Die Niederlage stand bereits fest, doch Deutschland ließ sich gegen Spanien nicht hängen. Nicolas Kiefer verhinderte die totale Schmach und dank eines Ersatzspielers wurde es sogar lustig.
Die Qualität von Tennisprofis als Interviewpartner scheint mit der Zeit abzunehmen. Je häufiger sie gefragt werden, desto größer ist offenbar die Wahrscheinlichkeit, dass sie ausschließlich Allgemeinplätze von sich geben. Weil mitunter auch die Kreativität so manchen Reporters zu wünschen übrig lässt, kann so eine Pressekonferenz eine ziemlich dröge Sache sein.
Und Spaß dabei: Michael Berrer (re.) mit Kontrahent Fernando Verdasco (© Foto: AP)
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Es sei denn, ein Profi wie Michael Berrer nimmt vor dem Mikrofon Platz. Der Stuttgarter ist die Nummer 65 der Welt, sein letzter Turniersieg ist mehr als ein Jahr her. Bei Wettbewerben auf der ATP-Tour kommt er zumeist nicht über das Achtelfinale hinaus. Es ist deshalb anzunehmen, das Berrer nicht allzu oft Interviews gibt. Das machte seinen Auftritt auf der Pressekonferenz beim Davis Cup in Bremen interessant.
Und Berrer hielt, was er versprach:"Philipp Kohlschreiber hat sich heute morgen nicht wohl gefühlt. Da hat er mich gefragt, ob ich spielen möchte. Ich habe zu ihm gesagt: Klar, aber das wird teuer!" Das war gleich zu Beginn ein kleiner Seitenhieb auf die Debatte um die Prämienverteilung im deutschen Team. Während bislang alle Spieler gleichberechtigt bezahlt worden waren, hatte Kohlschreiber eine leistungsbezogenere Vergütung gefordert. Ironie des Schicksals, dass die deutsche Nummer eins am Sonntag auf ein weiteres Spiel verzichtete - und damit womöglich auch auf ein Honorar.
Das durfte nun Ersatzmann Berrer einstreichen. Weil auch die Spanier ihre Nummer eins schonten, traf der Deutsche nicht auf Rafael Nadal, sondern auf Fernando Verdasco, der in der Weltrangliste 35 Plätze vor Berrer geführt wird. Davon war allerdings wenig zu sehen, Berrer präsentierte sich druckvoll und laufstark und nahm Verdasco in 28 Minuten den ersten Satz ab. Im zweiten Durchgang stand es 5:5 im Tie-Break, als Berrer eine Vorhand entglitt. "Der Arm war nicht ganz so schnell wie der Gedanke", sagte er. Sein Gegner ließ sich die Chance nicht nehmen und glich nach Sätzen aus.
"So etwas kostet mich leider viel mehr Kraft als ihn. Ich hätte locker ran gehen können, aber ich bin nun mal kein Typ, der locker ist. Ich bin nie locker", flachste Berrer, seine Aussage mit einem breiten Grinsen ad absurdum führend. Verdasco hatte ihn im dritten Satz viel laufen lassen und mit 6:4 gewonnen. Das war bereits die Entscheidung - weil die Spanier in der Gesamtbilanz bereits nach zwei Tagen mit 3:0 führten, wurden in beiden Einzeln am Sonntag nur zwei Gewinnsätze gespielt.
Schließlich zerstreute Berrer noch Zweifel daran, dass die Spanier angesichts ihres schon fest stehenden Sieges mit voller Kraft in den dritten Tag gegangen waren: "Die haben gestern vielleicht ein bisschen gefeiert, aber sie waren nicht erst um vier Uhr im Bett. Ich bin extra aufgestanden und habe das kontrolliert", sagte der Humorist vom Dienst.
Früh ins Bett gegangen war offenbar auch Nicolas Kiefer, der im letzten Match des Tages Feliciano Lopez mit 6:4, 7:6 besiegte und dem deutschen Team die Schmach einer 0:5-Pleite ersparte - ein kleines Detail für die Statistik, für Berrer jedoch eine große Sache: "Ist doch peinlich, wenn man seinen Kindern später so eine Bilanz zeigen muss.
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(sueddeutsche.de/tbc)
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