Streit um die deutsche Sportförderung Weiter so, auf leisen Sohlen

Die Kluft ist groß zwischen dem Dachverband des Deutschen Olympischen Sportbundes und seiner einzelnen Unterverbände. Es geht ums Geld und wie es verteilt wird. Der deutsche Sport braucht eine offene Debatte. Also genau das, was Thomas Bach nicht gebrauchen kann. Denn seine Uhr tickt.

Ein Kommentar von Thomas Kistner

Lustig ist es nicht, ein fröhliches Rätselspiel aber gibt die Sache her: Um welche Länder geht es? Legt man sie nebeneinander, die Positionspapiere von Deutschem Olympischen Sportbund DOSB und Tischtennis-Bund, ließe sich endlos spekulieren ob der radikal gegensätzlichen Ansichten. Auf die Lösung käme niemand: Es geht um ein und dasselbe Land. Es geht um den deutschen Sport.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting läßt raus was raus muss. Und das Verhalten des DOSB passt dem Sportler gar nicht. 

(Foto: dapd)

Die Kluft kann nicht größer sein zwischen Dach- und Fachleuten. Da ist die Chuzpe erstaunlich, in der die DOSB-Führung solche Sätze verbreitet: "Mit unseren Mitgliedsverbänden sind wir einig!" Einig darin, dass alles zum Besten steht, es nur geringer Optimierung bedarf und die obskuren Zielvereinbarungen allseits erwünscht sind - der Rest sei eine "Phantomdiskussion". Hurra, weiter so?

Wie real die Debatte ist unter den Fachverbänden, belegen nicht nur die Vorstöße von Tischtennis- und Leichtathletik-Vertretern. Deren Verbände zählen ja zu den wenigen, die in London lieferten, sie argumentieren aus einer starken Position, wenn sie dem "Weiter so!" des DOSB entgegenhalten: "Alle Maschinen stopp!"

Sie fordern schlüssige, transparente Förderstrukturen, in Einklang mit den gesellschaftlichen Ansprüchen. Schließlich geht es um Steuermittel, deren Einsatz, auch das war jüngst zu bestaunen, von DOSB und angeschlossener Ministerialbürokratie auf filmreife Art geheim zu halten versucht wird. Das Innenministerium brauchte zwei Gerichtsbeschlüsse, bis es die Zielvereinbarungen publik machte.

Was ist los im deutschen Sport? Medaillenziele werden diskret ausgeheckt, es wird verdeckt und versteckt. Kaum ein Funktionär traut sich, den Mund aufzumachen. Furcht geht um vor Schikanen und Ausgrenzung. Da erinnert manches an die Geheimkörperkultur der DDR. Zum Beispiel die Energie, mit der die DOSB-Spitze dem DTTB nachstellte, als sie von dessen Vorstoß Wind bekam.