Von C. Catuogno, U. Hartmann und J. Kelnberger

Olympia beherrscht die Wahl der Sportler des Jahres: Steiner, Steffen und die Hockey-Männer gewinnen.

Seit 1947 wählen die deutschen Sportjournalisten ihre "Sportler des Jahres". Wie erwartet, kamen in diesem olympischen Jahr 2008 die herausragenden deutschen Athleten der Spiele in Peking zum Zug: Gewichtheber Matthias Steiner, Schwimmerin Britta Steffen und als Mannschaft des Jahres die Hockey-Männer. Sie folgen Turner Fabian Hambüchen, Biathletin Magdalena Neuner und der Handball-Nationalmannschaft der Männer nach, die vor einem Jahr bei der Gala in Baden-Baden geehrt wurden. Ihre besondere Note gewinnt die Wahl 2008 in der Person des gebürtigen Österreichers Matthias Steiner, der wegen seines privaten Schicksals Schlagzeilen über den Sport hinaus machte.

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Matthias Steiner und Britta Steffen sind die Sportler des Jahres. (© Fotos: ddp)

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Der Schmerzensreiche Die Geschichte dieses Lebens bietet, da Matthias Steiner gerade erst 26 Jahre alt ist, schon Stoff für einen Roman. Ein Sportler, der sein Heimatland verlässt und die Nationalität wechselt. Ein Sportler, der an Diabetes leidet. Ein Sportler, der in der Vorbereitung auf den Wettkampf seines Lebens die Frau seines Lebens durch einen Verkehrsunfall verliert. Dieser Sportler gewinnt Olympiagold im Superschwergewicht der Gewichtheber mit einer Leistung, die ihm niemand zugetraut hat, und steigt auf zum stärksten Mann der Welt.

Randvoll schon diese Geschichte. Am Rande wurde Matthias Steiner bloß konfrontiert mit dem dringendsten Problem seiner Sportart, dem Thema Doping. Auch dazu hat er seine Sicht dargelegt, sehr nüchtern, wie es seine Art ist. Anders könnte ein Mensch wohl auch die vielen Wendungen, Höhenflüge, Niederschläge innerhalb so kurzer Zeit gar nicht verarbeiten.

Matthias Steiner, der gebürtige Niederösterreicher, ist nicht ein einziges Mal unter Verdacht geraten, sein Schicksal zu vermarkten. Er tut Dinge, weil er sie für richtig hält. Deshalb ist er seinerzeit zu seiner großen Liebe nach Chemnitz gezogen, hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und sich dem Bundesleistungszentrum Leimen angeschlossen. Deshalb nahm er in Peking das Bild seiner Susann mit auf das Podium, um es mit der Goldmedaille in die Kameras zu halten - ihm war einfach danach.

Und deshalb verfolgte Steiner Anfang Dezember in Heidelberg auch den Prozess gegen den Mann, der am 16. Juli 2007 den Tod seiner Frau verursacht hatte. Matthias Steiner hat allerdings keine Erklärung für den Unfall, keine Entschuldigung bekommen. "Dieser schwarze Punkt", sagt er, "wird immer bleiben."

Matthias Steiner wird sich nach den Jahresrückblicken und Feierlichkeiten wieder seinem Sport widmen. Der gibt ihm Rückhalt, der ist sein Zuhause. Die sportliche Botschaft des Olympiasieges ist ja angesichts des Romanstoffes drumherum fast in Vergessenheit geraten. Sie handelt vom erfahrenen Bundestrainer Frank Mantek, vom Bundesstützpunkt Leimen, vom deutschen olympischen Sportsystem also, das vor allem abseits der großen Bühne, in den Nischen, blüht.

Matthias Steiner sagte in Peking pathetisch, ohne Deutschland hätte er das alles nicht geschafft. Woher er aber die Kraft nahm, nach den 203 Kilo im Reißen auch noch jene 258 Kilo zu stoßen, die ihm den Sieg bescherten - das wird für immer seine ganz persönliche Geschichte bleiben.

Die Zweifelnde Britta Steffen wäre auch ohne diese Szene Sportlerin des Jahres geworden, natürlich, seit 1992 gab es keine deutsche Olympiasiegerin mehr im Schwimmen. Nur wüsste man ohne die Szene jetzt weniger über sie. Zwar hat Britta Steffen immer viel erzählen müssen: über Druck, Erwartungen und darüber, dass ein Teil von ihr sehr schwach und empfindsam sein kann. Aber erstaunlicherweise wirkte sie immer dann besonders stabil, wenn sie über ihre Labilität berichtete, sie blickte den Leuten dann ganz doll in die Augen. Vielleicht war es gerade diese betonte Offenheit, hinter der sie ihre Ängste verbarg.

Dann also die Szene, die sofort um die Welt ging, weil hinter Franziska van Almsick, Steffens Freundin, eine Kamera mitlief. Steffen also raus aus dem Pekinger Becken, rein in Franzis Arme, man sah ein zerknautschtes Gesicht, aufgerissene Augen, Steffen schaute niemanden ganz doll an in diesem Moment. Nun, da er spektakulär von ihr abfiel ("Ich bin dir so dankbar"), begriff die Welt, was Britta Steffen mit dem Wort "Druck" gemeint haben muss.

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