Die Erinnerung ist auch deshalb wichtig, weil auf der anderen Seite des Netzes damals Caroline Wozniacki stand. Und damit schließt sich der Kreis. Denn diese 18-Jährige war am Sonntag erneut die Gegnerin. Die Dänin, wie Lisicki fast 1,80 Meter groß, mit blonder Mähne versehen und ebenfalls die Tochter eines polnischen Sportfanatikers (Piotr Wozniacki war polnischer Fußball-Nationalspieler, der in Odense hängen blieb), ist zwar ein Jahr jünger als ihre Kontrahentin, schien aber schneller voranzukommen. Seit August 2008 hat Wozniacki vier Turniere gewonnen, in der Rangliste kratzt sie an den Top 10, und die Partie im amerikanischen Küstenstädtchen Charleston war ihr zweites Endspiel binnen acht Tagen.

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Umso eindrucksvoller gestaltete sich Lisickis glatter Erfolg. Es war der erste Turniersieg einer Deutschen seit Anna-Lena Grönefelds Erfolg in Acapulco im März 2006. Wer findet, das sei ja nun gar nicht so lange her, der sollte bedenken, wer vor Lisicki die letzte deutsche Siegerin eines Turniers mit einer Dotierung von mehr als einer Million Dollar war: Steffi Graf, einst im Juni 1999 in Paris.

Graf zählt nicht zu Lisickis größten Vorbildern. Das sind Martina Hingis ("Die hat so schlau gespielt") und Mary Pierce ("Die hatte eine enorme Power"), und vielleicht ist die zumeist bei Nick Bollettieri in Florida trainierte Spielerin jetzt reif genug, diese Mischung aus Köpfchen und Kraft konstant umzusetzen. Nachdem sie 2008 in Australien gescheitert war, überraschte Lisicki gleich danach beim Fed Cup mit einem Erfolg gegen Lindsay Davenport. Doch danach stagnierte sie.

Jetzt steht die Fed-Cup-Relegation gegen China am kommenden Wochenende in Frankfurt an. Nur dass Sabine Lisicki diesmal als Turniersiegerin anreist und - nach einem Sprung von 20 Plätzen in der Rangliste - als Nummer 43 der Welt. Außerdem hat sie gerade das größte Preisgeld ihrer Profikarriere eingestrichen (187815 Dollar).

Für die ambitionierten sportlichen Pläne der Lisickis ist das genauso wichtig wie für das Bankkonto der Familie, schließlich ist der überzeugte Vater für seine Tochter ganz schön in Vorleistung gegangen. Nun scheint sich das Risiko auszuzahlen. Und wenn es so weiter geht, kommt die Tagesschau ganz von selbst.

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(SZ vom 21.04.2009)