Steueraffäre um Uli Hoeneß Die Krux mit dem Stern-Reporter

Dann kam ein Stern-Reporter dazwischen. Er hatte irgendwie erfahren, dass angeblich einer der Großen des deutschen Sports ein heimliches Konto bei Vontobel hatte. Die Bank informierte Hoeneß über die Recherchen. Weder nach Hoeneß noch nach dem FC Bayern frage der Reporter, aber er kenne die richtige Nummer des Depotkontos von Hoeneß (4028BEA).

Am Abend des 15. Januar 2013 bat Hoeneß seinen Steuerberater und den Steuerfahnder zu sich nach Bad Wiessee. Auch der Sohn, Florian Hoeneß, kam hinzu. Man diskutierte, Florian buchte im Internet einen Flug für den Steuerberater nach Zürich. Er sollte die Unterlagen abholen.

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Am Mittag des 16. Januar traf sich der Steuerberater mit Vertretern von Vontobel. Er bekam die Nachricht, es gebe eine erneute Presseanfrage wegen des Kontos. Kriegsrat wurde gehalten. Der Steuerberater flog ohne Unterlagen zurück. Der Steuerfahnder in Altersteilzeit wurde alarmiert, ein Wirtschaftsanwalt kam noch hinzu.

Fast zeitgleich, am Nachmittag des 16. Januar gegen 14.30 Uhr, meldete sich ein Stern-Reporter bei der Steuerfahndung in München und teilte mit, ein "großer bayerischer Sport- und Fußballverein" habe bei der Vontobel-Bank ein Riesenkonto, und angeblich sei etwa im Jahr 2009 das Guthaben auf ein Konto einer Einzelperson übertragen worden. Der Name Hoeneß fiel nicht. Auch nicht der Name FC Bayern. Von dem Anruf wusste Hoeneß natürlich nichts.

In der Nacht hockten also die Spezialisten mit Vater und Sohn Hoeneß zusammen. Unterlagen gab es nicht. Die Berater empfahlen, nur die jeweiligen Jahresendstände der Konten nachzumelden, da es in der Eile keine detaillierten Unterlagen gebe. Bis zwei Uhr früh schickte die Bank per E-Mail Kontoauszüge. Das war der Stoff für die Selbstanzeige, die am anderen Morgen gegen 8.15 Uhr abgegeben wurde.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren ein, sichtete die Unterlagen und hatte früh den Verdacht, Hoeneß habe überstürzt eine Selbstanzeige abgegeben, nachdem die Tat bereits entdeckt war. Nach Paragraf 371 Absatz 2 der Abgabenordnung ist eine Selbstanzeige nicht wirksam, wenn eine der Steuerstraftaten ganz oder zum Teil entdeckt worden war und der Täter das wusste oder damit rechnen musste.

Der Steuerberater reichte immer neue Unterlagen bei der Staatsanwaltschaft ein, doch die war auf Kurs. Im Februar hat der zuständige Strafverfolger ausführlich in einem Vermerk einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung eines Stern-Artikels und der Selbstanzeige vermutet.

Wie das enden wird, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft hat sich natürlich noch nicht entschieden, wie sie im Prozess plädieren wird. Das Hauptverfahren muss abgewartet werden. Vielleicht wird dann auch bekannt, wer als erster über das Steuergeheimnis des Uli H. geredet hat.