Sportliche Entwicklung in Katar Koste es, was es wolle

Handball kennen sie nun auch: In der Lusail Multipurpose Halle in Doha steigt das Finale der WM.

(Foto: dpa)
  • Der sportliche Erfolg von Katars Handballern basiert zu großen Teilen auf finanziellen Mitteln.
  • Mit einer zusammengekauften Mannschaft haben die Katarer das WM-Finale erreicht.
  • Auch im Fußball dürfte der Wüstenstaat bald aktiver werden.
Ein Kommentar von Benedikt Warmbrunn

Auf dem Transfermarkt wurde gerade ein Beben registriert. Es ging nicht um Cristiano Ronaldo, es ging nicht um Lionel Messi, es ging nicht um Manuel Neuer. Es ging um Katar. Um den Staat auf der Arabischen Halbinsel, der nur knapp 300 000 Bürger hat, dafür aber sehr ehrgeizige sportliche Ziele. Und sehr viel Geld. Bei der Handball-WM in Katar hat sich die Nationalmannschaft des Gastgebers gerade für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro qualifiziert, durch einen Sieg im Viertelfinale gegen Deutschland. Trainiert wird die Auswahl von einem Spanier, die wichtigsten Spieler sind ein rechter Rückraumspieler aus Montenegro und ein linker Rückraumspieler aus Kuba. Natürlich sind im 16er-Kader auch Spieler aus Katar. Vier.

Es ist eine umstrittene Strategie, mit der Katar seinen Handballkader zusammengestellt hat: mit der Transferpolitik eines Vereins. Und es ist eine internationale Strategie, Katars Handballer hätten auch bei einer Europameisterschaft gute Chancen. Die meisten Nationalspieler spielen zudem für einen Klub in Katar, Zarko Markovic aus Montenegro und Rafael Capote aus Kuba zum Beispiel für Al-Jaish in Doha. Zwei Millionen Euro sollen sie erhalten haben, als sie eingebürgert wurden, dazu angeblich 100 000 Euro für jedes gewonnene WM-Spiel. Daher sind jetzt auch die Transfermarkt-Seismologen im Fußball aufmerksam geworden: Was passiert vor der Fußball-WM 2022 in Katar? Sucht sich Katar seinen Ronaldo, seinen Messi, seinen Neuer?

Antwort: eher nein. Nicht mehr.

Vor elf Jahren hatte die junge Sportmacht erstmals den Transfermarkt in Deutschland nervös gemacht, es ging um ehrgeizige Ziele, es ging um viel Geld. Und es ging um Ailton. Der Stürmer von Werder Bremen durfte nicht für sein Heimatland Brasilien spielen (er sei nicht brasilianisch genug), auch nicht für Deutschland (er sei zu brasilianisch). Katar wollte ihn, genauso wie Ailtons Landsmänner Dede und Leandro von Borussia Dortmund.

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Die Aufregung war groß, die Zeitungen schrieben vom "Scheich vom Deich". Doch zumindest damals entschied der Weltverband Fifa gegen die Verlockungen des Geldes. Spieler dürfen nur eingebürgert werden, wenn sie noch kein Pflichtländerspiel für ihr Heimatland bestritten haben, wenn sie in dem Land geboren sind (oder ihre Eltern oder Großeltern). Oder wenn sie dort mindestens zwei Jahre ununterbrochen gewohnt haben. Bei Handballern dagegen reicht es schon, wenn sie drei Jahre lang nicht mehr für ihr Heimatland gespielt haben.

Im Fußball sollen statt Spielern eher Trainer geholt werden

Katar musste auf Ailton verzichten. Und hat stattdessen 2004 die Aspire Academy eröffnet. 320 Schüler, vormittags Schule, nachmittags Sport, die meisten von ihnen Fußballer, alle Nachwuchsnationalmannschaften gehen an die Akademie. Auf jeden Schüler kommen sieben Trainer oder Betreuer, das ist die neue Währung, mit der Katar seine Ziele erreichen will: europäisches Know-how.

Die U19 trainiert der Spanier Felix Sanchez, es ist die erste Generation, die komplett an der Akademie ausgebildet wurde. Es ist die Generation, die die aktuelle vergessen lassen soll; jenes A-Team, das bei der Asienmeisterschaft gerade als Gruppenletzter ausgeschieden ist, drei Spiele, drei Niederlagen. Bei der U19-Asienmeisterschaft im Herbst siegte dagegen: Katar.

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Katar wird bis 2022 ein Beben auf dem Transfermarkt verursachen, zumindest ein kleines auf dem der Trainer. Eine verlockende Vorstellung, dass bei der WM im eigenen Land ein Katalane das Team trainiert, der gerade noch den FC Bayern nach seinen Ideen gestaltet.