Die Konfliktpartien haben Kontakt aufgenommen, Joachim Löw und Michael Ballack wollen sich treffen. Indessen wächst der Druck auf den DFB-Kapitän.

Im Machtkampf zwischen Bundestrainer Joachim Löw und seinem Kapitän Michael Ballack bahnt sich eine Lösung an. Nachdem in den vergangenen Tagen ausschließlich über die Medien diskutiert und Stimmung gemacht worden war, vereinbarten Löw und Ballack am Donnerstagabend in einem ersten Gespräch einen Friedensgipfel. Löw hatte auf ein Treffen in Deutschland bestanden.

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Ein erstes Gespräch: Bundestrainer Löw und Kapitän Ballack vereinbarten ein Gespräch. (© Foto: Getty)

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Bei dem Telefonat wurden nach der Kritik von Ballack an Kurs und Personalentscheidungen von Löw inhaltliche Dinge jedoch noch ausgeklammert. Es habe sich lediglich um eine Terminabsprache gehandelt, hieß es. Vom Ausgang des Vier-Augen-Gesprächs wird die sportliche Zukunft des 89-maligen Nationalspielers in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft abhängen.

"Nach einer ersten Kontaktaufnahme von Joachim Löw am Donnerstagmittag hat sich Michael Ballack am Abend bei ihm telefonisch gemeldet. Es wurde vereinbart, sich so schnell wie möglich zu treffen und ein Vier-Augen-Gespräch zu führen", erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger am Freitag. Details wie Zeitpunkt und Ort wurden nicht genannt. Wie es im Fall Torsten Frings weitergeht, ist momentan ebenfalls noch offen.

Ballack ist derweil angeblich zu Kompromissen bereit. Offenbar hat der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler gemerkt, dass er mit seiner Kritik an Löw über das Ziel hinausgeschossen ist. Schon seit Tagen spürt Ballack heftigen Gegenwind, selbst mannschaftsintern. "Das war nicht professionell. Missstände gehören intern diskutiert, nicht über die Medien", betonte der Berliner Arne Friedrich. Auch Philipp Lahm machte deutlich, dass öffentliche Kritik dem Ansehen der Mannschaft schaden würde: "Das bringt nichts."

Ballacks Freude

Da Löw bei seiner klaren Linie bleiben wird und für sein Verhalten derzeit Unterstützung von allen Seiten bekommt, wird der Spielführer der deutschen Nationalmannschaft um eine Entschuldigung für seine Attacke nicht herumkommen. "Ich freue mich, dass der Trainer wieder den Dialog mit mir sucht", hatte Ballack vor dem Telefonat mit Löw erklärt.

Löw will sein weiteres Vorgehen in erster Linie vom Verlauf des persönlichen Gesprächs mit Ballack abhängig machen. "Alles Weitere wird man dann sehen", meinte er zuletzt lapidar. Die Bandbreite der Sanktionen reicht vom Rauswurf, sollte Ballack stur bleiben, bis hin zur Absetzung als Kapitän.

Auch Franz Beckenbauer, die höchste Fußball-Instanz in Deutschland, hat dem Bundestrainer noch einmal den Rücken gestärkt. "Dass Löw sich die Kritik nicht einfach gefallen lässt, ist klar. An seiner Arbeit gibt es meiner Meinung nach nichts auszusetzen", schrieb er am Freitag in Bild.

Zwanziger und Sammer pro Löw

Grundsätzlich sei der Angriff von Ballack gegen Löw, aber auch die Flucht von Kevin Kuranyi ein "echtes Alarmzeichen", so Beckenbauer weiter: "Wenn das Verhältnis zwischen Kapitän und Trainer so gestört ist, dann muss schnell etwas passieren. So geht es nicht weiter."

Der Präsident von Bayern München hofft jedoch nicht, "dass es zum totalen Bruch kommt. Eine Nationalmannschaft ohne Ballack ist für mich derzeit schwer vorstellbar. Er hat sich in den letzten Jahren zu einem wahren Kapitän entwickelt. Auf so eine Persönlichkeit verzichtet man als Trainer nicht."

Löw hatte Ballack in den vergangenen Tagen deutlich zu verstehen gegeben, dass kein Spieler das Recht habe, in Sachen Aufstellung oder Personalpolitik den Trainer zu kritisieren "oder sogar öffentlich Stimmung gegen das Trainerteam zu machen". DFB-Präsident Theo Zwanziger und DFB-Sportdirektor bestärken den Bundestrainer in seinem Kurs. Auch Ehrenspielführer Uwe Seeler bezog klar Stellung gegen Ballack. Dessen Vorgehen sei "nicht glücklich". Man könne durchaus Kritik üben, "aber bitte intern".

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(sid/hum)