Stasi-Kontakte Die Vergangenheit schlägt zurück
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Das NOK nominiert 162 Athleten für Olympia in Turin und mustert drei Trainer wegen Stasi-Kontakten aus.
Dünn bedrucktes Papier ging um im Presseraum des Münchner Olympiastadions, und darauf fanden sich die Namen, die bei Olympia in Turin der deutsche Sport sein werden. Gerade war die letzte Nominierungssitzung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) zu Ende gegangen, Generalsekretär Bernhard Schwank und Präsident Klaus Steinbach präsentierten die neuesten Ergebnisse, und sie durften sich sicher sein, dass sie mit ihrer Verkündigung ein paar Männer und Frauen glücklich machten.
Eiskunstlauftrainer Ingo Steuer (re.) jubelt mit seinen Chemnitzer Schützlingen Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy im Januar 2006
(Foto: Foto: AP)Vor allem vier Sportler, die als so genannte Einzelfallentscheidungen aus Anerkennung ihrer Jugend und teilweiser Normerfüllung sozusagen gnadenhalber Aufnahme gefunden hatten ins deutsche Olympia-Team: die Snowboarderin Anna-Lena Zuck, 17, Alpin-Skifahrer Felix Neureuther, 21, Eisschnellläuferin Judith Hesse, 23, und Ski-Freestyler Christoph Stark, 25. 162 Deutsche werden insgesamt in Turin starten, vielleicht sogar 164, falls die Skifahrer Isabelle Huber und Andreas Ertl bei den Weltcups am Wochenende die Nominierungskriterien erfüllen, so viele wie noch nie jedenfalls. Und doch interessierte bald weniger, wer dabei sein darf bei den Spielen. Sondern vor allem, wer nicht dabei sein darf.
Henry Glaß weicht freiwillig
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Das Präsidium hatte nämlich auch ein bisschen aktive Vergangenheitsbewältigung betrieben, eine Disziplin also, in welcher der deutsche Sport gerade nach der Wende nicht nur geglänzt hat. Drei Trainer oder Betreuer hatten die NOK-Funktionäre wegen ihrer Tätigkeit als Inoffizielle Mitarbeiter für die Staatssicherheit in der DDR ausgemustert, nach eingehender Prüfung und unter Mithilfe der so genannten Birthler-Behörde, die eigentlich Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR heißt. Schwank und Steinbach wollten nicht sagen, wer die Verbannten sind, sie wollten nicht einmal genau Auskunft darüber geben, was den Betroffenen zur Last gelegt wird. Aber bald nach ihrem Auftritt kursierten Namen und ein Dementi. Die Zeitung Die Welt vermeldete, bei dem Trio handle es sich um den Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer sowie die Assistenztrainer Henry Glaß (Skisprung) und Harald Böse (Biathlon). Kurz darauf berichtigte der Deutsche Skiverband (DSV): Harald Böse werde in Turin nicht fehlen.
Das ist kein geringes Problem für einen Verband, wenn ihm so kurz vor dem Höhepunkt ein Trainer wegbricht. Glaß, schon drei Mal bei Olympia im Einsatz, ist einer von zwei Assistenten des Skisprung-Bundestrainers Peter Rohwein, Ersatz ist nicht so leicht zu finden. Ingo Steuer hatte die Medaillenkandidaten Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy unter sich. Und wenn man herumtelefonierte, um bei den Verbänden in Erfahrung zu bringen, wer wirklich der dritte Ausgemusterte sein könnte, traf man etwa bei Stefan Krauß, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes Deutschland, auf helle Empörung. "Lächerlich" findet er diese Stasi-Recherche 16 Jahre nach der Wende und "einfach nicht mehr zeitgemäß": "Diese Trainer sollen Sportler zum Erfolg führen."