Tennis in Stuttgart Kerber scheitert an Scharapowa

Angelique Kerber (li.): Musste sich Scharapowa geschlagen geben

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Aus im Halbfinale: Angelique Kerber verpasst das Endspiel des WTA-Turniers in Stuttgart. Gegen die Russin Maria Scharapowa kommt sie lange nicht richtig in die Partie - und doch wird es am Ende nochmal knapp.

Nachdem der Traum vom Heimcoup im Halbfinale von Stuttgart geplatzt war, befand sich Angelique Kerber im reinsten Gefühlschaos. Die Weltranglistensechste hatte die topgesetzte Maria Scharapowa nach einer starken Leistung am Rande einer Niederlage. Doch wieder einmal war es die Titelverteidigerin aus Russland, die durch ein 6:3, 2:6, 7:5 ins Endspiel des mit 538.393 Euro dotierten Sandplatzturniers einzog. Besonders in der Schlussphase des 2:07 Stunden langen Matches zeigte die 26-jährige Scharapowa ihre ganze Klasse, als sie nervenstark die letzten acht Punkte in Folge gewann.

Lokalmatadorin Kerber konnte nach ihrem vierten Halbfinale in dieser Saison trotzdem mit erhobenem Haupt die Arena verlassen. Über die vergebene Chance wird sich die 25-Jährige trotzdem noch ärgern: Kerber hatte im entscheidenden Satz mit 2:0 geführt, musste dann aber das Break zum Matchverlust hinnehmen. Bei einem Erfolg hätte "Angie" am Sonntag nach ihrem insgesamt dritten Turniersieg greifen können. Zumindest Kerbers Coach Torben Beltz bleibt damit ein Horrortrip erspart.

Der 36-Jährige hätte bei einem Finalerfolg seines Schützlings mit einem Hochgeschwindigkeits-Karussell fahren müssen, das Kerber auf dem Stuttgarter Wasen-Frühlingsfest bereits ausgesucht hatte. Die an Position drei gesetzte Kerber brauchte bei ihrer ersten Halbfinal-Teilnahme in Stuttgart einige Zeit, um ins Match zu finden. Zu Beginn diktierte Scharapowa mit ihren platzierten Grundschlägen klar das Geschehen und nahm der Kielerin gleich im ersten Spiel den Aufschlag ab. Wimbledon-Halbfinalistin Kerber konnte sich im ersten Durchgang keinen einzigen Breakball erarbeiten und gab den Auftaktsatz mit einem Doppelfehler nach 36 Minuten ab.

Doch in der Folge steigerte sich die Linkshänderin, variierte mehr und ging schnell mit 4:1 in Führung. Nach einer guten halben Stunde gelang Kerber zur Freude der 4400 Zuschauer in der ausverkauften Arena der Satzausgleich. Die Entscheidung in dem intensiven Match fiel, als Scharapowa die deutsche Fed-Cup-Spielerin zum Matchgewinn breakte. Zuvor war noch einmal Hoffnung aufgekeimt, nachdem Kerber einen 3:5-Rückstand wettgemacht hatte und beinahe ihrem Spitznamen "Houdini" gerecht geworden wäre. Immer wieder zeigte sie nach gelungenen Schlägen die Faust und blickte kämpferisch in ihre Box, wo auch ihre Doppelpartnerin Andrea Petkovic saß.

Allein das sechste Spiel des letzten Durchgangs dauerte knapp elf Minuten. Scharapowa trifft am Sonntag im Endspiel (14.00 Uhr/SWR und ran.de) entweder auf die einstige French-Open-Siegerin Li Na (China/Nr. 2). Li Na gewann im zweiten Halbfinale ohne größere Mühe 6:4, 6:3 gegen Bethanie Mattek-Sands aus den USA. Die Gewinnerin des Sandplatzturniers bekommt neben der Prämie von 100.806 Euro einen 400 PS starken Sportwagen überreicht.

Scharapowa, die bestverdienende Sportlerin der Welt, hat in ihrer Karriere bereits 28 Tournaments gewonnen - darunter vier Grand Slams. Bislang hatte es in der Schwabenmetropole zwei deutsche Siegerinnen gegeben. Zuletzt hatte Julia Görges vor zwei Jahren den Titel geholt. Anke Huber war 1991 und 1994 erfolgreich.