SpVgg Greuther Fürth Der Trend, dein Feind

Dass Jurgen Gjasula von einigen Zuschauern ausgepfiffen wurde, löste in Fürth eine Diskussion darüber aus, wer überhaupt noch zu wem hält.

(Foto: Matthias Hangst/Getty)

Beim Fußball-Zweitligisten rätseln sie über die Gründe für die nächste Frühjahrskrise.

Von Benedikt Warmbrunn

Zu den Dingen, die sie bei der SpVgg Greuther Fürth als Wahrheit sehen, gehört, dass der Verein einer für bemühte junge Spieler ist, dass sich niemand so sehr um junge Spieler bemüht wie der jung gebliebene Präsident Helmut Hack und vor allem, dass alles nur läuft, wenn alle miteinander laufen, singen, glauben, alle Jungen und alle Junggebliebenen. Es ist daher eine ungewöhnliche Diskussion, die sie beim Fußball-Zweitligisten in den Tagen nach dem Pflichtspielauftakt ins neue Jahr geführt haben. In der Diskussion ging es immerhin darum, dass zurzeit nicht alle miteinander laufen, singen, glauben. Sagt zumindest Stefan Ruthenbeck, der Trainer.

Am Sonntag, nach dem 0:2 im Heimspiel gegen den FC St. Pauli, hatten einige Zuschauer aufgehört zu singen und zu glauben, stattdessen fingen sie an zu pfeifen und auszubuhen. Ganz besonders laut pfiffen und buhten sie über Jurgen Gjasula, den Mittelfeldspieler, der gegen St. Pauli nicht sonderlich überzeugt hatte, allerdings war er dabei nicht der einzige. "Ich weiß nicht, ob Pfiffe uns in dieser Phase weiterhelfen. Jurgen zum Beispiel sitzt gerade niedergeschlagen in der Kabine und weiß selbst am besten, dass er kein gutes Spiel gemacht hat", sagte Ruthenbeck direkt nach dem Spiel, "doch gerade die Fans sollten sich eines fragen: Wenn ein Spieler aus Fürth die Möglichkeit hat, in Berlin oder Braunschweig zu spielen und hier ausgepfiffen wird, wofür wird er sich dann wohl entscheiden?" Und er fuhr fort: "Was ich da teilweise zu hören bekomme, ist peinlich und beschämend. Ich bin froh, dass meine Familie auf der andere Seite gesessen ist. Was erwartet man denn hier? Wenn wir Messi bekommen könnten, würden wir ihn auch holen." Es war ein Angriff auf so vieles von dem, was sie sich in Fürth in den vergangenen Jahren als Wahrheit aufgebaut hatten.

Die Worte, die Ruthenbeck gesprochen hat, versuchen sie seitdem in Fürth wieder einzufangen. "Ich kann die Pfiffe verstehen", sagte Marco Stiepermann, Gjasulas Nebenmann, "wir müssen da jetzt gemeinsam durch, wir brauchen die Fans." Und am Mittwoch sagt Martin Meichelbeck, der Direktor Sport: "Grundsätzlich muss man sagen: Die Aussagen hat Stefan aus der Emotion heraus getroffen." Er habe sich mit dem Trainer danach über dessen Sätze unterhalten, Ruthenbeck sei selbst erschrocken gewesen, welche Wirkung diese hatten, sagt Meichelbeck. "Er wollte ja nur einzelne Fans kritisieren. Und die Botschaft, die er hatte, war ja letztlich positiv. Die Botschaft lautet: Hey, wir alle müssen jetzt durch dick und dünn gehen." Wenn Meichelbeck Ruthenbecks Worte wiederholt, klingt es fast schon wieder so, als seien die Tage in Fürth zurzeit gar nicht so turbulent. Dabei haben die Aussagen des Trainers ja nur verdeutlicht, wie schlecht die Stimmung in Fürth ist, auch wenn Ruthenbeck selbst gesagt hat: "Die Stimmung ist nicht so schlecht wie sie gemacht wird."

Von den vergangenen sechs Partien hat Fürth keine einzige gewonnen, und sollte der Tabellenzwölfte diese Serie auch an diesem Freitag (18.30 Uhr) im Auswärtsspiel beim FSV Frankfurt fortsetzen, rutscht er noch weiter auf die Abstiegsränge zu. Es ist eine schwierige Situation, zumal der Verein bereits in der vergangenen Spielzeit immer weiter nach unten gerutscht war und sich erst am letzten Spieltag retten konnte. Und nun also steht die SpVgg schon wieder vor einer Frühjahrskrise. Meichelbeck hat für die ausbleibenden Punkte zwei Erklärungen. Offensiv "müssen wir definitiv zwingender und schneller im Abschluss und in unseren finalen Aktionen werden", in der Defensive wiederum sieht er in jeder Partie "ein, zwei Inkonsequenzen im Deckungsverhalten". Zusammen genommen reicht das, um nicht mehr Tore als der Gegner zu erzielen; mehr Gegentore als Fürth (34) hat ohnehin nur der Tabellenletzte Duisburg kassiert (35). "Das sind alles nur Kleinigkeit, aber die haben eben eine große Wirkung." Was ihm Hoffnung macht für die nächsten Wochen? Meichelbeck sagt: "Das Schöne an einem Trend ist ja, dass er nicht final ist und dass er sich schnell verändern kann."

Damit sich die Pfiffe und auch die Ergebnisse nicht wiederholen, fordert Meichelbeck von den Spielern, dass sie so weitermachen wie bisher, er zumindest glaubt weiter daran, dass alles laufen wird, wenn alle zueinander stehen. Meichelbeck selbst zum Beispiel steht weiter ganz eng zu Trainer Ruthenbeck. "Ich halte ihn für einen sehr kompetenten, sehr menschlichen Trainer, der gute Führungsqualitäten hat, sehr kreativ ist, bei allen gut ankommt." Ein paar Fans hat Meichelbeck dabei zwar ausgeklammert, aber er ist sich sicher, dass auch die wieder mit Spielern und Trainern singen werden. Nur wann, das weiß auch er nicht.