Nach dem Ausstieg von T-Mobile beendet auch Adidas sein Radsport-Engagement, das Innenministerium prüft einen Förderstopp.
Ausgerechnet Bjarne Riis. Der Däne, der 1996 die Tour de France im Trikot der Deutschen Telekom gewann und hinterher zugeben musste, dabei mit Epo, Cortison und Wachstumssubstanzen nachgeholfen zu haben, äußerte sich als einer der ersten zum Ausstieg des Unternehmens als Radsportsponsor. "Natürlich wird man ein bisschen wehmütig. Aber sie werden wohl ihre Gründe haben", sagte er der Zeitung Berlingske Tidende. Dafür, dass er jahrelang eine der Hauptfiguren in dem Schmierentheater war, klingt das reichlich lapidar.
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Ähnlich deplatziert wirkt das Pathos, mit dem die Zeitungen im traditionellen Radsport-Land Italien die Meldung behandelten. "Das ist ein Schock", schrieb La Gazzetta dello Sport. Die größte Sporttageszeitung und Ausrichterin des Giro d'Italia, sieht das "Ende einer Ära" gekommen. "Der Sponsor flieht vor dem Doping", titelte L'Unione Sarda. Das Wirtschaftsblatt Il Sole 24 Ore schrieb: "T-Mobile hängt das Rad an den Nagel."
Welche Wirkung der Rückzug des Konzerns als Rad-Sponsor auf den gesamten Sport hat, war am Mittwoch das große Thema. Peter Danckert (SPD), der Vorsitzende des Bundestag-Sportausschusses, sagte: "Das wird Kreise ziehen." Hartmut Zastrow, Vorstandsmitglied bei der Beratungsfirma Sport + Markt, bezifferte den Wertverlust für den Radsport auf "zwischen 100 und 150 Millionen Euro". "Auf Jahre hinaus", sagte er der dpa, sei es für börsennotierte Unternehmen nun undenkbar, in die Disziplin zu investieren: "Das würde für massive Proteste der Aktionäre sorgen." Der Sportartikelhersteller Adidas reagierte entsprechend. Der Co-Sponsor des T-Mobile-Teams kündigte an, "ab sofort nicht mehr als Ausrüster aufzutreten". Auch das ebenfalls bis 2008 verabredete Engagement der Autofirma Audi wackelt. Und die Radfirma Giant, die einen Kontrakt bis 2010 eingegangen ist, teilt ebenso mit: "Wir prüfen die Optionen."
Auf den Fortbestand der Mannschaft dürfte all das aber keine Auswirkungen haben. "Wir haben genug Mittel, um die nächsten zwei Jahre ohne einen neuen Sponsor weiter zu fahren", sagte Team-Manager Bob Stapleton, der den Rennstall unter dem Namen "High Road" weiterbetreiben will und nach Informationen der ARD als Abfindung für das vorzeitige Vertragsende rund 25 Millionen Euro bekommen haben soll.
Vielerorts wird derzeit geprüft. Auch in Berlin im Bundesinnenministerium. Ob es die Zuwendung von zwei Millionen Euro pro Jahr für den Radsport weiter gebe, sei "offen", wurde am Mittwoch mitteilt. Die Frage stelle man sich bereits seit dem Sommer. Mitte Dezember werde ein Zwischenbericht erwartet. Danach werde man sehen, "ob das auch in Zukunft in diesem Maße gefördert werden kann", sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur AP. Radprofi Jens Voigt warnte in seiner Funktion als Fahrersprecher im Sender N24 vor möglichen Konsequenzen: "Wenn jetzt Sponsoren aussteigen und öffentliche Fördergelder gekürzt werden, trifft das am ehesten den Nachwuchs, der damit überhaupt nichts zu tun hat."
Dass es derlei Tendenzen gibt, zeigt die Tatsache, dass Adidas auch erwägt, die Nationalteams des Bundes Deutscher Radfahrer nicht mehr auszurüsten. "Wir stehen in Verbindung mit dem BDR um im Gesamtkontext über die Problematik im Radsport zu sprechen", sagte ein Sprecher. Dass die Doping-Diskussion mit dem Rückzug von T-Mobile ausgestanden ist, erscheint unwahrscheinlich. "Die meisten Dinge stehen noch bevor", kündigte der Doping-Bekämpfer Werner Franke an: "Auch die nächsten Monate werden nicht sehr werbewirksam sein."
Einen Kontrapunkt zu der Ankündigung und der allgemeinen Stimmungslage setzte nur einer: Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Internationalen Olympischen Komitees. Er sagte der Wochenzeitung Die Zeit: Wenigstens 90 Prozent aller Athleten seien sauber.
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(SZ vom 29.11.2007/lsp)
Berliner Zeitung
Thomas BAch ist (glücklicherweise) nicht Präsident des IOC.
Die Tour of California ist da schon weiter: Heißt offiziell "Amgen Tour of California". Amgen ist der amerikanische Hersteller von EPO.
amgentourofcalifornia.com/
Generell waren es die falschen Sponsoren (Banken, Telefongesellschaften und Getränkehersteller). Es sollten sich neue finden, die einen echten Bezug zu diesem Sport haben. Etwa: Pharmahersteller, Blutbeutelproduzenten und Anbieter von Infusionsgeräten.
Ich hoffe aber trotzdem, dass am Schluß nicht nur der Fussball übrig bleibt, der von der Industrie gesponsert wird. Denn breiter Leistungssport ist nun einmal ohne Sponsoring der Industrie nicht machbar. Wie man es nicht machen sollte, zeigt leider die Firma Bayer.