Sport kompakt Langlauf-Bundestrainer Behle tritt zurück

Der langjährige Coach der deutschen Langläufer wirft überraschend hin, der Prozess um Formel-1-Fahrer Adrian Sutil scheint beendet, deutsche Tischtennis-Frauen erreichen WM-Viertelfinale. Der 1. FC Nürnberg könnte einen Japaner verpflichten, Verwirrung herrscht um Pizarros Abgang von Werder. Sport kompakt

Langlauf, Rücktritt: Jochen Behle hat nach zehn Jahren überraschend seinen Rücktritt als Skilanglauf-Bundestrainer erklärt. Das bestätigte der 51-Jährige nach "intensiven Geprächen" mit dem Deutschen Skiverband (DSV). "Ich habe gemerkt, dass ich bei den Athleten nicht mehr so ankam. Das Vertrauen war nicht mehr da. Es gibt Dinge, die sich abnutzen", sagte Behle dem SID: "Ich hatte in den vergangenen Jahren immer den Eindruck, etwas bewegen zu können. Dieses Gefühl habe ich nicht mehr." Behle hatte zuletzt auch Meinungsverschiedenheiten mit dem DSV, der Langläuferinnen für das deutlich populärere Biathlon gewinnen will. Derzeit gibt es ein Probetraining, bei dem das Schieß-Talent mehrerer Langläuferinnen getestet wird. Dieser Disput sei allerdings nicht der Auslöser für den Rückritt gewesen. "Das hat mit meiner Entscheidung nichts zu tun", sagte Behle. Eine Entscheidung über einen Nachfolge ist noch nicht getroffen.

Unter Behle hatte der deutsche Skilanglauf seine erfolgreichste Zeit überhaupt. So gewannen seine Schützlinge Rene Sommerfeldt 2004, Axel Teichmann 2005 sowie Tobias Angerer 2006 und 2007 jeweils den Gesamtweltcup. "Das ist der Hammer. Ich kann es gar nicht glauben und weiß gar nicht, was ich sagen soll", erklärte Teichmann vollkommen perplex. Und auch Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle war verdutzt: "Das schockt mich jetzt. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Es gab nicht einmal gerüchteweise Andeutungen."

Formel 1, Adrian Sutil: Der Prozess gegen den Münchner Rennfahrer wegen gefährlicher Körperverletzung kann offenbar endgültig zu den Akten gelegt werden. Wie der derzeit vertragslose Pilot und sein Manager Manfred Zimmermann mitteilten, wurde die Berufung gegen die 18-monatige Bewährungsstrafe sowie 200.000 Euro Geldbuße sowohl von Sutil als auch von der Staatsanwaltschaft München zurückgenommen. "Damit ist alles erledigt", sagte Zimmermann dem SID. Man habe sich nach einer positiven Aussprache zwischen Sutil und dem von ihm verletzten luxemburgischen Geschäftsmann Eric Lux zu diesem Schritt entschieden, hieß es in einem Statement: "Beide Seiten wollten sich einen erneuten Gerichtstermin ersparen und das Thema beenden. Eric Lux und Adrian haben sich die Hand gereicht und damit ist der unglückliche Vorfall für beide Seiten erledigt und Vergangenheit. Auch von Seiten der FIA wird es keine Restriktionen geben, die ein Comeback von Adrian verhindern." Sutil zeigte sich "erleichtert, dass das Thema damit für mich erledigt ist, ich mich mit Eric Lux aussprechen konnte und nicht noch einmal vor ein Gericht muss. Damit schließe ich das Thema ab und schaue nach vorne." Ziel des 29-Jährigen, der bisher 90 Formel-1-Rennen absolvierte, sei eine baldige Rückkehr in die Königsklasse. "Jetzt möchte ich so schnell wie möglich wieder das machen, was ich am besten kann. Rennen in der Formel 1 fahren", sagte Sutil. "Ab sofort wollen wir uns auf das Sportliche konzentrieren und alles unternehmen, dass Adrian so schnell wie möglich wieder seinen Platz in der F1 bekommt", ergänzte Zimmermann. Sutil war verurteilt worden, weil er im April 2011 in einer Diskothek in Shanghai den luxemburgischen Geschäftsmann Eric Lux, Teilhaber des damaligen Renault- und heutigen Lotus-Teams, mit einem Glas am Hals verletzt hatte.

Tischtennis, WM: Deutschlands Teams haben ihre doppelte Medaillenchance bei der Heim-WM in Dortmund aufrecht erhalten. Einen Tag nach Timo Boll und Co. qualifizierten sich auch die Damen für das Viertelfinale. Die Auswahl von Bundestrainerin Jie Schöpp bezwang am Donnerstag Nordkorea mit 3:1 und fordert nun am Freitag (19.00 Uhr) im Kampf um eine Medaille Weltmeister Singapur heraus. 2010 in Moskau hatte Deutschland im WM-Halbfinale mit 0:3 gegen Singapur verloren und die Bronzemedaille erhalten. 3000 Zuschauer in der Westfalenhalle feierten das Trio Irene Ivancan (Berlin), Jiaduo Wu und Kristin Silbereisen (beide Kroppach). Europa-Top-12-Siegerin Wu (2) und die EM-Zweite Ivancan (1) holten die Punkte, Silbereisen verlor ihr Einzel. Die DTTB-Herren hatten spielfrei und kämpfen ebenfalls an diesem Freitag (16 Uhr) gegen Portugal oder Schweden um den Einzug ins Halbfinale. Das Europameister-Team gilt als Favorit. Bei einem Erfolg hätten Trainer Jörg Roßkopf und seine Spieler Bronze und damit die neunte WM-Medaille für eine deutsche Herren-Mannschaft sicher.

Tennis, WTA: Die Russin Maria Scharapowa hat zum vierten Mal das Endspiel des Tennis-Turniers von Miami erreicht. Die Weltranglisten-Zweite gewann das Halbfinale gegen die Dänin Caroline Wozniacki nach großem Kampf mit 4:6, 6:2, 6:4. Nach 2:34 Stunden verwandelte Scharapowa ihren zweiten Matchball und steht damit wie im Vorjahr im Endspiel. Gewonnen hat die 24-Jährige die mit 4,8 Millionen Dollar dotierte Veranstaltung allerdings noch nie. Für Scharapowa war es im sechsten Vergleich mit Wozniacki der vierte Sieg. Im Endspiel trifft die Russin entweder auf Marion Bartoli aus Frankreich oder die Polin Agnieszka Radwanska. Beide haben ebenfalls noch nie in Miami den Titel geholt.

Eiskunstlauf, WM: Die kanadischen Eistanz-Olympiasieger Tessa Virtue und Scott Moir sind zum zweiten Mal Weltmeister. Die jungen Ausnahme-Athleten besiegten am Donnerstag in Nizza ihre amerikanischen Trainingskameraden Meryl Davis und Charlie White und kassierten ein Preisgeld von 67 500 US-Dollar (51 383 Euro). Bronze ging an die Lokalmatadoren Nathalie Pechalat/Fabian Bourzat (Frankreich). Die dreimaligen deutschen Meister Nelli Zhiganshina/Alexander Gazsi aus Oberstdorf bestätigten den elften Platz aus dem Vorjahr.

Bundesliga, 1. FC Nürnberg: Der Club steht vor der Verpflichtung des japanischen Profis Hiroshi Kiyotake von Cerezo Osaka. Der 22 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler soll nach Informationen verschiedener Medien zur kommenden Saison nach Franken wechseln. Die Ablösesumme für den U23-Nationalspieler, der in der vergangenen Saison in 25 Erstligaspielen sieben Tore für den früheren Klub des Dortmunders Shinji Kagawa erzielt hat, dürfte etwas unter einer Million Euro liegen. "Es ist noch nichts unterschrieben, aber wir fahren nicht umsonst zwei Mal da rüber", sagte Manager Martin Bader am Donnerstag. Die Gesamtkonstellation bei Kiyotake sei "interessant", der Spieler jung und bezahlbar. Außerdem ist der Club weiter an einem Transfer von Takashi Inui vom VfL Bochum interessiert. Bisher schreckt Bader allerdings die mit drei Millionen Euro sehr hohe Ablöseforderung des Zweitligisten ab. Takashi Usami (Bayern München) ist eine weitere Option. Als Nachfolger für Philipp Wollscheid, der zu Bayer Leverkusen wechselt, ist Alexander Madlung vom VfL Wolfsburg im Gespräch. Der Innenverteidiger, der bei den Wölfen noch einen Vertrag bis 2013 besitzt, müsste in Nürnberg aber auf viel Geld verzichten.

Fußball, Fifa: Der Fußball-Weltverband FIFA darf vertragsbrüchigen Spielern nicht mit einem unbegrenzten Berufsverbot drohen. Das Schweizerische Bundesgericht in Lausanne gab nach Angaben vom Donnerstag einer Beschwerde des Brasilianers Matuzalem statt, derzeit Teamkollege von Miroslav Klose bei Lazio Rom. Der Mittelfeldspieler hatte 2007 seinen Fünfjahresvertrag beim ukrainischen Club Shakhtar Donetsk vorzeitig gekündigt und war zu Real Saragossa nach Spanien gewechselt. Die FIFA sprach Donetsk für die vertragswidrige Kündigung Schadensersatz in Höhe von 6,8 Millionen Euro zu, der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne erhöhte den Betrag 2009 auf 11.858.934 Euro. Nachdem sich sowohl Saragossa als auch Matuzalem außerstande sahen, den Betrag aufzubringen, drohte die Disziplinarkommission der FIFA dem Spieler mit einem Berufsverbot. Sollte er nicht innerhalb von 90 Tagen zahlen, würde ihm nach Aufforderung Donetsk jegliche Tätigkeit im Zusammenhang mit Fußball untersagt. Das Schweizerische Bundesgericht hob die "fundamental rechtswidrige" Disziplinarmaßnahme der FIFA auf.

Fußball Bundesliga, HSV: Trainer Thorsten Fink vom abstiegsgefährdeten Fußball-Bundesligisten Hamburger SV hat den handgreiflichen Rauswurf von Nachwuchsspieler Muhamed Besic am vergangenen Samstag aus der Kabine verteidigt. "Ich kann nicht immer nur lieb sein, wenn man sich alles gefallen lässt, kommt man nicht weiter", sagte der 42-Jährige auf der Pressekonferenz am Donnerstag, "wir haben viel Arbeit vor uns, da kann ich keine Undiszipliniertheiten dulden." Vor dem Kellerduell beim Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern am Samstag (15.30 Uhr) lobte Fink die Trainingsarbeit in der vergangenen Woche: "Jeder Spieler hat voll verstanden, wie die Lage ist, jeder hat voll mitgezogen und konzentriert gearbeitet." Der Coach fordert von seinem Team "volle Konzentration im Spiel von der ersten bis zur letzten Minute." Er erwartet am Betzenberg ein "heißes Spiel. Kaiserslautern steht total unter Druck, aber wir wollen dagegenhalten. Für uns ist die Lage genau so brenzlig."

Fußball Bundesliga, Claudio Pizarro: Verwirrung um Claudio Pizarro: Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs hat eine Meldung dementiert, wonach der peruanische Angreifer den Fußball-Bundesligisten im Sommer verlassen wird. "Da weiß die Sport Bild mehr als wir", sagte Allofs am Donnerstagmorgen: "Bei uns ist das so nicht kommuniziert. Ich glaube das aber ehrlich gesagt auch nicht." Die Sport Bild hatte berichtet, dass Pizarro seinen Vertrag in Bremen zum 30. Juni dieses Jahres gekündigt habe. Weil der Angreifer seine Kündigungsklausel noch vor Ablauf der vertraglich festgelegten Frist (31. März) gezogen habe, sei er nach der laufenden Saison ablösefrei. Außerdem berichtete das Blatt, Rekordmeister Bayern München habe Pizarro bereits einen Zweijahresvertrag angeboten. "Da müssen sie Bayern München fragen. Das wäre eine Sache zwischen ihnen und Claudio", sagte Allofs dazu.

Tennis, WTA und ATP: Nach 26 Siegen in Folge hat die Weltranglisten-Erste Victoria Asarenka im Viertelfinale des WTA-Hartplatz-Tennisturniers von Miami ihre erste Niederlage in diesem Jahr kassiert. Marion Bartoli aus Frankreich beendete am Mittwoch (Ortszeit) beim 6:3, 6:3 die Erfolgsserie der 22-Jährigen aus Weißrussland und trifft jetzt im Halbfinale auf Agnieszka Radwanska. Die Polin setzte sich mit 6:4, 6:1 gegen Venus Williams (USA) durch. Das zweite Vorschlussrunden-Duell bestreiten die russische Weltranglisten-Zweite Maria Scharapowa und Caroline Wozniacki aus Dänemark. Beim gleichzeitig stattfindenden ATP-Masters der Herren stehen unterdessen Rafael Nadal (Spanien) und Andy Murray (Schottland) als erste Halbfinalisten fest. Nadal kämpfte in 2:50 Stunden den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga mit 6:2, 5:7, 6:4 nieder, Murray musste beim 4:6, 6:3, 6:4 gegen Janko Tipsarevic aus Serbien zwei Stunden und 38 Minuten lang ebenfalls Schwerstarbeit verrichten. Von bisher 18 Duellen gegen Murray hat Nadal 13 gewonnen.

Basketball, NBA: Die Chicago Bulls sind in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Zwei Tage nach der 91:108-Heimniederlage gegen die Denver Nuggets setzte sich der sechsmalige Meister souverän 98:77 bei den Atlanta Hawks durch und hat mit nun 41 Siegen in 52 Spielen weiter die beste Bilanz in der Liga. Bei den Bulls, die bislang als einziges Team für die Play-offs qualifiziert sind, war Luol Deng mit 22 Punkten bester Werfer. Chicagos Superstar Derrick Rose verpasste die achte Begegnung in Folge wegen einer Leistenzerrung. Auch ohne Amar'e Stoudemire (Rückenprobleme) und Jeremy Lin (Knieprobleme) blieben unterdessen die New York Knicks das Team der Stunde. Beim 108:86 bei Orlando Magic gelang den Knicks der achte Sieg in den vergangenen neun Spielen. Beste Werfer beim Team aus dem "Big Apple", das weiter auf Play-off-Kurs steuert, waren Carmelo Anthony und Iman Shumpert mit jeweils 25 Punkten. Die New Orleans Hornets gewannen ohne den deutschen Nationalspieler Chris Kaman 102:87 bei den Golden State Warriors. Kaman musste wegen einer Grippe aussetzen. Für die beste Leistung des Abends sorgte derweil Allstar Kevin Love von den Minnesota Timbervolves, der beim 88:83-Sieg über die Charlotte Bobcats 40 Punkte und 19 Rebounds verbuchte.

Eishockey, NHL: In der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL stehen die 30 Klubs kurz vor den Play-offs. Fünf Spieltage vor Schluss mussten die San Jose Sharks am Mittwoch (Ortszeit) bei den Anaheim Ducks in eine 1:3 (0:0, 1:1, 0:2)-Niederlage einwilligen und konnten damit keinen Boden auf die Konkurrenten im Kampf um die Playoff-Plätze gutmachen. Bei San Jose wurde der deutsche Torwart Thomas Greiss nicht eingesetzt. Die Sharks rangieren in der Western Conference der NHL mit 88 Punkten auf dem hart umkämpften achten Platz, der gerade noch zur Teilnahme an der K.o.-Runde berechtigt. Vor San Jose liegen zurzeit die Los Angeles Kings (88 Zähler). Unmittelbar hinter den Sharks machen sich die Phoenix Coyotes (87), die Colorado Avalanche (86) sowie die Calgary Flames (85) ebenfalls noch Playoff-Hoffnungen.