Sportpolitik Post für Hörmann

Dopingopfer machen Front gegen Hamburgs Olympia-Bewerbung und fordern die Bewohner auf, beim Referendum gegen die Spiele zu stimmen.

Von JAVIER CÁCERES, Berlin

Unter dem Motto "Hamburg kann München" hat sich der Dopingopfer-Hilfe-Verein (DOH) in die Reihe der Gegner der Bewerbung der norddeutschen Hafenstadt um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 eingereiht. Wie die DOH-Vorsitzende Ines Geipel am Mittwoch in Berlin erklärte, sollen in den kommenden Tagen 500 000 Postkarten in den Hamburger Haushalten landen, auf denen die Doping-Opfer die Hamburger auffordern, es den Münchnern nachzutun und beim Referendum am 29. November gegen Olympische Spiele in ihrer Stadt zu votieren. Die Münchner hatten sich bei einer Befragung im Jahr 2013 gegen eine Bewerbung ihrer Stadt um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 gewandt.

Zur Begründung für die DOH-Opposition erklärte Geipel, dass der organisierte deutsche Sport seine Spitzenathleten weiterhin auf Medaillen-Erfolge trimme, die deutsche Doping-Vergangenheit nicht vernünftig aufarbeite, mithin "für systematischen Betrug" stehe. Geipel monierte, dass es seitens des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, zwar großspurige Gesprächsangebote gegeben habe ("Chefsache"), der DOSB zuletzt aber nicht mal mehr Briefe der Doping-Opfer beantwortet habe. "Da kam null, niente, völliges Kommunikations-Aus", sagte Geipel. Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein betreut etwa 700 frühere Athleten, die über Gesundheitsschäden klagen, die auf die Verabreichung von Doping-Mitteln zurückzuführen sind.

Der Disput zwischen Doping-Opfern und DOSB vollzieht sich vor dem Hintergrund der soeben seitens der Bundesregierung angekündigten Finanzhilfe von 10,5 Millionen Euro für die Doping-Opfer. Sie war vergangene Woche in den Nachtragshaushalt gestellt worden und soll in den Jahren 2016 und 2017 fließen. Geipel begrüßte die Geste, die eine Anerkennung gravierender Gesundheitsschäden darstellt. Gleichzeitig unterstrich sie, dass "eine Einmalzahlung keine veränderte Sportpolitik" darstelle. Zudem müsse Doping-Opfern nachhaltig medizinische Hilfe geboten werden. Der DOSB ist von der Bundesregierung wie auch von der grünen Opposition im Bundestag aufgefordert worden, sich am Fonds zu beteiligen. Bislang aber ziert sich Hörmanns Organisation. Geipel forderte ihn auf, "politische Fantasie" spielen zu lassen - etwa um wieder Pharmakonzerne in die Pflicht zu nehmen, die an Doping-Programmen beteiligt waren.