Von René Hofmann

Sand statt Hartplatz, Frühjahr statt Oktober: Das Frauen-Tennis-Turnier in Stuttgart macht einen Großumbau durch. Doch eines bleibt gleich.

Die Sache mit dem Teppich ist wirklich ärgerlich. Tiefsee-Blau und ein zartes Grau - Markus Günthardt hatte lange über die neuen Farben für sein Turnier gegrübelt, aber als er den Ehrengastbereich der Tennis-Arena betrat, sah er gleich: Das geht nicht gut. "Wenn die Spielerinnen vom Platz kommen und hier eine Woche lang drübergehen, haben wir eine rote Autobahn", schwante ihm. Also regte er an: "Lasst uns einen anderen Teppich rund um den grauen legen." Farbton: ziegelrot. Darauf fallen Sandplatz-Tapper nicht so auf.

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Das Tennis-Turnier in Stuttgart findet 2009 erstmals im Frühjahr und erstmals auf Sand statt. (© Foto: ddp)

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Günthardt ist seit einigen Jahren Direktor eines Turniers, das es seit 1978 gibt: den Porsche-Tennis-Grand-Prix. Früher wurde der in einer gemütlichen Halle in Filderstadt-Plattenhardt ausgetragen, die dem Drogisten Dieter Fischer gehörte. 2006 zog die Veranstaltung in die Stadt. Nach Stuttgart. In eine mondäne Halle, die den Namen des Hauptsponsors trägt. In diesem Jahr nun der nächste Sprung: Statt im Oktober wird im April gespielt.

Statt eines schnellen Hartplatzes liegt langsamer Sand auf dem Boden. Wer auch nur ansatzweise weiß, wie sensibel Tennisprofis sind, ahnt, welch gravierende Änderungen das sind: Es ist ungefähr so, als würde der FC Bayern seine Heimspiele künftig auf Kunstrasen austragen und das prinzipiell mittwochs: Protagonisten und Publikum müssen sich gleichermaßen umstellen. Grund der Neuerung: Die Frauen-Tour hat den Kalender gestrafft und umgestaltet. Im Herbst lässt sie jetzt lieber in Asien Filzbälle fliegen.

"Wir hatten drei große Fragezeichen", sagt Günthardt: "Kriegen wir die Bedingungen optimal hin? Bleiben uns die Spielerinnen treu? Machen die Zuschauer mit?" Der 51 Jahre alte Schweizer ist schon lange im Geschäft. Bis 1985 war er selbst Profi. Danach arbeitete er für die Vermarktungsfirma IMG, dann für Ion Tiriac. Als Direktor verantwortete Günthardt das Masters in Stuttgart und in Madrid sowie die ATP-WM in Hannover.

Günthardt kann es sich leisten, ehrlich zu sein. "Am Anfang habe ich zwar wacker behauptet, dass wir das hinbekommen, aber ich hatte keine Ahnung, wie das gelingen sollte", sagt er. Seit die ersten Spielerinnen in der vergangenen Woche nach dem Training ohne großes Murren von dem neuen Sandplatz kamen, ist er gelassen. Der Untergrund war der heikelste Punkt in dem Wir-bauen-unser-Turnier-um-Plan.

Sandplätze gibt es zwar viele. Auch in der ein oder anderen Halle wurde schon einer verlegt. Aber noch nie so flugs, wie es Günthardt brauchte. Das Spiel auf dem rutschigen Belag erfordert Geduld - in allen Belangen. Eine Woche dauert es normalerweise, bis ein Sandplatz sich gesetzt hat. So viel Zeit aber hatte Günthardt nicht. Die Stuttgarter Halle ist gut gebucht. Für den Aufbau blieben bloß ein paar Tage, für den Abbau bleiben gerade einmal zwei. Zusätzliche Anforderungen: Der Sand sollte bitte weder stauben noch nach Wasser dürsten. Tennis als sauberer Sport, nicht als ein Spiel von Schmuddelkindern - so wollen es die Sponsoren. Im Grunde suchte Günthardt also einen Sandplatz, der möglichst wenig mit einem Sandplatz zu tun hatte.

Fündig wurden er und die sportliche Leiterin Anke Huber schließlich in Hockenheim. Dort liegt das Werk einer Schweizer Firma. Ihr Geheimnis: viel Chemie. Statt auf einer dicken Schicht aus Lehm und Schotter wird die Asche auf einer drei Zentimeter dünnen Unterlage aus Tonsplitt und Kunststoff verteilt. Das Ganze hält ein Staubbinder zusammen - und es ist mit einer Art Öl getränkt. Ausgebracht wird das Gemisch, das unter anderem von der Firma BASF entwickelt wurde, laser-exakt. Löcher? Staub? Aufwendige Pflege? Alles Fehlanzeige.

Vier solcher Courts wünschte sich die Frauen-Tour. Fünf hat Günthardt aus 75 Tonnen Material bauen lassen, zwei davon in einem nahen Klub, die das ganze Jahr dort bleiben werden. Günthardts Ziel: Die Spielerinnen sollen möglichst viele, möglichst gute Bedingungen finden, um sich auf die French Open vorzubereiten. Gerne hätte er auch die Fed-Cup-Partie Deutschland gegen China als Turnier-Ouvertüre ausgerichtet, aber das konnte der Deutsche Tennis-Bund beim Weltverband nicht durchsetzen.

In den vergangenen Jahren schlugen regelmäßig viele Top-Spielerinnen in Stuttgart auf. Auch dieses Mal ist das so. Von den ersten 20 der Weltrangliste sind 14 da. Das gefällt Günthardt - ebenso wie das Wetter. "Endlich spielt auch das mit", freute er sich am Dienstag, als es in Stuttgart goss. Regen schwemmt Zuschauer in die Halle.

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(SZ vom 29.04.2009)