Talente bei HSV und Werder Küken für die Krise

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Die schweren Zeiten beim Hamburger SV und Werder Bremen bringen neue Talente hervor: Junge Spieler wie Mohamed Gouaida und Melvyn Lorenzen erhalten ihre Chance - und helfen ihren Klubs nicht nur auf dem Platz.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Eigentlich wäre Melvyn Lorenzen längst nicht mehr in Bremen. Sondern in Oman, Urlaub machen, mit seiner Freundin Assal. Geht nicht, hat sein Coach Viktor Skripnik gesagt, also hat Lorenzen die lange geplante Reise storniert. Zum Unmut von Assal, zur Freude von Werder Bremen.

Lorenzen, gerade mal 20 Jahre alt, ist eines der jungen Gesichter, das die Krise bei den Nordklubs der Bundesliga hervorbringt. Davie Selke und Richard Strebinger, seine Teamkollegen, sind zwei andere. Und beim Hamburger SV setzen sie auf plötzlich auf Mohamed Gouaida, Ronny Marcos und Ashton Götz. Keiner dieser sechs Spieler ist vor 1993 geboren.

In Krisenzeiten ist es für Fußballlehrer ein probates Mittel, Spieler mit Kükenstatus einzubauen, die Wochen zuvor noch als vii-hii-hiiel zu jung gegolten hätten. Die Alten haben es nicht gebracht, nun darf die Jugend ran, wird so nach außen signalisiert. Außerdem kann sich der Coach sicher sein, über alle Maßen motivierte Spieler im Team zu haben, die zwar über keine allzu große Erfahrung verfügen, aber im Zweifel lieber einmal mehr grätschen als einmal zu wenig.

Beim HSV ist dieses Phänomen gut zu beobachten. Seit Jahren glaubt die ganze Stadt, dass der Tabellenplatz viel schlechter ist als das Leistungsvermögen. In der Mannschaft tummeln sich Nationalspieler und ehemalige Nationalspieler - sie haben den HSV in die schwierige Lage nah am Abstieg gebracht. Der neue Coach, Joe Zinnbauer, ist selbst noch jung, hat bis vor Kurzem die U23 trainiert. Und er hat auch gleich klargemacht, dass er den Kader verjüngen will.

Seit Zinnbauer angetreten ist, hat sich die Mannschaft was den Tabellenplatz angeht nur geringfügig verbessert. Und doch trägt die Mannschaft ein anderes Gesicht. Gouaida, 21, rangelt mit Lewis Holtby um den Stammplatz auf der linken Seite. Marcos und Götz, beide ebenfalls 21, erhalten ihre Einsatzzeiten auf den Außenverteidiger-Positionen. "Sie bringen Tempo in unser Spiel. Das tut uns gut", sagt Dennis Diekmeier, einer von den Alten, die seit Jahren beim HSV sind.