Streit zwischen DTB-Präsident und seinem Vorgänger "Würde- und respektlose" Vorwürfe erschüttern Tennis-Bund

Karl-Georg Altenburg leitet als Präsident den Deutschen Tennis-Bund und kritisiert die "schlimmen Zustände", die ihm sein Vorgänger überlassen hat. Georg von Waldenfels liefert nun einen Konter, der Altenburg nicht nur persönlich, sondern vor allem beruflich in Frage stellt.

Von René Hofmann

Georg von Waldenfels, bis 2011 Präsident des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), hat mit Empörung auf die Kritik seines Nachfolgers Karl-Georg Altenburg reagiert, er habe bei der Amtsübernahme "schlimme Zustände" vorgefunden. Altenburg, Deutschland-Chef der Bank JPMorgan Chase, hatte auf der DTB-Mitgliederversammlung am Sonntag Startschwierigkeiten eingeräumt und als Begründung "furchtbare" Verhältnisse genannt, die er angetroffen habe.

In einem Brief an Altenburg, der in Kopie den Mitgliedern des DTB-Präsidiums zuging, wehrt sich Waldenfels, 68, gegen diese Vorwürfe: "Der Versuch, Ihr Versagen im ersten Jahr Ihrer Präsidentschaft mit unbegründeten Vorwürfen an das Vorgänger-Präsidium zu begründen, ist für mich ein unglaublicher Vorgang." Dieser treffe auch die Landesverbands-Präsidenten, die in alle Entscheidungen eingebunden gewesen seien. "Tennis", schreibt Waldenfels weiter, "zeichnet sich insbesondere durch Fairness, Respekt und Anstand aus. Dies vermisse ich leider bei Ihnen." Altenburgs Auftritt auf der Mitgliederversammlung sei "respekt- und würdelos" gewesen.

Überhöhte Gehälter

Zu Beginn der Amtszeit von Waldenfels drückten den DTB im Jahr 1999 rund 13 Millionen Euro Schulden. Die drohende Insolvenz konnte durch den Verkauf von Turnierrechten abgewendet werden. Diese Schritte waren - ebenso wie ein teurer Rechtsstreit, den Waldenfels mit der Profitour ATP wegen der Zurückstufung des Turniers am Hamburger Rothenbaum führte - nicht unumstritten. Bei seinem Abschied war der DTB allerdings schuldenfrei, wie Waldenfels in dem Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, erneut betont. Altenburgs Bilanz im ersten Jahr hingegen, sei "gleich Null", behauptet Waldenfels und nennt Beispiele des Versagens: Anders als versprochen seien keine Sponsoren gewonnen worden. Im Gegenteil: Der Hauptunterstützer des Davis-Cup-Teams habe gekündigt, wodurch dem Verband ein Verlust von 40 000 bis 80 000 Euro entstanden sei.

Ein weiterer Vorwurf an seinen Nachfolger bezieht sich auf das Gehalt "zu nicht gerechtfertigten Konditionen", das Altenburg dem Geschäftsführer Stephan Brune gewährt habe: "240 000 Euro + mögliche Tantiemen". Durch die halbjährige Kündigungsfrist, so Waldenfels, sei dem DTB durch Brune und die inzwischen eingeleitete Trennung von diesem "ein Schaden von insgesamt mindestens 360 000 Euro" entstanden. Altenburg ließ dazu erklären: "Diese Summe können wir nicht bestätigen." Das Gehalt sei "die Gegenleistung für die Arbeit des Geschäftsführers. Diese Gegenleistung wird auch in den nächsten Monaten noch honoriert".