Zum achten Mal ist in diesem Jahr ein Hobbyläufer tot zusammengebrochen. Diesmal in Augsburg. Mediziner warnen vor zu viel Ehrgeiz und versteckten Herzschäden.
Für München zeichnet sich die Einstellung eines Rekordes ab: Wenn die Anmeldungen wie bisher einfließen, werden am Sonntag 18.000 Menschen beim Stadtlauf mitrennen. An Litfaßsäulen und Ampeln prangen orange Plakate, die zum Mitmachen anregen, die Stadt wirbt unter dem Motto "Spaß am Laufen" um die Hobby-Athleten. Ein Vermerk, dass dieser Spaß lebensgefährlich sein kann, findet sich allerdings nicht - allein in diesem Jahr starben bei ähnlichen Laufveranstaltungen in Deutschland acht Menschen.
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Laufen als Massenbewegung: In Frankfurt rannten 67.000 Hobbyathleten, manche Ärzte fordern dafür einen Gesundheitstest. (© Foto: AP)
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Am vergangenen Sonntag sahen in Augsburg eine Ehefrau und ihre zwei Kinder, wie der Familienvater im Ziel kollabierte. Der 52-Jährige hatte die Kurzstrecke über elf Kilometer (in einer Stunde 15 Minuten) absolviert und brach anschließend zusammen. Rettungskräfte brachten ihn sofort in ein Notfallzelt, ein Arzt eilte hinzu, doch die Reanimation blieb erfolglos, der Mann starb.
Zuvor hatte es Tote beim Silvesterlauf in Bietigheim (ein 49-jähriger Mann), beim Halbmarathon in Berlin (39 Jahre), in Gelsenkirchen (66 Jahre) und beim Inline-Skater-Rennen in Gladbeck (46) gegeben. Dann starb ein 47-Jähriger beim Pfingstlauf im Sauerland und im niedersächsischen Adenbüttel traf es einen 17-Jährigen. Für den Berliner Sportmediziner Willi Heepe sind diese Fälle keine Überraschung. "Die Menschheit hat sich in den vergangenen Jahren körperlich massiv zurückentwickelt", beklagt er.
Der durchschnittliche Deutsche bewege sich heute im Schnitt nur noch 22 Minuten pro Tag, "und da ist das Hin und Her in der Küche schon mit drin", sagt Heepe. Im Gegensatz dazu verbringen die Leute etwa fünf Stunden vor dem Fernseher oder Computer. Der Mangel an Bewegung wirke sich auf Dauer fatal auf den Körper aus. Unter anderem besteht die Gefahr, dass sich die Herzkranzgefäße verengen. Das Organ kann dann die plötzliche Anstrengung nicht mehr bewältigen und es kann zum so genannten "Sekundentod" kommen.
"Es gibt nicht wenige, meistens Männer im Alter zwischen 30 und 50, die sich völlig unvorbereitet in einen Stadtlauf oder gar Marathon stürzen", sagt Sportarzt Heepe. Das gehöre heute offenbar zum Leben eines Mannes wie früher das Pflanzen eines Baumes oder das Bauen eines Hauses. Laufen ist zum Massen-Event geworden und Heepe, der 30 Jahre lang als Rennarzt beim Berlin-Marathon arbeitete, findet "diese Entwicklung sehr bedenklich".
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Kosovo-Konflikt
Die Todesfaelle sind sicher tragisch fuer die Familie und Freunde der Betroffenen, ABER:
Warum neue Vorschriften und Beschraenkungen? Jeder Sportler sollte doch fuer sich selbst verantwortlich sein...
Viel sinnvoller waere doch ein Gesundheitspass fuer diejenigen, die jeden Tag stundenlang vor dem Fernseher sitzen und sich nicht bewegen...
:)
Und zum Thema "Quaelerei": Ich treibe u.a. deswegen Sport, weil mir auch die Quaelerei Freude bringt. Warum immer nur alles locker und ohne Druck?
Auch und gerade im Sport ist "Leistung erbringen" unheimlich aufregend und befriedigend!
War beim Berlin Marathon 1986 (also 21 Jahre her) und der Teilnehmer, der kurz vor vor dem Ziel starb war bei Dr. Heepe in Behandlung und widersetzte sich dessen Rat, nicht teilzunehmen.
Ich finde es richtig, daß man die Leute darauf hinweist, daß sie körperlich fit sein müssen, um an einem Laufwettbewerb teilzunehmen.
Letztendlich muß aber jeder für sich selbst die Entscheidung treffen. Ich gehe gerne regelmäßig laufen und ich wurde noch nie von einem Arzt daraufhin überprüft. Muß denn in unserer Gesellschaft immer alles bis ins letzte abgesichert sein?
Du hast recht, wenn man von der durchschnittlichen Lebenserwartung ausgeht (sind da Unfalltote mitgerechnet?). Aber wenn man den Laufkalender für Deutschland anschaut, kommt man bestimmt auf die entsprechenden Personenlaufstunden;-)
Ich laufe gern, 60 - 90 Minuten locker, zwei bis dreimal die Woche, das reicht. Allein oder mit Freunden, den Wald braucht man wegen mir/uns nicht sperren, sog. Volksläufe mache ich schon lange nicht mehr mit und mehr als 25 Kilometer bin ich noch nie gelaufen. Zwischen 15 und 20 Kilometern kippt der Spaß in Quälerei; das muß nicht sein.
Aber mal reine Kosten/Nutzen-Analyse. Wieviele Menschen sterben direkt oder eher indirekt an Verfettung (FRS - Fressen, Rauchen, Saufen) und kosten im Vorfeld ggf. über Jahre und bei dem Wettbewerb der konkurierenden Todesarten das Gemeinwesen, die Kassen und die Arbeitgeber viel Geld.
Falscher Ergeiz kommt überall vor, erst recht weil mindestens einige der "Opfer" in gewisser Weise selbst schuld sind und/oder sogar das Risiko vorher kannten. Bei Heepe habe ich auch mal ein Leistungs-EKG gemacht und einen, beim Berlin-Marathon (bestimmt rund 25 Jahre her) kannte ich im Vorfeld einen, der später starb; er wusste von seinem Risiko.
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