Stuttgart führt gegen Mainz lange. Dann provoziert Jens Lehmann eine rote Karte gegen sich und einen Elfmeter für den Gegner - und das Spiel endet Remis.
Es hat nur vier Tage gedauert, bis aus einer Not- eine Wunschelf wurde. Am Mittwochabend, beim Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni, klagte der VfB Stuttgart noch über angeschlagene und verletzte Spieler; aber nach dem 3:1-Sieg sah der neue VfB-Trainer Christian Gross keinen Grund, die Elf, aus der plötzlich eine Erfolgself geworden war, in der Bundesliga zu verändern (mit einer Ausnahme: für den gesperrten Tasci verteidigte Niedermeier).
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Da war er wieder, der streitbare Jens Lehmann: Kurz vor Schluss rempelte der VfB-Keeper den Mainzer Bancé (am Boden) und sag Rot. (© Foto: AP)
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Es fehlte nicht viel, und die Erfolgself wäre ein zweites Mal erfolgreich gewesen, aber am Ende errangen die Stuttgarter bei den heimstarken Mainzern ein 1:1 - nach einer dramatischen Schlussphase, die in einem Platzverweis für VfB-Torwart Jens Lehmann und einem Elfmetertor des Mainzers Polanski gipfelte.
In den ersten Minuten des Spiels schien es, als würden die Stuttgarter noch überlegen, ob sich der Schwung vom Mittwoch nach langen finsteren Wochen einfach so ins nächste Wochenende transportieren ließe. Sie begannen eher so, wie sie zuletzt unter dem Teamchef Markus Babbel begonnen hatten: ein bisschen zu verspielt, ein bisschen zu fahrig. Die Mainzer dagegen starteten so, wie sie meistens zu Hause starten: gar nicht verspielt, gar nicht fahrig - sondern aggressiv drauflos. Es dauerte nur 20 Sekunden, bis sie sich den ersten Eckball erwirtschaftet hatten, und nach 71 Sekunden durften die Statistiker bereits die erste Torchance durch Andreas Ivanschitz zu Protokoll nehmen. Wo war der VfB?
Pogrebjnak trifft wieder
Er kam dann doch. Anders als in den vergangenen Wochen nahmen die Stuttgarter eine schwere Anfangsphase nicht zum Anlass, sich das Leben noch schwere zu machen. Sie spielte nun wie eine Mannschaft, die unter Beobachtung eines strengen Trainers steht. Und wie schon am Mittwoch, so drängten zunächst wieder zwei Spieler in den Vordergrund, die unter Babbel abgeschrieben waren und sich dem neuen Chef empfehlen wollten. Timo Gebhart dribbelte sich durchs Mittelfeld, und von dort nahm eine Kombination über Khedira, Hleb und Boka ihren Anfang, die am Oberschenkel des Russen Pawel Pogrebnjak endete. Von dort flog der Ball (11.) ins Netz - ein Tor, das nur ein Stürmer reinwurstelt, dessen Reflexe wieder intakt sind.
Zur Halbzeit durften die Stuttgarter zufrieden registrieren, dass wieder Leben in der Mannschaft steckt. Wenn es bei Stuttgart nicht läuft, dann spielt die Elf brotlosen technischen Fußball. Wenn es läuft, spielt sie technischen Fußball - so wie in der 19. Minute, als Gebhart nach feiner Khedira-Vorlage an Heinz Müller scheiterte. Der Mainzer Torwart war es auch, der seine Elf in der 40. Minute vor einem höheren Rückstand bewahrte, als einen Kopfball von Marica mit grandiosem Reflex aus dem Eck fischte.
Mainz gibt nicht auf
Den Stuttgartern gelang es, die Mainzer halbwegs kurz zu halten, aber ganz ausschalten lässt sich diese Elf im heimischen Stadion nicht. Die Elf von Thomas Tuchel hat so viel Leidenschaft im Spiel, dass sie immer Wege findet, sich dem Tor anzunähern; mit Wucht, wie sie Mittelstürmer Aristide Bancé verkörpert, gerne aber auch mit Finesse, wofür unter anderem der Kolumbianer Elkin Soto steht. Immer wieder fanden seine Pässe die Lücken in der Viererkette des VfB.
Nach der Pause zeigten die Mainzer, dass sie gewillt waren, ihre vortreffliche Heimbilanz aufrechtzuerhalten. Sie waren nun die prägende Elf, mehr als Noveskis Kopfball (62.) sprang zunächst aber nicht heraus, weil die Stuttgarter defensiv konzentriert blieben. Je mehr die Partie aber Richtung Schlussphase einbog, desto kämpferischer stürmte Mainz nach vorn. Immer dramatischer wurde die Schlussphase, vor allem Bancé und Lehmann gerieten nun mehrfach aneinander. Kurz vor Schluss eskalierte die Situation, als Lehmann dem Angreifer auf den Fuß stieg, was Schiedsrichter Stark mit Elfmeter und Platzverweise ahndete: Polanski überwand den eingewechselten Torwart Ulreich zum 1:1 (90.).
Weitere Videos finden Sie hier
Im Video: Auch nach dem Spiel sorgte Lehmann für einen Eklat. Er geriet mit einem Fan aneinander.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 14.12.2009/jbe)
Der Flügelflitzer
Liebster Fußballverein Stuttgart,
Bitte Verkauft den Hubschrauber plus Herrn Lehmann. Sie können das Schmerzensgeld gut gebrauchen.
Und mit dem wollte Klinsi nach Gretna-Green. Mich schauderts, wenn ich dran denke, dass Mad Jens fast der WM-Held geworden wäre. Da muss ich nachträglich Signore Grosso danken. Grazie.
@ tinidi & hellboy: ja, in der szene gab es keinen pfiff. lehmann hat die hereingabe gefangen und hätte anschliessend ohne spielunterbrechung den ball wieder ins spiel bringen können.
foul,elfmeter, normal
der typ ist irre, keine frage. nur leider ist er auch so ziemlich der letzte, über den man sich dann auch mal so richtig ordentlich aufregen kann und an dem sich gegnerische fans hochziehen können.
wer würde heute noch über dieses spiel reden, wenn die letzten 3 minuten nicht gewesen wären?
das mag nicht unbedingt der viel geforderten vorbildfunktion für kinder und jugendliche entsprechen, es entspricht aber dem anspruch nach show, den ein grossteil der besucher einen fussballspiels sehen will, wenn sie dort hin gehen.
was kommt wenn lehmann weg ist? worüber reden wir dann? über die frisur von schweini, daß shirt von poldi? kahn, lehmann, möller, mathäus, toni schumacher etc. etc, alle mehr oder weniger wahnsinnig oder link aber genau das, was die leute sehen wollen(ten).
Lehmann ist ein typisches Beispiel von Sportler der den richtigen Zeitpunkt zum Absprung nicht schafft. Da haben Massen an Menschen Kahn Charakterlosigkeit und Arroganz und was weiss ich was vorgeworfen. Während Kahn aber mit zunehmender Berufsdauer immer gelassener wurde, seine sportlichen Eskapaden seltener und er den Zeitpunkt zum Abgang optimal gewählt hat, verstrickt sich Lehman immer mehr in seinem übertriebenen Selbstbild. Er hält sich ja auch immer noch für besser als die aktuellen Nationaltorhüter und würde sich selbst wohl ganz deutlich als Nummer 1, 2 und 3 für die WM in Südafrika nominieren.
Dazu kommt, dass seine Arroganz häufig gerade nach schwachen Leistungen zu Tage tritt und dann nicht wenigstens in Selbstkritik umschlägt. Selbstkritik war noch nie seine Sache. Lehmann war mal ein sehr guter Torhüter. Er ist sicher immer noch ein guter. Aber als Mensch war und ist er mir zutiefst unsympathisch!
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