Tennis Er ist übrigens auch wieder da

Rafael Nadal hat sich nach mehreren langwierigen Verletzungspausen auf ein Weltklasseniveau zurückgekämpft.

(Foto: Matthew Stockman/AFP)

Während sich die Lobesyhmnen über Roger Federer überschlagen, hat auch Rafael Nadal seine Form wiedergefunden.

Von Max Ferstl, Miami/München

Im vergangenen Oktober haben sie sich auf Mallorca getroffen, um zu feiern. Ein wenig zumindest. Der eine, Rafael Nadal, eröffnete seine Tennis-Akademie. Der andere, Roger Federer, überreichte sein Geschenk: eine Collage mit Bildern früherer Schlachten. Paris 2005, Wimbledon 2008, Melbourne 2009, Federer war die Nummer eins der Welt, Nadal die zwei. Oder umgekehrt. An diesem Herbsttag schien diese ruhmreiche Vergangenheit weit weg. Da standen da zwei Versehrte. Federer hatte seine Saison längst beendet, das Knie. Nadal quälte sich mit einem schmerzenden Handgelenk herum. Es reichte nicht mal für ein kleines Showmatch.

Im Tennis kann es manchmal sehr schnell gehen. Im Januar rang Federer im Finale der Australian Open Nadal in fünf Sätzen nieder. Das Finale bräuchte sich auf der Collage nicht verstecken. Vergangene Woche gewann Federer dann auch das erste Masters-Turnier des Jahres in Indian Wells. Während sich also die Tenniswelt in sehr berechtigten Lobeshymnen auf den Schweizer ergeht, geht die Geschichte von Rafael Nadal beinahe ein wenig unter. "Ich habe selbst nicht geglaubt, dass er wieder dieses Level erreichen kann", sagte Andre Agassi: "Er hat mich definitiv eines besseren belehrt." Nadal hat zwar noch kein Turnier gewonnen, aber er hat schon zwei Finals erreicht. Im Race to London, das die Punkte der aktuellen Saison zählt, liegt Nadal auf Platz zwei. Die Eins ist Federer. Wie früher.

"Ich fühle, dass ich wieder auf einem sehr hohen Niveau bin", hat Nadal in dieser Woche gesagt, in der in Miami das zweite Masters-Turnier der Saison ausgespielt wird. Für Nadal ist dieses Gefühl, dieses Wissen um die eigene Stärke, besonders wichtig. Auf dem Platz sieht er mit seinem Stirnband aus wie ein Krieger. Früher noch mehr, als er ein T-Shirt ohne Ärmel trug und seinen mächtigen Bizeps zeigte. Nadals kraftvolles Spiel ist der Gegenentwurf zu Federers Eleganz. "Ich würde ihn gerne fragen, wie er es schafft, jeden Punkt so zu spielen, als ginge es um sein Leben", sagte der Australier Nick Kyrgios in Indian Wells.

"Ich spiele gut", sagt Nadal - im Jahr 2017 ist das wieder etwas Besonderes

Im Inneren, hinter der Fassade des Kriegers, wurde Nadal stets von Selbstzweifeln begleitet. Er gibt das in seiner Biographie offen zu. Auf dem Tennisplatz sah man davon lange Zeit nichts. Doch 2014 muss etwas gekippt sein. Nadal hatte zum neunten Mal die French Open gewonnen, seinen bislang letzten Grand-Slam-Titel. Dann verletzte er sich am Handgelenk. Als er 2015 zurückkehrte, sah man Nadal plötzlich auf dem Platz zweifeln.

Besonders deutlich zeigte sich die Veränderung an seiner Vorhand. Nadal schwingt nach dem Schlag extrem über den Kopf aus, wie ein Cowboy mit seinem Lasso. Kein Tennistrainer würde den Schlag so lehren, aber Nadal gibt durch diese Bewegung dem Ball eine Menge Vorwärtsrotation mit auf den Weg, dieser springt dann besonders unangenehm ab, hoch und schnell. In den vergangenen beiden Jahren verlor der Schlag jedoch an Schrecken. Die Bälle plumpsten ungefährlich weit vor der Grundlinie auf. Nadal schwang zwar nach wie vor das Lasso, doch brachte immer seltener jemanden zum stolpern. "Jedes Mal, wenn ich meine Vorhand schlage, müsste ich eigentlich bei meinem Gegner Schmerz verursachen. Das passiert nicht mehr sehr oft", klagte Nadal, als er vergangenen Oktober in Shanghai gegen Viktor Troicki verlor. "Ich muss meine Vorhand wiederfinden."

2017 scheint es, als hätte er sie wieder gefunden. Die Vorhand bereitet noch keine unerträglichen Schmerzen, aber sie richtet wieder Schaden an. In der zweiten Runde von Miami, streute er gegen Dudi Sela zwar ein paar Fehler ein. Aber in den brenzligen Situationen, wenn zum Beispiel ein Breakball abgewehrt werden musste, war Nadal zur Stelle. Nadal gewann recht locker, 6:3 und 6:4. "Ich spiele gut", sagt Nadal. Er glaubt wieder daran, auch die großen Titel gewinnen zu können.