"Wir wollen einen lange anhaltenden Schub": Bei der Weltmeisterschaft 2011 will Steffi Jones den Frauenfußball voranbringen - und setzt sich dafür unermüdlich ein.
Steffi Jones hängt "ein bisschen platt" auf ihrem Stuhl in der DFB-Zentrale. Sie richtet sich aber gleich wieder auf und schaut auf die Wand gegenüber, die zugepflastert ist mit Erinnerungsfotos: Die 37-Jährige mit Angela Merkel, mit Theo Zwanziger, mit Franz Beckenbauer, mit Fans und früheren Nationalteam-Kolleginnen.
Einsatz für den Frauenfußball: Nicht erst seit der offiziellen Einführung des Logos für den Women's World Cup ist Steffi Jones unermüdlich unterwegs. (© Foto: AP)
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Etwa 250 Termine hat die frühere Fußball-Weltmeisterin in diesem Jahr hinter sich. "Aber es macht einen Heidenspaß", sagt sie über ihren Job als Präsidentin des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft 2011. "Und ich kann es gar nicht erwarten, wenn es nächstes Jahr richtig los geht." Für Steffi Jones und ihr Team gilt 2010: Nach der (Männer-)WM ist vor der (Frauen-)WM.
"Steffi Jones hat unglaublich gepowert in diesem Jahr, war permanent präsent in ganz Deutschland", lobt Bundestrainerin Silvia Neid die Frankfurterin. Und im kommenden Jahr geht es mit erhöhter Schlagzahl weiter: Im März wird das WM-Maskottchen vorgestellt, im Sommer in Südafrika wollen DFB und Fifa für den Frauenfußball werben, dann steht die U-20-WM vom 13. Juli bis 1. August in Deutschland als Generalprobe für 2011 an.
Der Ticket-Verkauf geht in Phase 2, für den 29. November ist im Frankfurter Kongresszentrum die Auslosung für das Turnier angesetzt. Hinzu kommen zahlreiche Pressekonferenzen, PR-Aktionen für das Team 2011 und die Schul- und Vereins-Kampagne des DFB.
Steffi Jones zieht die Fäden - und eine Marionette schaut fast immer zu: Jim Knopf hängt über ihrem Schreibtisch. Für ihr drittes Amtsjahr bekommt die 111-malige Nationalspielerin noch mehr Rückendeckung: Vom 1. Januar an wird die 30-köpfige hauptamtliche Mannschaft verdoppelt.
Und falls sie mal einen Rat braucht, kann sie auch Franz Beckenbauer anrufen, der beim "Sommermärchen" 2006 der Repräsentant abseits des Rasens war. "Der Franz darf kurz vor der WM zum Papst gehen und um gutes Wetter bitten", sagt Steffi Jones und schmunzelt.
Wenn der Ball 2011 rollt, sollen insgesamt eine Million Zuschauer in den Stadien in Augsburg, Berlin, Bochum, Dresden, Frankfurt, Leverkusen, Mönchengladbach, Sinsheim und Wolfsburg sitzen. Doch Steffi Jones und DFB-Präsident Zwanziger, der große Förderer des Frauenfußballs, blicken längst über die WM hinaus.
19,2 Millionen Euro hat der DFB in ein Nachhaltigkeits-Programm gesteckt. "Ich glaube, dass die WM ein echtes Highlight wird. Wir wollen einen Schub, der lange, lange anhalten soll", sagt die Chef-Organisatorin. "Noch so eine Chance kriegen wir nicht."
Daher nimmt die OK-Chefin Europameisterinnen wie Kim Kulig, Simone Laudehr und "Lira" Bajramaj in die Pflicht. "Die Nationalmannschaft bestimmt, wie viel PS der WM-Motor hat", sagt sie. "Die Spielerinnen müssen sich auch außerhalb des Platzes ihrer Verantwortung bewusst sein. Durch ihr Auftreten haben sie die große Chance, die nachhaltige Entwicklung des Frauenfußballs positiv zu beeinflussen."
Silvia Neid, sagt Steffi Jones, sei da ganz auf ihrer Seite. Beide treibt die Sorge um die Bundesliga um, die im Land des Weltmeisters immer noch ein Schattendasein führt. "Wir brauchen spätestens nach der WM Halbprofitum", fordert Steffi Jones.
"Bei dem rasanten Tempo der Nationalmannschaft und dem WM-Projekt besteht natürlich die Gefahr, dass die Bundesliga den Anschluss kaum halten kann." Auch darum - und nicht nur wegen der WM - wird sie nicht müde, herumzureisen "und sture Menschen dazu zu bringen, dass sie open minded gegenüber Frauenfußball sind".
Und nach 2011? "Ich will mich wirklich nur auf die WM fokussieren. Aber ich weiß schon: Ein halbes Jahr vor der WM wird der DFB-Präsident sagen: Steffi, wir setzen uns mal zusammen und besprechen die Zukunft."
Schön eingerichtet hat sich die Tochter eines US-Soldaten und einer deutschen Mutter in ihrem Büro beim DFB schon: Über ihrem Stuhl ist ein blaues Trikot von Bibiana Steinhaus gespannt, der einzigen Schiedsrichterin im deutschen Profifußball. An der Wand hängt ein modifiziertes Indiana-Jones-Kinoplakat, ein Geschenk: "Steffi Jones und das Reich der WM-Mädels."
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(dpa, Ulrike John/gal/pfau)
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......Frauensport? Was soll beim Fussball anders sein? Es erinnert mich an die ersten Kommentare, als in den 60-ern zu ersten Male Männer zu Frauenfussbalspielern gingen und ihre platten Witze machten. Man konnte allerdings schnell erkennen, dass dies vor allen Dingen Männer waren, die selber noch nie eionen Ball geführt hatten, oder es sein lassen sollten. Konservative, die sich nie an etwas Neues gewöhnen wollen, oder es überhaupt nicht können, sterben so schnell nicht aus.
schon 'mal was von der amerikanischen schule gehört oder das können der brasilianischen individualistinnen gesehen (muss man extra betonen, damit es diesen ewig gestrigen wie schuppen von ihren blinden augen fällt) oder auch bei teams, die nicht aus der internationalen spitzenklasse sind (wie zum beispiel england im em-finale), bemerkt, wie sie einen gang höher schalten oder eine taktisch gut ausgebildete spielerin wie kim kulig beobachtet wie sie zwischen moderner 6 und 8 changiert oder torhüterinnen auf dem neuesten stand oder taktische und spielerische flexibilität der u-19 oder u-17 oder millionen von us-girls bei ihren äußerungen bedacht oder die 140.000 Ticket-Bestellungen für die 1. phase der wm 2011, fast 1 mio. spielerinnen beim dfb, von u-17 bis damen-nationalteam titeltiteltitel, tolle spiel, tolle tore und ich könnte ewig so weitermachen
mit aller nachsicht: die die's immer noch nicht kapiert haben, die sterben aus. und die dinosaurier waren gestern. die dachten auch, dass ihre zeit niemals vorüberginge.
p.s.: einfach 'mal zum eigenen verein gehen und ein mädchen-training beobachten oder ins ausverkaufte frankfurter waldstadion zu einem länderspiel gegen brasilien. auch frauen-basketball und frauen-handball sind tolle attraktive live-erlebnisse und oftmals nicht so stereotyp wie sie bei den männern ausfallen.
S. Jones ist eine sehr sympathische Repräsentantin und mich befällt auch kein Zweifel, dass sie genau die Richtige für den Job ist. Ihre Verpflichtung fand und finde ich klasse. Soviel Credibility, Agilität und hellen Geist konnte die hübsch anzusehende, aber medial zu sehr gehypte Nia Künzer nicht transportieren. Sie wollte wohl auch nie so richtig.
Dennoch geht mir eine Sache nicht aus dem Kopf: Die Anwesenheit von Steffi Jones bei Robert Enkes Stadionabschied. Sie saß in der "wichtigen" Stuhlreihe und seitdem frage ich mich, welchen offiziellen Titel sie eigentlich trägt und in welchem Bezug das zu dieser traurigen Veranstaltung hatte. Ehrlich gesagt schoss mir gleich der Gedanke der WM-Promotion in den Kopf. Ohne Zweifel hat sie ihre Anwesenheit nicht selbst arrangiert - das war wohl ein Kollege von der Altherrenfront. Aber musste das sein? Bis heute beschleicht mich das Gefühl, dass die Promoter vom DFB hier Placement und Anteilnahme vermengt haben.
Fußball ist bei Lichte betrachtet keine Frauensportart. Dazu fehlen einfach athlethische und spezielle fußballerische Fähigkeiten, die sich auch nicht anerziehen lassen. Auch das gesellschaftliche Umfeld spricht nicht für Frauenfußball. Und was wir sportlich bisher im Frauenfußball gesehen haben, spielt sich bei aller Nachsicht allenfalls auf Drittliganiveau ab, wenn überhaupt. Es scheint, dass DFB und wirtschaftliche Interessen eine Sportart befördern, von der sie sich zusätzliche Einnahmen versprechen und somit eine neue "Front" im Profisport Fußball eröffnen. Sinnvoller wäre es, andere, etablierte Damen-Sportarten, wie Hockey, Handball, Volleyball u.a. gezielter zu fördern, damit die deutschen Damen endlich auch in der Weltklasse konstant mithalten können. Da gibt es noch sehr viel zu tun, aber der ganze Aufwand um Frauen-Fußball ist wirklich entbehrlich und könnte ersatzlos entfallen, ohne dass es große Klagen darüber im Lande gäbe. Nichts für ungut Steffi Jones.