Sport verkauft sich: Überall auf der Welt entstehen Sportstadien der Superlative. Wir erleben die Ära der Arena.
Es gibt Epochen, in denen bestimmte Bauten andere dominieren. Die Nachkriegszeit war zum Beispiel die Ära des Wohnungsbaus. Danach, in den achtziger Jahren, entstanden auf der ganzen Welt etliche Museen. Aber inzwischen schieben sich die immer furioser gestalteten Sportstadien in den Vordergrund. Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht aus irgendeinem Teil der Welt der Neubau eines spektakulären Stadions gemeldet wird. Wir erleben die Ära der Arena.
Das neue Wembley-Stadion. (© )
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Berliner Zeitung
Architektur muss dort sein, wo Architektur möglich ist. Fussballstadien sind nun mal aufgrund ihrer Größe wenigen räumlichen Anforderungen ausgesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Nutzbauten darf sich die Architektur im Fussballstadion so richtig austoben.
Die Erkenntnis ist zwar nicht neu, doch trotzdem im Feuilleton gut aufgehoben.
...sich einmal näher mit der LTU-Arena in Düsseldorf zu beschäftigen, damit klar wird, wer am Ende die Rechnung für diese überkandidelten "Leuchtreklamen" bezahlt. Der "weiße Elefant" Bürgermeister Erwins (ein Ortsvorsteher, der unglaublich großzügig sein kann, solange es sich um das Geld anderer Leute handelt) wird den unglückseligen Bürgern noch so manche Million kosten. Geldvernichtung im Namen der Kultur und auf (überzogene) Rechnung von uns allen.
mal wieder ein typischer matzig artikel. nichtssagend aber voluminös. passend zum thema.
nur manchmal gerät herr matzig an eine wirklich relevante fragestellung gegenwärtiger architektur. dann offenbart sich sein architektentypisches menschenbild. selbiges reduziert den menschen zum "knubbelmännchen" dessen bedürfnisse und ansprüche auf partizipation am gestaltungsprozess selbstverständlich hinter den ästhischen vorstellungen des architekten zurück zu treten haben.
es könnte aber alles viel schlimmer sein. herr matzig ist architekt. er könnte auch bauen anstatt im feuilleton zu schreiben. dann doch lieber letzteres !
julafu bemüht sich in seinem gelungem Kommentar die gesellschaftliche Bedeutung der Stadionneubauten zu erfassen. Selbstverständlich ist es richtig, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat woraus eine Veränderung des Charakter des Sports (insbesondere des Fussball) eingetreten ist. Jene Wandlung macht auch neue Sportstäten notwendig. Ohne weiter auf den Fussball als Metapher des Zeitgeistes eingehen zu wollen halte ich julafus Darstellung doch zu pessimistisch.
Die wichtigen Stadionneubauten des europäischen Fussballs entstanden nicht (oder zumindest nicht nur) aus kapitalisitscher Raffgier sondern auch aus Sachzwängen heraus. Die durch Neubauten ersetzten Stadien wurden dem Fussbal entweder nie wirklich gerecht (Olympiastadion München) oder stammten aus einer ersten Bauboomzeit des Fussballs (z.B. Mestalla Valencia Baujahr 1923, Highbury London 1913, Wembley 1913). Auch wenn derartige moderne Stadion auf Grund ihrer sterilen Atmsphäre viel kritisiert werden, so zeigt doch die aktuelle Gewaltproblematik in Italien die Vorzüge des "Arenen Wahnsinns".
wo er/sie recht hat, hat er/sie recht.
zudem:
jede Architekturepoche seit dem alten ägypten und seinen Pyramiden hatte Paläste, welche vor allem macht und Herrschaft ausdrücken sollten. Das galt für die gotischen Kathedralen genau so wie für die Werkstätten/Fabriken der Industrialisierungsanfangsphase. Genau wie die Schlösser des 16/17/18 jhrdt. immer größer schöner prächtiger wurden, muss man auch die zum Glück nur in ausnahmen realisierten faschistischen Bauten betrachten. Der Sinn ist hier genau wie bei den Banktempeln der 70er: Diese Baukörper versinnbildlichen Machtstreben ihrer Erbauer. und das gemeine Volk hat aufzusehen bzw. durch hohe Eintrittspreise den Reichtum der Veranstalter zu mehren. Hatten wir solche Abgaben nicht auch schon mal??
Schlimm nur, dass diese entwicklung von der Spaßgesellschaft nicht wahrgenommen wird.
Paging