anders als der Funktionär, gute Argumente ins Feld führen konnte.

Nur fünf Tage hat Mayer in Athen trainiert, davor war er 14 Tage lang "krank und total erschöpft" gewesen. In dieser Schwächephase kam eine Verpflichtung hinzu, die er im Herbst 2003 eingegangen war und -"Verträge bricht man nicht" - einhalten wollte, also absolvierte er Punktspiele für seinen Nürnberger Verein. Das alles war der Vorbereitung abträglich.

Unberührt vom Nominierungs-Gezerre

Mayer kam "locker auf den Platz, weil ich wusste, dass ich nicht ganz fit bin". Den Druck, hier unter einem besonderen Beweiszwang zu stehen, will er indes nicht verspürt haben. Das ganze Nominierungs-Gezerre ließ ihn unberührt, entgangen ist ihm allerdings nicht, dass "da ein paar unglückliche Entscheidungen" dabei waren.

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