Wer es in Wimbledon zu etwas bringen will, muss sich arrangieren - mit den Gepflogenheiten, den Regeln und der Hierarchie. Tommy Haas und Nicolas Kiefer ist das geglückt. Beide Deutsche sind souverän ins Turnier gestartet.
Die Erdbeeren, die Hortensien, die Zitronenfalter in der Luft. Auch wenn in Wimbledon wie bei jedem Grand-Slam-Turnier jedes Jahr neue Videowände und noch höhere Tribünen errichtet werden, im All England Lawn Tennis Club spielen zu dürfen, ist immer noch etwas Besonderes. Manch einer mag es, manch einer nicht. Roger Federer etwa kann stundenlang darüber reden, wie sehr ihm die Traditionen und der Rasen inzwischen "ans Herz gewachsen sind". Der Vorjahressieger darf am ersten Turniertag immer das erste Match auf dem Centrecourt bestreiten. Seit fünf Jahren ist das Federer "Es gibt nur ein Spiel, von dem ich genau weiß, wann ich dazu antreten muss", sagt der Schweizer, "und daran denke ich schon öfter." Am Montag hat er die Partie wieder gewonnen. 6:3, 6:2, 6:2 gegen Dominik Hrbaty. "Ein richtig schöner Tennis-Nachmittag" sei das gewesen, fand Federer. Auch dem Slowaken gefiel es. Beim letzten Seitenwechsel fragte er Federer, ob er sich neben ihn setzen dürfe. Er durfte. Die beiden plauderten und lachten. Sie hatten offensichtlich Spaß.
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Nicolas Kiefer besiegte den Franzosen Julien Benneteau souverän mit 6:1, 7:5, 6:3. (© Foto: AP)
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Kohlschreiber mault
In den ersten Turniertagen lassen sich aber auch viele Profis finden, die schimpfen, und auffallend viele von ihnen sprechen Deutsch. Philipp Kohlschreiber etwa braucht keiner mit Zitronenfaltern, Hortensien oder Erdbeeren zu kommen. Der 24-Jährige hat dafür keine Ader. Alles, was vom Tennis ablenkt, nervt ihn. Ich bin der Star, lasst mich gefälligst vor - mit dieser Attitüde läuft er über jede Tennisanlage.
In Wimbledon ist damit aber nicht weit zu kommen. Wer es dort zu etwas bringen will, muss sich arrangieren - mit den Gepflogenheiten, den Regeln und der Hierarchie, die besagt: Das Gras geht vor. Damit die Halme nicht leiden, dürfen die Spieler auf den berühmten Plätzen nur wenig üben. "45 Minuten Training auf dem Matchcourt, das gibt es sonst nirgends", maulte Kohlschreiber.
Vor zehn Uhr gibt es überhaupt keine Möglichkeit, Filzkugeln fliegen zu lassen. Und auf den Trainingsplätzen springen die auch noch ganz anders. "Man hat nicht die Möglichkeit, sich reinzufinden", sagt Kohlschreiber. Wie in den vergangenen Jahren hat er auch dieses Mal schnell wieder rausgefunden aus dem Turnier. In Runde eins verlor er 4:6, 3:6, 2:6 gegen den Spanier Fernando Verdasco. Wimbledon und er - eine Liebesgeschichte wird das nicht mehr.
Eine Ehre für Petzschner
Bei Philipp Petzschner sieht das ein wenig anders aus. Der 24-Jährige lernt die 131 Jahre alte Veranstaltung gerade erst so richtig kennen. Zum ersten Mal hat er es im Einzel ins Hauptfeld geschafft, wozu er drei Runden auf den holprigen Plätzen überstehen musste, auf denen die Qualifikation ausgetragen wird. Als er im ersten Hauptfeld-Match dann Hyung-Taik Lee gegenübertrat, war Petzschner zunächst "schockiert", wie ihm die Bälle entgegensprangen: flach, aber langsam. Dabei hatte er schon am Wochenende auf dem Trainings-Platz ein seltsames Erlebnis gehabt: Ihm glückte kein einziges Ass. "Hier stimmt etwas nicht", schoss es ihm durch den Kopf, "oder meine Schulter ist kaputt."
Normalerweise hüpfen die Bälle in Wimbledon schnell vom Rasen. In diesem Jahr aber prallen sie eher lustlos ab. So lustlos, dass in der Umkleidekabine bereits die wildesten Gerüchte zirkulieren: Die Greenkeeper könnten die Halme beim Mähen gegen die Richtung bürsten, aus der die Kugeln kommen. Das würde einiges erklären, ist aber nicht zu beweisen.
Irgendwann war es Petzschner auch egal. "Das ist Wimbledon", hat er beschlossen, "da ist es eine Ehre, dabei zu sein, egal wie blöd der Rasen gemäht ist". Weil sein Gegner aus Korea aufgab, darf er nun noch ein bisschen bleiben.
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Der Flügelflitzer
wenigstens mal wieder, einen ins Viertelfinale zu bringen