Start der Eishockey-Playoffs Hamburgs Kinder sind größer und stärker als je zuvor

Hamburger Hoffnungsträger: David Wolf.

(Foto: dpa)

Wer wird Meister in der DEL? Die Hamburg Freezers könnten in den Playoffs für eine Überraschung sorgen. Der Klub bekommt viel Lob für seine Personalpolitik, doch das reicht den Hamburgern nicht mehr. Zum Auftakt kommt es zum Bruder-Duell gegen Meister Berlin.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Dieses eine vermaledeite Tor. 158 hatten sie in der regulären Saison bereits erzielt, doch Nummer 159, es fehlte. Ansonsten hätten die Hamburg Freezers in den Playoffs gegen Berlin nun Heimrecht. Hamburg führte im letzten Hauptrundenspiel gegen München, Berlin lag hoch zurück - doch die Spieler auf dem Eis wussten nicht, dass es um nur ein Tor ging. Eine Kommunikationspanne, hieß es später. Berlin wurde in der Abschlusstabelle Vierter, Hamburg nur Fünfter. Trainer Benoît Laporte hat sich sehr geärgert.

Wenn an diesem Mittwoch die deutsche Eishockey-Liga in die spannende Phase der Saison startet, dann ist diese Episode vergessen. Es geht um Größeres. Coach Laporte sitzt hoch oben in einer Loge der Hamburger Arena, in der die Freezers und die Handballer des HSV Hamburg abwechselnd spielen. Unten wird wieder einmal umgebaut. "Das eine Tor kümmert uns nicht mehr", sagt Laporte, "wir haben gezeigt, dass wir gegen Berlin gewinnen können."

Zweimal ist dies den Freezers in dieser Saison gelungen - keine schlechte Bilanz gegen den Meister. Überhaupt bekommt der Hamburger Klub viel Lob derzeit. Die Freezers haben zahlreiche deutsche Talente im Kader, Garrett Festerling etwa, David Wolf und Jerome Flaake. Sechs von ihnen könnten mit der Nationalmannschaft zur WM nach Finnland fahren, glaubt Stéphane Richer, der Sportdirektor. Würden alle Klubs eine solche Personalpolitik fahren, hätte die Nationalmannschaft deutlich weniger Probleme. "Das macht uns sehr stolz", sagt Richer.

Favoriten auf den DEL-Titel sind trotzdem andere: Titelverteidiger Berlin natürlich, dazu die dominierenden Teams aus Mannheim und Köln. Die Freezers wollen für eine Überraschung sorgen. Allein der gute Ruf genügt ihnen nicht mehr. "Wir haben zwei Jahre nacheinander die Top sechs erreicht", sagt Richer: "Wir wollen den nächsten Schritt. Und das ist das Halbfinale."

Der Klub hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. 2002 wurde die Lizenz der München Barons über Nacht nach Hamburg transferiert, wo plötzlich Eishockey-Euphorie ausbrach. Schon 2004 erreichte der Verein prompt das Halbfinale, mehr als 10.000 Zuschauer strömten pro Spiel in die Halle. Und das in Hamburg - einer Stadt, die keine sonderlich glorreiche Eishockey-Vergangenheit hat.