Der Davis Cup gehört zu den ältesten Teamwettbewerben der Welt. Aber wie lange gibt es ihn noch? Profis und Vermarkter dringen auf moderneres Format des Tennis-Länderkampfes.
Im Tennis dämmern gravierende Neuerungen herauf. In der kommenden Woche beginnen in Melbourne die Australian Open, beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres werden sich die Spielervertreter und die Tennis-Gewaltigen zusammensetzen. Die Gespräche, das hat der Weltranglisten-Dritte Novak Djokovic bereits verraten, dürften "entscheidend für die nächsten Jahre sein". Wie die anderen beiden Szenegrößen Roger Federer und Rafael Nadal hat sich der Serbe vor einiger Zeit in das Gremium wählen lassen, das die Belange der Profis auf der Männertour ATP vertritt.
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Rafael Nadal beim Davis-Cup-Finale 2009 gegen Tschechien. (© Foto: Getty)
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Die drei bilden, umgeben von ihren Beratern und Sponsoren, eine mächtige Gruppe, die angetreten ist, dem traditionsreichen Spiel einen moderneren Anstrich zu verleihen. Wie weit sie dabei bereit sind zu gehen, wird nun deutlich: Diskutiert wird ein neues Format eines Länderkampfes, der - wenn sich die Idee durchsetzt - das Ende des Davis Cups bedeuten würde, eines der ältesten Wettbewerbe der Sportwelt. "Unser Hauptpunkt ist, dass wir versuchen, den Sport zu verbessern. Und dafür sind die Spieler das Wichtigste", sagte Djokovic beim Einladungsturnier in Kooyong.
Der Davis Cup in seiner derzeitigen Form ist nicht gut. Die erste Runde wird vom 5. bis zum 7. März ausgetragen, kurz vor den großen Hartplatz-Turnieren in den USA. Weil beim Davis Cup die Heimmannschaft das Recht hat, den Untergrund zu bestimmen, passt der Termin vielen Profis nicht in die Saisonplanung. Roger Federer wird aus diesem Grund die Auswahl der Schweiz nicht anführen, wenn es in der Stierkampfarena in Logrono auf Sand gegen Spanien geht. Andy Murray hat den Briten für den Vergleich gegen Lettland ebenso abgesagt wie Andy Roddick der US-Equipe für den Ausflug nach Belgrad.
Wenn einem Wettbewerb so viele Top-Spieler fehlen, ist das ein Problem. Welchen Stellenwert die Veranstaltung dennoch in einigen Ländern hat, lässt sich daran ablesen, dass in Chile die Präsidentin höchstselbst intervenierte, um Fernando González, den höchstnotierten Profi des Landes, zum Spiel gegen Israel zu bewegen.
Der Mannschaftswettbewerb im Männer-Tennis wird seit dem Jahr 1900 ausgetragen. Deutschland hat den gewaltigen Pokal dreimal gewonnen: 1988, 1989 und 1993. All die Traditionen und Emotionen aber könnten bald über Bord fliegen, wenn sich das Konzept durchsetzt, das die in Melbourne residierende Sport-Marketing-Agentur Gemba ausgedacht hat, in der einstige Nike- und Adidas-Manager mitmischen.
Die Idee firmiert unter dem wohlklingenden Namen "Grand Slam of Nations" und ist dem Format der Fußball-WM nachempfunden. Alle zwei Jahre sollen im Herbst 32 Nationen Teams zu einem Turnier schicken, das zehn Tage dauert. Die Teams sollen in acht Vorrunden-Gruppen eingeteilt werden, die besten 16 die K.o.-Runde erreichen. Dabei soll ein Team aus nur zwei Spielern bestehen und jede Partie in einem einzigen Einzel entschieden werden, das über drei Gewinnsätze geht.
Das würde den Wettbewerb stark beschleunigen - derzeit werden vier Einzel- und ein Doppel-Match pro Davis-Cup-Runde ausgetragen. Um dem Ganzen noch mehr Schwung zu geben, soll die Zeit, die jeder Spieler vor einem Aufschlag hat, auf 25 Sekunden verkürzt werden und ein Tie-Break schon bei fünf Punkten enden (statt wie bisher bei sieben). "In der modernen Welt konkurriert der Sport mit Hollywood-Filmen, Videospielen, dem Internet, Fernsehen und Musik", sagt James Hird, der sich das alles mitausgedacht hat. Der Davis Cup sei einst eine tolle Erfindung gewesen, aber: "Der Konsument von heute will seine Unterhaltung in einer anderen Form."
"Eine faszinierende Idee"
Der Schotte Andy Murray, 22, sieht das ähnlich. Er nennt den Nationen-Grand-Slam "eine faszinierende Idee". Der Kroate Ivan Ljubicic, 30, glaubt, der neue Wettbewerb würde viele Spieler zurück in den Nationenvergleich locken. Craig Tiley, der Turnierdirektor der Australian Open, nennt das Konzept "innovativ, erfrischend und klug zusammengestellt".
ATP-Chef Adam Helfant und die Entscheider wichtiger TV-Stationen sollen ebenfalls angetan sein. In der kommenden Woche wird das Werben für die Nummer weitergehen. Wann es eine Entscheidung geben könnte, ist offen. Der Australier Lleyton Hewitt aber warnt bereits: "Wenn etwas den Davis Cup ersetzen soll, dann muss es schon viel besser sein." Der 28-Jährige hat den Pokal zweimal gewonnen.
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(SZ vom 14.01.2010)
Der Flügelflitzer