Sportmedizin Freiburger Doping-Kommission löst sich auf: "Wahrheit war unsere Aufgabe"

Letizia Paoli, Vorsitzende der Evaluierungskommission der Freiburger Sportmedizin.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)
  • Die Kommission, die die Doping-Vergangenheit der Universität Freiburg untersuchen sollte, hat sich aufgelöst.
  • Die Mitglieder beklagen Einschränkungen durch die Universität Freiburg. Diese streitet das ab.
  • "Wir lassen uns nicht zu Lieferanten von Textbausteinen machen, die beliebig und zugunsten der Universität zusammengesetzt werden", sagt Pharmakologe Fritz Sörgel.

Die Doping-Kommission an der Freiburger Universität hat sich aufgelöst. Das bestätigte Kommissionsmitglied Fritz Sörgel am Dienstagmorgen, nachdem um Mitternacht ein Ultimatum an die Universitätsführung verstrichen war. Die "Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin" protestiert damit gegen die angebliche Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch den Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer. Seinen Kompromissvorschlag bewerteten die Mitglieder der Kommission als nicht weitgehend genug.

"Den Rückzug der Kommission kann man auch gerne als symbolischen Akt interpretieren. Durch die als fortlaufend empfundene Verhinderungspolitik der Universitätsspitze wird es keinen ordentlichen Schlussstrich unter einem der wichtigsten Projekte der jüngeren deutschen Sportvergangenheit geben. Man muss sich also fragen, warum offensichtlich nicht das ganze Maß an die Öffentlichkeit soll", sagte Sörgel.

Sörgel ergänzte, dass die Universität ein Abschlussdokument erhalten werde. "Wie sie damit umgeht, will sie selbst entscheiden. Was dieses Dokument wert ist, wird man sehen. Es ist unvollendet und in der Hand der Universität. Es steht noch nicht mal fest, was damit geschieht. Wird geschwärzt? Wir lassen uns nicht zu Lieferanten von Textbausteinen machen, die beliebig und zugunsten der Universität zusammengesetzt werden. Die Wahrheit, wie sie sich uns darstellt, das war unsere Aufgabe", sagte Sörgel.

Die Mitglieder werden ihre Sicht der Dinge publizieren

Der Nürnberger Pharmakologe kündigte an: "Dass die Kommissionsmitglieder ihre eigene Sicht der Dinge in einer gesonderten Publikation zur Kenntnis bringen werden, das liegt auf der Hand." Die Kommission war 2007 mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, die Geschichte der skandalumwitterten Freiburger Sportmedizin unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen.

Die Kommission bestand aus sechs führenden Anti-Doping-Experten: Letizia Paoli (Italien/Belgien), Hans Hoppeler (Schweiz), Perikles Simon (Mainz), Gerhard Treutlein (Heidelberg), Hellmut Mahler (Düsseldorf) und Sörgel (Nürnberg). Das Gremium hatte unter Leitung der Kriminologin Paoli von der Universität Leuwen in Belgien wiederholt massive Behinderungen durch die Uni Freiburg beklagt. Diese hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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