SpVgg Greuther Fürth Großvater als Gentleman

Küsschen, Küsschen: Maxi Wittek herzt Torschütze Mario Maloca.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Der Aufschwung der SpVgg Greuther Fürth ist auf wenigen, aber stabilen Säulen errichtet. Trainer Buric mahnt nach dem 2:1 gegen Kaiserslautern zur Demut.

Von Sebastian Leisgang

Darf man Damir Buric nun der Lüge bezichtigen? Die Sache ist ja die: Nach allem, was man weiß, wird zwar keine Instanz Ermittlungen einleiten gegen den Trainer der SpVgg Greuther Fürth; Buric hat nichts zu befürchten, er wird sich in keiner amtlichen Stellungnahme rechtfertigen müssen für diese Aussage, aber die Indizien gäben es durchaus her, ihn zu überführen, nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Natürlich hatte Buric, 53, nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft gegeben, als er vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern um seine Einschätzungen gebeten wurde, also prognostizierte er: "Es wird kein Leckerbissen." Er sagte zwar auch, das Duell mit dem Tabellenletzten könne sich "entwickeln zu einem schönen Spiel", doch die Botschaft lautete: Rückpass statt Steilpass, Grätsche statt Kombinationsspiel. Also: kein Leckerbissen.

Das Fürther 2:1 am Samstagmittag im Ronhof bot dann aber erstaunlich viele Steilpässe und Kombinationen, selbst Abwehrspieler Maximilian Wittek, von Natur aus ein Mann für die Grätsche, meinte nach dem Spiel: "Ich habe eigentlich auch gedacht, dass es mehr über Kampf geht, über die Leidenschaft, über den Willen, aber wir haben es spielerisch ganz gut hinbekommen." Sein Übungsleiter Buric selbst sprach hernach von Kampf und taktischer Disziplin, aber auch er räumte ein: Ja, es war ganz gut anzuschauen. Gerade in den ersten 45 Minuten.

Trotz seines Irrtums wird Buric allen Recherchen zufolge nicht um seine Anstellung fürchten müssen, Fürths Trainer kann jetzt ja auf 13 Punkte aus den vergangenen fünf Spielen verweisen. "Das muss man erst mal machen", betonte Wittek, während Buric sein Team nach der Partie ebenfalls lobte: sehr diszipliniert, willensstark und taktisch inzwischen ausgepicht. Dennoch weiß auch er: Der Aufschwung der Spielvereinigung ist auf wenigen Säulen errichtet. Aber: Sie sind stabil.

Schon in einer Woche könnte sich alles drehen: Fürth spielt in Aue

Fürth kann sich auf seine Defensive verlassen, Burics Mannschaft hat in den vergangenen fünf Partien gerade einmal drei Gegentore hinnehmen müssen - ein beachtlicher Wert für eine Mannschaft, die sich mit dem Abstiegsgespenst herumschlägt. Und in der Offensive verfügt Fürth etwa in Khaled Narey, Sebastian Ernst und Julian Green über eine Reihe an Spielern, die gut zu Fuß sind. Dennoch war es nicht nur eine branchenübliche Bremse aller Begeisterung, als Buric nach dem zweifelsohne rechtmäßigen Sieg gegen Kaiserslautern sagte: "Es gibt noch viel zu tun."

Buric ist eine charismatische Erscheinung, ein Gentleman, der seine Mannschaft niemals öffentlich ans Lattenkreuz nageln würde. Er hat stets eine großväterliche Milde an sich, aber das war ihm jetzt ernst: bloß nicht dem Trugschluss erliegen, seine Mannschaft habe bereits etwas erreicht. Gut, die jüngste Serie sei schon eine Errungenschaft, und die Mannschaft mache erkennbare Fortschritte, doch schon in einer Woche könnte sich alles ja drehen - wenn Fürth bei Erzgebirge Aue das Nachsehen hätte. Denn es ist momentan ja so in dieser zweiten Liga: Auch die anderen, denen es momentan nicht besonders gut geht, unternehmen einiges, damit es ihnen schon bald besser geht. Sie punkten und punkten und punkten - und wer da nicht mitmacht, dem dürfte es im Mai noch weniger gut gehen.

In Fürth machen sie derzeit vieles richtig. Der Kader gibt zwar keine Lebensversicherung in Person eines Torjägers her, Winterzugang Fabian Reese ist noch immer torlos und Narey mit nur fünf Toren der treffsicherste Spieler; ein solcher Makel kann einer Mannschaft das Herz brechen, er kann ihr die Ligazugehörigkeit kosten und sie des Abstiegskampfes müde machen - wenn sich die Fürther aber nicht von ihrem Weg abbringen lassen, dann müssen sie auch im nächsten Jahr nicht Großaspach oder Meppen in ihr Navigationsgerät eintippen. Wenn sie es auch künftig ganz gut hinbekommen, dann steuern sie ungleich attraktivere Stadien in ungleich attraktiveren Städten an - aller Voraussicht nach sogar in Hamburg und in Köln.