Der Sport hat das Vertrauen der Steuerzahler nicht verdient - zum Beispiel, weil er die nationale Dopingbekämpfung zur Slapstick-Nummer verkommen lässt.
Sechs Sekunden rieselte Applaus, als Thomas Bachs Rede abgespult war, mehr Wert hat die sportive Instant-Rhetorik nicht mal unter alten Kameraden. Einen schönen Erfolg aber durfte der DOSB-Boss trotzdem verbuchen. Die Einbettung des Verbandskonvents in die Bundestagsdebatte zum Sport samt Kürlauf einer parteiübergreifenden Koalition pro Leibesertüchtigung in der Frage, ob letztere nicht dringend ins Grundgesetz gehört - das sind propagandistische Big Points, die über die leider ja recht bescheidene Gesamtverfassung der Sportnation hinwegleuchten. Und womöglich zum Ziel führen: Dass die Funktionäre, kaum dass ihr Sport nach allen Regeln des Lobbyistentums Verfassungsrang erlangt hat, losrennen und allerlei weitreichende Sonderregeln einfordern können.
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Deutschlands oberster Sportfunktionär Thomas Bach beim DOSB-Bundestag. (© Foto: dpa)
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Dabei übersehen die Parlamentarier so viele Probleme, dass ihnen vorsätzliche Sportnarretei attestiert werden darf. Das größte: Der Sport - sein organisierter Teil - ist schutzbedürftig vor sich selbst geworden. Vor seinen Idolen und Geldgebern, und immer mehr vor vielen Topfunktionären. Die bilden längst ihre eigene Interessenslobby, welche unterm Beifall nationalbewusster Medien die positiven Funktionen des Sports ad absurdum führt.
Unbestreitbar hat sich Doping in weiten Spitzensportbereichen als Systemzwang etabliert, Fakt ist auch, dass dieses Vorbild immer stärker auf den Breitensport abstrahlt. Schon deshalb ist, bevor ein in die Unterhaltungsindustrie abdriftender Sport zum Staatsziel erhoben wird, genau abzuwiegen, welches Gut hier erfasst wird - und welche Bereiche vor der Lobby des Geld- und Nationalsports zu schützen sind.
Dass der Sport derzeit keineswegs das Vertrauen von Bürgern und Steuerzahlern verdient - auch hierzulande nicht -, hat groteskerweise ja der selbe Konvent verdeutlicht. Der neue Nada-Code wird von einer nicht näher bekannten Anzahl Verbände irgendwann implementiert, nur nicht, wie bisher mit religiöser Inbrunst beteuert, zum Stichtag am Jahresbeginn 2009.
Das entlarvt die nationale Betrugsbekämpfung als das, was sie ist: eine Slapstick-Nummer. So hatte das passende Schlusswort in Rostock der Sportminister gesprochen. Wolfgang Schäuble sieht den Sport offenbar nicht im Verfassungsrang: "Ich rate immer, Probleme zu lösen und nicht mit irgendwelchen Scheinlösungen zu glauben, die Probleme gelöst zu haben."
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(SZ vom 08.12.2008)
Treffende Analyse. Das Ding ist aber nicht mehr zu stoppen. Sowenig wie Lance Armstrongs überirdische Wadeln.
Je nach Grad der erdopten Unglaubwürdigkeit werden die sportlichen Disziplinen medial nach hinten durchgereicht. Und landen früher oder später in der Schaustellerei.