Stabhochspringerin Silke Spiegelburg "Das kann doch nicht sein, dass ich immer Vierte werde!"
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Sie weinte schon, da war sie noch im Fallen: Wieder einmal hat Stabhochspringern Silke Spiegelburg bei einem Großereignis eine Medaille verpasst. Sie sprang gut, hatte aber einfach kein Glück. Nach dem letzten Versuch veranstaltete sie einen bizarren Lauf durch das Londoner Olympiastadion.
Silke Spiegelburg weinte schon, da war sie noch im Fallen - und es ist durchaus möglich, dass eine Träne auf die Matte tropfte, noch bevor die Stabhochspringerin darauf landete. Sie hatte beim Versuch über 4,75 Meter die Latte mit nach unten genommen, es war ihr letzter Versuch. Sie war Vierte. Mal wieder. Wie bei der Weltmeisterschaft 2009 in Rom. Wie bei der Europameisterschaft in diesem Jahr in Helsinki. Wie nun bei Olympia 2012.
Drama um Silke Spiegelburg Einfach kein Glück
Nach ihrem Versuch veranstaltete sie einen bizarren Lauf durch das Olympiastadion von London, verbunden mit Gesten bitterer Enttäuschung. Erst lief sie über die Tartanbahn und vergaß dabei fast, dass darauf gerade das Finale über 3000 Meter Hindernis ausgetragen wurde. Sie rannte hinüber zu ihrem Trainer Leszek Klima, es sah aus wie eine hitzige Diskussion, doch das war es nicht: "Ich habe zu ihm gesagt: 'Das kann doch nicht wahr sein, dass ich immer nur Vierte werde!'"
Sie ging zurück, wieder kamen die Läuferinnen vorbei. Spiegelburg riss sich die Nummer von der Hose, sie schüttelte den Kopf, immer wieder, sie schluchzte, sie warf die Hände in die Luft, sie brüllte, schluchzte wieder.
Dann wollte sie einfach nur weg. Doch das konnte sie nicht. Erst einmal musste sie ihren Stab wegräumen, also stapfte sie zur Matte, packte ihr Sportgerät und schleuderte es zu den anderen Stäben. Dann wollte sie endlich aus dem Innenraum flüchten, doch aus das ging nicht. Sie musste erst ihre Sachen sammeln.
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Die Aufwärmklamotten lagen noch neben der Anlaufspur herum, andere Utensilien waren auf der Bank verteilt. Spiegelburg sammelte alles zusammen, stopfte es in einen Rucksack und ging davon - doch als sie hinaus wollte, befanden sich die Medaillengewinner des 3000-Meter-Hindernis-Laufes gerade auf der Ehrenrunde. Diese Frau hatte einfach kein Glück an diesem Abend.
Sie lief dann noch durch die Katakomben des Stadions, es war immer das gleiche Bild: ein Kopf, der sich hin und her bewegte, zwei Hände, die auf dem Kopf lagen, viele Tränen, die die Wange hinunterkullerten. Irgendwann stand sie vor einer Kamera, doch sie brachte keinen Ton heraus. Der Reporter eines Fernsehsenders streichelte ihren Arm und gab ihr ein Taschentuch.
"Immer werde ich Vierte bei Großereignissen, langsam will man's einfach nicht mehr wahrhaben", sagte sie ein paar Minuten später, als sie bei den Journalisten stand, "ich weiß gar nicht mehr, was ich sagen soll." Sie sei locker gewesen, sie sei frei gewesen, sie habe Spaß gehabt: "Es war bei diesem Wind auch ein wenig Glückssache."