Tennis: Dustin Brown Sein Plan ist, dass er keinen hat

Winsen an der Aller, das klingt nach germanischer Provinz; Jamaika, Karibik, das ist die Sonnenseite der Welt, und beides steckt in Brown, sichtbar in Marotten. Er neigt zum Zuspätkommen, also stellt er penibel schon mal die Uhr vor. Ehrgeizig verfolgt er seit Jahren seine Tenniskarriere, aber nicht gepampert von reichen Eltern, sondern er tourte drei Jahre wie ein Vagabund im Wohnmobil, wenigstens der finanziert vom Papa, von Miniturnier zu Miniturnier.

"Den Bus habe ich immer noch", sagt er in geschliffenem Hochdeutsch, derzeit aber genießt er die Vorzüge eines richtigen Profidaseins. "Es ist schon toll, in einem Spielerhotel wie hier in München wohnen zu können. Da kann man sich richtig auf die Arbeit auf dem Platz konzentrieren", sagt er mit kindlicher Freude.

Brown, der nach Reibereien mit dem jamaikanischen Verband nun unter deutscher Flagge startet, staunt selbst darüber, wohin er es geschafft hat, denn er musste erst lernen, sein unorthodoxes Spiel durchzuziehen - und bloß nicht anfangen, Tennis zu spielen. Er sagt: "Vier Passierbälle zu bekommen ist besser, als den Ball viermal in die Wurzel zu hauen. Von hinten mitspielen, das können 400 Leute auf der Welt besser als ich."

Wenn Brown aufschlägt, sieht es aus, als sei er beim Badminton. Obwohl ein Hüne von 1,96 Metern, spielt er die Rückhand beidhändig. Ansonsten sliced er hauptsächlich Vor- und Rückhand, wie man zu Schlägen mit Unterschnitt sagt, und stürmt ans Netz - oder auch nicht. Sein Plan ist, dass er keinen hat, intuitiv wendet Brown den Schlag an, der er gerade in sich spürt. Das kann schon mal ein Stopp von zwei Metern hinter der Grundlinie sein.

Brown weiß, dass das oft schräg aussieht. Erst gelingt ein Traumstopp, "alle klatschten", dann schnibbelt er die Kugel so, dass sie noch vor dem Netz landet, "da wundern sich die Leute schon". Seit Yannick Noah hat die Tenniswelt wohl nicht mehr so einen verspielten Kauz erlebt. Seine Art kommt jedenfalls an. Als er Wawrinka in München in den dritten Satz zwang, strömten Zuschauer zum Nebenplatz, als sei der Bobele aus Leimen auferstanden.

Ein Clown freilich ist Brown nicht, "mit diesem Spiel kann ich diese Leute schlagen", erklärt er ernst und fügt hinzu: "Man muss die Gabe, die man gekriegt hat, möglichst gut ausnützen." Sein Ziel ist es, die Top 60 zu erreichen. Er darf sich nicht ändern, dann hat er eine Chance. Am Donnerstag trifft er auf Radek Štepanek. Der Tscheche sollte mit allem rechnen.