Tennis Gemeinsam aus der Regionalliga ins Grand-Slam-Finale

Angelique Kerber und Torben Beltz (File) German world number five tennis player Angelique Kerber (left) with coach Torben Beltz take a break during a practice session at the Queensland Tennis Centre ahead of the Brisbane International tennis tournament in Brisbane, Australia, 28 December 2012. EPA/MATT ROBERTS AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT (zu dpa ´Kerber-Trainer Torben Beltz: Rasur erst nach dem Turnier" am 28.01.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)
  • Am Samstag spielt Angelique Kerber ihr erstes Grand-Slam-Finale bei den Australian Open gegen die große Favoritin Serena Williams.
  • Großen Anteil daran hat auch ihr Trainer Torben Beltz, der sie einst als Teenager in der Regionalliga-Frauenmannschaft entdeckte.
  • Obwohl Beltz selbst nie Profispieler war, hat er es geschafft, Kerber nun auch bei den großen Turnieren besser zu machen.
Von Gerald Kleffmann

Wenn Angelique Kerber in Melbourne über die Tennisanlage läuft, folgt ihr meist ein langer Schlaks, und man muss sagen: Man fängt an, sich Sorgen zu machen. Sein Gesicht wächst zu wie bei einem Yeti, von Tag zu Tag. Dass hier einer am Verlottern ist, steht zum Glück nicht zu befürchten. Jedenfalls hat Kerber am Freitagmittag Entwarnung gegeben. Torben Beltz rasiere sich mit Absicht nicht mehr. Aus Aberglaube - und nicht, weil er keine Klingen mehr habe. Zuletzt soll er, dies als letzter Zwischenstand zu seinem Wuchs, aber beklagt haben, dass die Bartborsten jucken. Aber nein, der kommt nicht ab. Wie sie als seine Spielerin das so finde? "Mh, dazu sage ich jetzt lieber nichts", sagte Kerber lachend.

Natürlich ist ihr dieser Aberglaube recht. Kerber hat ja das Finale der Australian Open erreicht - beim Barte des Beltz.

Beltz selbst hatte den Durchbruch als Profi nie geschafft

Torben Beltz ist 39 Jahre alt, er war früher College-Spieler in den USA, er hatte den Durchbruch als Profi nicht geschafft - und jetzt ist er jener Trainer, der Deutschlands beste Tennisspielerin in ihr erstes Grand-Slam-Finale geführt hat. Kerber hat in Melbourne auch über ihren Coach geredet. Beltz kenne sie in- und auswendig. Er wisse, wie er sie erreiche. Wie er Kritik positiv und motivierend übermitteln muss. Er spüre auch, "wann er mich mal in Ruhe lassen muss". In Melbourne war das ja tatsächlich mal der Fall. Nach ihrem verkrampften Erstrundensieg gegen die Japanerin Misaki Doi, als sie einen Matchball abwehren musste und "bereits mit einem Bein im Flieger nach Hause" war, wollte sie für sich sein. Sie ging spazieren, am Yarra River, sie hatte auch ein Buch dabei.

So wie Kerber über Beltz sprach, wurde klar: Die Basis ihres Erfolges ist Vertrauen. Und deshalb ist es auch völlig egal, dass Beltz nicht dreimal Wimbledon gewonnen hat oder die Nummer acht oder 25 der Welt war.

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Beltz verstärkte nach seiner zweijährigen College-Zeit in Decatur im US-Bundesstaat Alabama den TC Alsterquelle, der in der zweiten Bundesliga spielte. In der Regionalliga-Frauenmannschaft trat damals ein talentiertes Mädchen an. Angelique Kerber war bereits eine erfolgreiche Jugendspielerin und holte zwei Titel bei den deutschen Meisterschaften der Unter-18-Jährigen. In einem lokalen Artikel des Hamburger Abendblatt wurde Beltz 2004 mit den Worten zitiert: "Ob es sich nun um Matchtraining oder das Fitnessprogramm handelt, Angi hängt sich voll rein. Die Chemie zwischen uns stimmt." Auch habe er "immer von einem Job als Tour-Trainer geträumt". Kerber wiederum sagte seinerzeit: "Wenn es um das ungeliebte Konditionstraining geht, ist Torben unnachgiebig, aber wir lachen viel beim Training. Diese Entscheidung werde ich nicht bereuen."

Nein, sie bereuen sicher nichts. Im Januar 2016 sind beide, Kerber und Beltz, "nach vielen Aufs und Abs in der Karriere", wie die neue Grand-Slam-Finalistin sagte, am Höhepunkt ihres gemeinsamen Weges angekommen. Am Samstag spielt Kerber gegen Serena Williams um den Australian-Open-Titel.