Sportpolitik Pechstein: "Die Richter haben einen Super-Job gemacht"

Claudia Pechstein wartet im BGH in Karlsruhe mit ihrem Anwalt Thomas Summerer auf den Beginn ihres Prozesses. Dieser dürfte noch länger dauern.

(Foto: dpa)
  • Manager, vier juristische Vertreter und ein Gewinnergrinsen: Claudia Pechstein präsentiert sich vor Gericht siegessicher.
  • Ihr Fall ist längst nicht zu Ende.
Von Johannes Aumüller, Karlsruhe

Claudia Pechstein war ausgesprochen früh dran. Schon eine knappe Stunde vor dem Beginn der Sitzung betrat sie den Bundesgerichtshof (BGH), gekleidet in ihre blaue Uniform der Bundespolizei und begleitet von einer großen Entourage: Ihr Lebensgefährte war dabei, ihr Manager, dazu inzwischen vier juristische Vertreter. Es war der Beginn eines Tages, der mal wieder als "wichtigster Tag ihres Lebens" galt. Aber als die 44-jährige Eisschnellläuferin fast vier Stunden später das Gebäude verließ, war sie nicht viel schlauer.

Der BGH vertagte die Entscheidung in der Causa Pechstein versus Eislauf-Weltverband (ISU) auf den 7. Juni, und es ließ sich während der Verhandlung nicht erkennen, auf welche Seite der Kartellsenat tendiert. Pechstein gab sich trotzdem glücklich: "Ich habe das Gefühl, dass die Präsidentin und die vier anderen Richter einen Super-Job gemacht haben. Und für mich ist das Gefühl immer das wichtigste, egal ob auf dem Eis oder außerhalb."

Die juristische Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien geht nun schon ins achte Jahr. Im Februar 2009 war die fünfmalige Olympiasiegerin wegen auffälliger Retikulozyten-Werte im Blut von der ISU für zwei Jahre gesperrt worden. Der Internationale Sportgerichtshof Cas als höchste Instanz der Sportgerichtsbarkeit bestätigte diese Sanktion. Pechstein bestritt Doping stets und erklärt die Anomalie inzwischen mit einer vererbten Krankheit.

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Weil der Cas nach ihrer Meinung nicht die rechtsstaatlichen Kriterien erfülle und sie sich via Schiedsvereinbarung dem Cas unterwerfen musste, will Pechstein ihren Doping-Fall noch einmal von einem deutschen Zivilgericht aufrollen lassen. Fünf Millionen Euro Schadenersatz verlangt sie von der ISU. Doch zunächst muss geklärt werden, ob die deutschen Gerichte überhaupt zuständig sind.

Das Landgericht München sagte Anfang 2014 nein, das Oberlandesgericht als Berufungsinstanz Anfang 2015 ja - und jetzt ist es am Bundesgerichtshof, zu entscheiden. Die nationale wie auch die internationale Sportwelt verfolgen den Fall merklich angespannt, weil er je nach Ausgang gravierende Konsequenzen für die bisherige sportgerichtliche Praxis und den Cas haben kann.