Von Michael König

Deutschland liegt nach dem ersten Tag im Viertelfinale des Davis Cup gegen Spanien mit 0:2 zurück. Und doch nimmt die Mannschaft um Trainer Patrik Kühnen ein gutes Gefühl mit.

Spanische Tennisspieler tragen Stirnbänder, lange Haare und muskelbepackte, braun gebrannte Oberkörper über den Platz. Angesichts des Erscheinungsbildes der spanischen Davis-Cup-Mannschaft in Bremen ist diese Verallgemeinerung zulässig. Und es war auch verzeihlich, dass sich einige offenbar weniger gut informierte Fans im Oberrang der Bremer Halle fragten, wie es denn bitte sein könne, dass Herr Nadal zwei Matches hintereinander spiele - erst gegen Kiefer, dann gegen Kohlschreiber?

"Alles kommt zurück": Philipp Kohlschreiber war im Spiel gegen David Ferrer ratlos. (© Foto: ddp)

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Einem Kraftpaket wie Rafael Nadal würde man das ohne Zweifel zutrauen. Aber der Mann im roten Shirt war ein bisschen schmaler gebaut, seine Haare waren etwas heller und er trug den Schläger in der falschen Hand: Nicht Nadal, sondern David Ferrer stand dort auf dem Platz.

Und genau das war das Problem, denn Ferrer spielte so stark wie Nadal, er bereitete der deutschen Nummer eins Philipp Kohlschreiber große Schwierigkeiten, zu große Schwierigkeiten. Mit einem 6:7, 6:3, 6:4, 6:2-Erfolg entlarvte Ferrer die Annahme, Kohlschreiber habe in dieser Partie leichteres Spiel als am Sonntag, wenn es tatsächlich gegen Nadal geht, als Irrtum.

Das Aussehen Ferrers war nicht die einzige Parallele zum ersten Spiel des Tages zwischen Nicolas Kiefer und Rafael Nadal. Wie Nadal fand Ferrer, auf Weltranglistenposition fünf notiert, im ersten Satz nicht recht zu seinem Rhythmus und gab diesen sogar im Tie-Break ab. Allerdings, so stellte Kohlschreiber halb amüsiert, halb verzweifelt fest, "hat ihn das gar nicht gestört. Der Satz war für ihn wohl nicht entscheidend". Im zweiten Durchgang zog der Rechtshänder auf 5:0 davon, im dritten Satz auf 4:0. "Der ist wie eine Ballmaschine, die auf der Grundlinie steht. Alles kommt zurück", staunte Kohlschreiber.

Dem Deutschen blieb nur die Möglichkeit, Ferrer mit Angriffs- und Stop-Bällen zu ärgern. Allein: Bei Stop-Bällen bewies der 24-jährige Spanier seine Schnelligkeit, in der Offensivbewegung fehlte Kohlschreiber schlichtweg die Kraft. "Ich war platt, habe viele Fehler gemacht. Er hat gespielt, wie es sich für die Nummer fünf der Welt gehört", sagte der Deutsche, den die ATP in ihrem Ranking derzeit an Position 25 führt.

Nach etwas mehr als drei Stunden Spielzeit verwandelte Ferrer seinen ersten Matchball und erhöhte das Gesamtergebnis auf 2:0 für Spanien. Das ist zu diesem Zeitpunkt gewissermaßen der größte anzunehmende Unfall, doch die Spieler von Teamchef Patrik Kühnen blieben trotz des Rückstands gelassen und wurden nicht müde, die positiven Seiten dieser Davis-Cup-Partie zu betonen. Es sei Teamgeist in diese Mannschaft eingezogen, vermittelten die Top-Spieler Kiefer und Kohlschreiber unisono.

"Sie haben alle hinter mir gestanden", freute sich Kohlschreiber, während Kiefer - einst als Querulant bekannt - darauf hinwies, er sei ja schließlich älter geworden. Deutschlands bisher erfolgreichster Teamchef, Niki Pilic, hatte im Vorfeld der Partie im Interview mit sueddeutsche.de gesagt: "Vier Freunde müsst ihr sein." Diese Erkenntnis scheint sich durchzusetzen. Das ändert aber nichts an der prekären Lage der Deutschen: Wenn Kohlschreiber und Philipp Petzschner am Samstag im Doppel versagen, ist der Davis Cup für die Deutschen beendet. Da kann der Teamgeist noch so stark sein.

Und selbst wenn sie gewinnen sollten, muss sich Kohlschreiber klar steigern, um am Sonntag gegen Nadal bestehen zu können. Nicolas Kiefer gab ihm schon mal zwei wertvolle Tipps mit auf den Weg: "Er braucht schnelle Beine und muss immer auf der Hut sein." Das würde aber auch für die eventuell entscheidende Partie Kiefers gegen Ferrer gelten.

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(sueddeutsche.de/sekr)