Sylvia Schenk will BDR-Präsidentin werden Doping-Jägerin tritt gegen Scharping an

Schenk gegen Scharping: Zeitenwende oder Kontinuität?

(Foto: dpa)

Die erklärte Doping-Jägerin Sylvia Schenk bestätigt ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl des deutschen Radverbandes. Sollte Schenk gegen Amtsinhaber Rudolf Scharping gewinnen, steht dem Verband eine Zeitenwende bevor.

Nun ist es offiziell: Sylvia Schenk, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland und von 2001 bis 2004 Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), kandidiert offiziell für das höchste Amt im deutschen Radsport. "Ich gehe die Wahl mit großer Gelassenheit und Vorfreude an", sagte die 60-Jährige. Ihr Gegner ist Amtsinhaber Rudolf Scharping.

Schenk, die im Falle eines Wahlerfolges ihr Engagement im Vorstand von Transparency Deutschland ruhen lassen will, gilt als Verfechterin eines harten Anti-Doping-Kurses. Ihr Programm für die angestrebte Präsidentschaft folgt diesem Kurs. "Ich bin ein Teil des Radsports. Ich will nicht nur von außen kritisieren, sondern mitdiskutieren, mitwirken", erklärte Schenk am Mittwoch.

Schenk sagt, sie wolle dem Radsportverband zu Glaubwürdigkeit in der Dopingbekämpfung verhelfen und den intensiven Dialog mit der Basis verstärken. Damit war sie am Ende ihrer ersten Präsidentschaft im Jahr 2005 gescheitert - in einer Zeit, als Doping im Radsport noch weitgehend unentdeckt blieb.

Amtsinhaber Scharping stellt einen Gegenentwurf zur Frankfurter Anwältin Schenk dar. Immer wieder wurde ihm fehlende Durchsetzungskraft in Anti-Doping-Fragen vorgeworfen. Während seiner Amtszeit war Scharping versucht, die Dopingfälle um Jan Ullrich, Rolf Aldag und Erik Zabel als Einzelfälle abzustempeln.

Hinzu kommt, dass Scharping in den vergangenen Wochen eine gewisse Amtsmüdigkeit erahnen ließ. Er verspüre "zunehmend weniger Neigung zu einer weiteren Kandidatur", sagte Scharping. Dies habe er verbandsintern immer wieder geäußert. Umso überraschender betreibt er nun doch Wahlkampf und strebt nach einer weiteren Amtszeit.

Kritik von Robert Bartko

Währenddessen hat Bahnradfahrer Robert Bartko vor der Hauptversammlung Kritik am Präsidium unter der Führung Scharpings geübt. "Mich stört, dass er acht Jahre Zeit hatte und inhaltlich wenig bewegt hat. Für mich ist der Präsident der Repräsentant in der Öffentlichkeit. Ich weiß nicht, ob er den Job so gut gemacht hat", sagte der Doppel-Olympiasieger von Sydney, der sich um das Amt des Vizepräsidenten Leistungssport bewirbt.

Scharping habe im Anti-Doping-Kampf zwar viel bewegt und dieses Thema forciert. Dies sei jedoch nicht als Imagegewinn transportiert worden. "Er lässt sich im Präsidium sehr einseitig informieren. Es findet wenig Kommunikation mit der Basis statt", sagte Bartko.

Gleichzeitig betonte der 37-Jährige, dass seine Kandidatur unabhängig vom zukünftigen Präsidenten sei: "Ich trete nicht gegen Herrn Scharping oder für Frau Schenk an. Ich habe kein Problem, mit ihm zusammenzuarbeiten. Es geht um eine inhaltliche Debatte im Leistungssport, es ist eine Veränderung nötig."