Super Bowl Nur Nate Silver weiß, wer gewinnen wird

Die Baltimore Ravens spielen gegen die San Francisco 49ers.

(Foto: dpa)

Bei der Super Bowl wetten die Amerikaner liebend gerne: Auf die Länge der Nationalhymne, den Inhalt des ersten Werbespots. Und natürlich auf den Sieger. In diesem Jahr wagt Nate Silver einen Tipp - jener Statistik-Guru, der den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl korrekt vorhersagte. Seine Prognose ist kühn.

Von Jürgen Schmieder

Es gehört zur amerikanischen Tradition, anlässlich der Super Bowl auf alles zu wetten, das an diesem Sonntag passieren könnte: Wird Alicia Keys für ihre Interpretation der Nationalhymne länger brauchen als eine Minute und 35 Sekunden? Dreht sich der erste Werbespot um ein Auto, einen Film - oder doch um Bier? Welcher Sänger wird gemeinsam mit Beyoncé Knowles in der Halbzeitpause auftreten? Und welche Farbe wird das isotonische Getränk haben, das dem siegreichen Trainer am Ende über den Kopf gekippt wird?

Freilich wetten die Menschen auch sportliche Aspekte wie den wertvollsten Spieler, die erzielten Punkte oder verpasste Field Goals. Und natürlich setzen sie Geld darauf, wer das Endspiel gewinnen wird: die Baltimore Ravens oder die San Francisco 49ers? Bei den Buchmachern liegen derzeit die 49ers vorne, weil sie laut Expertenmeinung über die bessere Defensive verfügen und der Spruch, dass die Defensive Meisterschaften gewinnen würden, in den USA den Status eines Gesetzartikels genießt.

Bisweilen werden im Sport ja zoologische Orakel befragt wie etwa der Elefant Nelly (Frauenfußball-WM), die Schildkröte Magdalena (Eishockey-WM) oder das Schaf Sonny Wool (Rugby-WM). Bei der Fußball-EM gab es gar die die Elefantendame Citta, den Eber Futnik und die Seemöwen über Usedom. In den Vereinigten Staaten gibt es das nicht - dort gibt es Nate Silver.

Das ist der Mann, der den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl für die New York Times korrekt vorhersagte. Er lag in allen 50 Bundesstaaten richtig, bisweilen waren seine Prognosen bis auf Zehntelpunkte genau. Als viele Fernsehsender bei einigen Staaten noch ihre Lieblingsfloskel "too close to call" verwendete, da rief Silver längst Barack Obama als Sieger aus. Der 33-Jährige gilt als statistisches Genie und wird vom Time Magazine als eine der 100 einflussreichsten Personen weltweit geführt.

Nun hat Silver das Endspiel um die Meisterschaft im Football analysiert - und herausgefunden, dass die 20 besten Defensivformationen in der Geschichte tatsächlich in beinahe 80 Prozent der Fälle das Endspiel gewannen, während die 20 besten Offensiven lediglich eine Siegquote von 50 Prozent vorweisen können. Nun gelten die 49ers sowohl offensiv als auch defensiv als das bessere Team, als sollte San Francisco das Endspiel gewinnen.

Doch Moment, sagt Silver, vergessen wir nicht die so genannten Special Teams! Das sind jene Formationen, die aufs Feld kommen, wenn es darum geht, den Football nach vorne zu prügeln oder mit einem gezielten Schuss durch die Torstangen zu befördern. Im vergangenen Jahr wurde das Finale zwischen New York und New England auch dadurch entschieden - und in diesem Jahr verfügen die Ravens über die besten Special Teams der gesamten Liga.

Worauf sollen die Menschen denn nun wetten? Darauf will sich in diesem Jahr nicht einmal Nate Silver festlegen. Er könne allerdings Zeit sein für ein neues Klischée, schreibt er. Nicht der spektakuläre Spielmacher oder die beinharten Verteidiger könnten entscheiden sein - sondern ein Spruch könne bald lauten: "Punter gewinnen Meisterschaften!"