Standorte der EM 2020 Wie München das Finale vermeiden will

Arena in München: 2020 wohl ohne EM-Finale - aber 2024?

(Foto: dpa)

19 Bewerber, 13 Zusagen: Die Uefa entscheidet über die Standorte der EM 2020. München hat sehr gute Chancen, will das Finale aber gar nicht mehr. Der DFB hofft auf einen riskanten Deal mit England.

Von Saskia Aleythe

So eine EM-Vergabe kann im Prinzip ganz einfach sein: Bewerbungen sichten, Land bestimmen, fertig. Natürlich geht es auch komplizierter. Der Europäische Fußballverband Uefa macht um die EM 2020 großes Aufheben. Ist ja auch das 60. Jubiläum des Turniers. Statt einer oder zwei Nationen werden den Wettbewerb nun gleich 13 Länder ausrichten - ganz Europa soll EM sein.

Doch welche Städte werden die Spiele austragen, wer bestimmt über den Zuschlag für Halbfinals und Endspiel und welchen Plan verfolgt der DFB? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Vergabe am Freitag.

Wer bewirbt sich?

​19 Nationen wollen Spiele der EM ausrichten, 13 werden dafür den Zuschlag bekommen. Die an ein Land vergebenen Spiele werden alle in einer Stadt und einem Stadion ausgetragen. Die Bewerber sind Aserbaidschan (Baku), Belgien (Brüssel), Bulgarien (Sofia), Dänemark (Kopenhagen), Deutschland (München), England (London), Irland (Dublin), Israel (Jerusalem), Italien (Rom), Mazedonien (Skopje), Niederlande (Amsterdam), Rumänien (Bukarest), Russland (St. Petersburg), Schottland (Glasgow), Schweden (Stockholm), Spanien (Bilbao), Ungarn (Budapest), Wales (Cardiff) und Weißrussland (Minsk).

Bewerben konnten sich die Nationen für zwei verschiedene Pakete: Das Standardpaket, das drei Vorrundenspiele und ein Achtel- oder Viertelfinale umfasst, sowie das Finalpaket, das beide Halbfinals und das Endspiel beinhaltet. Nur England und Deutschland haben sich zusätzlich zum Standardpaket auch für das Finalpaket beworben. Der Europameister 2020 wird also entweder in London oder in München den Pokal in die Höhe halten.

Wer bestimmt über die Austragungsorte und Pakete?

​Das Exekutivkomitee der Uefa trifft sich am Freitagmorgen um neun Uhr in Genf, um sich über die Austragungsorte einig zu werden - um 13 Uhr soll die Entscheidung bekanntgegeben werden. Das Komitee setzt sich zusammen aus Uefa-Chef Michel Platini sowie 16 Vertretern nationaler Verbände. Der DFB wird durch Wolfgang Niersbach repräsentiert.

Wie läuft die Abstimmung ab?

In vier Phasen. Phase eins: Das Finalpaket wird an München oder London vergeben. Phase zwei: Vier Verbände bekommen den Zuschlag für je ein Viertelfinale und drei Gruppenspiele. Phase drei und vier: Vergabe von je einem Achtelfinale und drei Gruppenspielen an weitere Bewerber. Eine Unterteilung in Phasen und Zuordnung der Bewerber in geografische Zonen soll gewährleisten, dass die Standorte über den Kontinent verteilt die Zusagen bekommen.

Warum bewirbt sich München für Deutschland?

​Weil München die besten Voraussetzungen für eine Zusage hat. Zwar verfügt auch Berlin über ein modernes und großes Stadion, doch die Hauptstadt war bereits 2006 Standort des WM-Finals. Der DFB hat sich wohl auch aus dieser Überlegung heraus für München entschieden.

Welche Chancen hat Deutschland?

​Die Arena in München gehört zu den modernsten Stadien Europas, die Infrastruktur und Sportbegeisterung stimmen - sollte der DFB bei 19 Bewerbern nicht zu den 13 glücklichen Verbänden gehören, wäre das eine ziemliche Überraschung. Ein Standardpaket müsste auf jeden Fall drin sein.

Warum hat Deutschland kein Interesse mehr am Finalpaket?

Der DFB hat mittlerweile ein neues Ziel vor Augen: "Unser größter Wunsch ist, die gesamte EM 2024 in Deutschland auszurichten", sagt Wolfgang Niersbach. 26 Jahre ist die letzte EM in Deutschland nun schon her, für eine Zusage stünden die Chancen recht gut - vorausgesetzt wenn nicht schon 2020 der Europameister in Deutschland gekürt werden würde.

Der Plan des DFB für Freitag sieht so aus: Man will sich mit den Engländern inoffiziell darauf einigen, dass sie sich nicht um die EM 2024 als Alleinausrichter bewerben werden - in dem Falle würde Deutschland den Engländern das Finalpaket 2020 überlassen. Heikel allerdings: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will sich um eine Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 in Hamburg oder Berlin bewerben. Zwei Großevents im gleichen Jahr in Deutschland? Das dürfte schwierig werden.

Mit Material von dpa und sid