Bundestrainer Löw und Kapitän Ballack haben sich zu einer Aussprache getroffen - das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Zuvor hatte sich Bierhoff hinter Löw gestellt.

Bundestrainer Joachim Löw und Michael Ballack haben sich am Donnerstagabend zu einem Vier-Augen-Gespräch in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main getroffen.

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DFB-Teammanager Oliver Bierhoff (li.) stellt sich in der Ballack-Diskussion hinter Bundestrainer Löw. (© Foto: dpa)

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Direkt nach dem Gespräch flog der Nationalmannschafts-Kapitän, der sich mit Genehmigung seines Klubs FC Chelsea in Deutschland aufhielt, nach London zurück, wie der DFB mitteilte. Eine Stellungnahme zu der Aussprache wird es am morgigen Freitag geben.

Die Gerüchte um möglicherweise drastische Konsequenzen für den Nationalmannschafts-Kapitän hatten am Donnerstag unvermindert weiter geköchelt. Während Boulevard-Medien über einen freiwilligen Rücktritt Ballacks vom Spielführeramt spekulierten, hatte Löw in der Auseinandersetzung mit seinem wichtigsten Spieler nun auch Zuspruch von Teammanager Oliver Bierhoff erhalten.

"Man kann Joachim Löw nicht vorwerfen, dass er anderen gegenüber keinen Respekt zeigt. Der Trainer hat die Verantwortung, er muss die Entscheidungen treffen, er muss schließlich auch den Kopf hinhalten. Alle Spieler haben dies zu akzeptieren", sagte Bierhoff dem Fachmagazin kicker. Bierhoff reihte sich damit nach der Rückkehr von seiner Hotel-Inspektionstour ins WM-Land Südafrika in die lange Liste der Löw-Unterstützer ein. Bislang hatte sich Bierhoff, der von Juni bis September wegen des EM-Disputs selbst mit Ballack im öffentlichen Verbal-Clinch lag, nicht zu dem Konflikt geäußert. In wichtigen Situationen habe Löw "immer die richtigen Entscheidungen getroffen", sagte Teammanager Bierhoff - und traut dem Chefcoach wohl auch nun eine Lösung der verfahren wirkenden Lage zu.

Keine weiteren Prognosen

Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte Löw freie Hand für die Sanktionierung des kritischen Kapitäns gegeben. "Ich wage keine Prognose, wie sich der Trainer entscheidet. Aber ich werde jede Entscheidung mittragen", sagte Zwanziger. Inwiefern auch die einflussreiche Rolle Bierhoffs rund um die Aktivitäten der Nationalmannschaft Ballack zu seinen Äußerungen bewegte, ist unklar.

Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich am Donnerstag zu den vielfältigen Spekulationen nicht äußern. "Erst einmal muss Bundestrainer Löw das Gespräch mit Ballack führen, und danach gibt es eine Stellungnahme", hieß es aus der Medienabteilung des Verbandes. Ballack selbst sowie sein Berater Michael Becker waren für ein Statement vorerst nicht zu erreichen. Dass der Krisengipfel wohl unmittelbar bevorsteht, war aus DFB-Kreisen aber zu vernehmen.

Löw besteht beharrlich auf einem Treffen in Deutschland. Ballack, der den Disput mit kritischen Interview-Äußerungen zu Löws Führungsstil und Personalpolitik ausgelöst hatte, hatte allerdings von seinem englischen Arbeitgeber FC Chelsea nach einer Operation an beiden Füßen vorerst Reiseverbot erhalten. Ballack hatte nach der geballten Schelte an seinem Vorgehen sein Fehlverhalten bereits in einer schriftlichen Erklärung eingeräumt. Um den Gordischen Knoten bei der Lösungssuche für den hausgemachten Konflikt zu zerschlagen, wird Ballack aber wohl noch weitere Zugeständnisse machen müssen. Der Rücktritt vom Kapitänsamt ist nur ein mögliches Szenario.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/jbe/aho)