Diese Olympischen Spiele nennen sich zwar die achtundzwanzigsten der Neuzeit, aber der Name täuscht ein bisschen. Eigentlich sollen es Spiele werden wie damals, in der Antike. Sie finden wieder in Griechenland statt, wo alles angefangen hat, über allen Stadieneingängen steht Welcome Home, auf dem offiziellen Plakat ist ein Olivenkranz abgebildet, und die Kugelstoßer werden im antiken Olympia ihre Kugeln fliegen lassen und dabei hoffentlich nicht die alten Säulen beschädigen.
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Jeder stellt sich auf die neuen alten Spiele ein, so gut er kann. Die Fernsehkommentatoren haben nicht nur die aktuellen Startlisten der Sprinter aus Palau und der Kanuten aus Uruguay dabei, sondern auch die verblichenen der griechischen Philosophen, und neulich stand ein amerikanischer Radioreporter in Athen vor der gewaltigen Statue eines ihm unbekannten Helden und fragte seinen Kollegen: "How do you pronounce this fucking Milon of Kroton?"
Milon war eine Art Lance Armstrong der Antike, er hat sechsmal in Olympia im Ringen gewonnen, wobei er allerdings sein blaues US-Postal-Trikot während des Wettkampfs in einem Köfferchen verstaute und nackt antrat. Im antiken Olympia kämpfte man nackt, auch die Frauen von Sparta legten wenigstens eine Brust frei bei ihren Wettkämpfen, und vielleicht ist es so, dass die deutschen Olympia-Sportlerinnen da etwas falsch verstanden haben. Sie wollten sich auf die neuen, alten Spiele einstellen, hatten aber keine Zeit, dicke Griechenland-Bücher zu lesen, Sportler müssen immer so viel trainieren.
Also beschlossen sie, fortan wie die alten Griechen zu sein. Nackt. Und so kam es, dass jetzt in vielen Zeitungen und Magazinen Frauen sind, von denen man nie etwas gehört hat, die man nie zuvor gesehen hat, aber jetzt sieht man alles. Sie heißen Kathi und Fanny und Mocki. Kathi spielt Hallen-Volleyball, Fanny spielt Hockey, und Mocki läuft die 10000 Meter. Auf ihrem "schönen Po" (Bild) steht "Mocki", in der Art eines Nummernschilds. Eigentlich heißt sie ja Mockenhaupt, Sabrina Mockenhaupt. Aber so einen langen Namen brächte auf ihrem Gesäß vollständig nur eine Gewichtheberin unter.
Die alten Griechen kämpften damals zwar nackt, aber im richtigen Leben waren sie dann vernünftig angezogen, und die Spartanerinnen kriegten kein Geld für Aufnahmen im Playboy, weil es die spartanische Ausgabe des Playboy noch nicht gab. Er war eine Auszeichnung, nackt sein zu dürfen. Es war kein Geschäft. Allerdings ist nicht überliefert, ob "this fucking Milon of Kroton" sich seinerzeit die Initialen auf den Hintern hat malen lassen. Hätte er es getan, wäre so etwas wie M.O.K herausgekommen, und damit ist eine Brücke vom Gestern zum Heute und eine erstaunliche phonetische Verbindung von Milon zu Mocki doch noch hergestellt.
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(Süddeutsche Zeitung vom 13.8.2004)
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