Sport kompakt DFB kämpft um Deutsch-Türken

Sammer und Löw wehren sich gegen "aggressive" Abwerbeversuche aus der Türkei, Niederlande nominiert van Bommel, erfolgreiche Protest gegen "Dr.-Bibber"-Regel, Inzaghi vor Karriereende.

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Der niederlänische Fußball-Nationaltrainer Bert van Marwijk hat vier Bundesliga-Profis ins 21-köpfige Aufgebot für das Länderspiel gegen die Türkei am 17. November berufen. Neben dem Stuttgarter Khalid Boulahrouz sind auch Joris Mathijsen vom Hamburger SV, Schalke-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar und Bayern-Kapitän Mark van Bommel nominiert. Verletzungsbedingt nicht dabei sind Arjen Robben von Bayern München sowie die Hamburger Eljero Elia und Ruud van Nistelrooy.

Für welches Land entscheidet sich der Nürnberger Ilkay Gündogan? Noch kann er wählen zwischen Deutschland und der Türkei.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer kämpfen gemeinsam um in Deutschland geborene Nachwuchsspieler mit Migrationshintergrund. Löw und Sammer wehren sich damit gegen die zunehmend aggressiven Abwerbeversuche des türkischen Fußball-Verbandes. Zuvor hatte Sammer die Methoden des türkischen Verbandes kritisiert. "Da stellt sich die Frage nach der Moral. Und wenn das auch noch an Spieltagen passiert, auch nach der Seriosität", sagte Sammer, der aber ebenfalls betonte, die Spieler mit ausländischen Wurzeln nicht unter Druck setzen zu wollen: "Wir kämpfen natürlich um diese Spieler. Aber wir können nicht mit jedem Spieler, der einen Migrationshintergrund hat, jede Woche ein Gespräch führen. Wenn sich ein Spieler anders entscheidet, haben wir das zu akzeptieren", sagte Sammer. Zuletzt hatte sich der Deutsch-Türke Ekici, der alle Jugendteams des DFB durchlaufen hatte, nach einem Gespräch mit Nationaltrainer Guus Hiddink für eine Karriere in der türkischen Nationalmannschaft entschieden. Neben dem Freiburger Abwehrspieler Toprak wird derzeit zudem auch der deutsche U17-Kapitän Emre Can von Bayern München von den Türken heftig umworben.

Die deutschen Degendamen mit Olympiasiegerin Britta Heidemann aus Leverkusen und Europameisterin Imke Duplitzer aus Bonn stehen bei der Fecht-WM in Paris im Finale. Das Quartett mit Heidemann, Duplitzer sowie den Heidenheimerinnen Monika Sozanska und Ricarda Multerer besiegte im Halbfinale China 34:28 und kämpft erstmals seit sieben Jahren wieder um den Weltmeistertitel. Gegner im Finale ist Rumänien.

Ein Gelbes Tour-Trikot des verstorbenen italienischen Radprofis Marco Pantani ist während einer Mailänder Messe gestohlen worden. Italienischen Medienberichten zufolge hatte das Radsport-Museum in Madonna del Ghisallo das Exponat für die Internationale Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung zur Verfügung gestellt. In einem öffentlichen Schreiben hat das Museum die Diebe aufgefordert, das Trikot schnellstmöglich zurückzugeben. 1998 hatte Marco Pantani als bislang letzter Radsportler die beiden großen Rundfahrten Giro d Italia und Tour de France innerhalb eines Jahres gewonnen. Überschattet wurde Pantanis Karriere von einem Dopingskandal beim Giro 1999. Nach seinem vierten Etappensieg wurde der Italiener wegen eines überhöhten Hämatokritwertes disqualifiziert. Pantani war 2004 im Alter von 34 Jahren in einem Hotelzimmer in der Adria-Stadt Rimini tot aufgefunden worden. Drei Drogendealer, die Pantani mit Kokain versorgt hatten, waren später von einem Gericht in Rimini zu Gefängnisstrafen zwischen zwei und fünf Jahren verurteilt worden.

Die vehementen Proteste der Eisschnelllauf- Stars gegen die neue "Dr. Bibber"-Regel haben Wirkung gezeigt. Zwar entschied die Führung des Eislauf-Weltverbandes ISU, die Regel nicht zu ändern, doch kündigte man wenige Stunden vor dem Weltcup-Auftakt in Heerenveen ein Entgegenkommen an. "Wir werden die Regel großzügig auslegen und kleine Linienüberschreitungen nicht mit Disqualifikation bestrafen", erklärte der Norweger Tron Espeli, der Vorsitzende der Technischen Kommission der ISU, nach einem Gespräch mit einer Athleten-Delegation unter Leitung der niederländischen Olympiasieger Sven Kramer und Mark Tuitert. Erst wenn zwei Schiedsrichter einen eindeutigen Regelverstoß bestätigten, werde disqualifiziert. Die ISU hatte die neue Regel im Sommer eingeführt. Danach soll das Überschreiten der Bahnbegrenzung auf der Zielgeraden sofort mit Disqualifikation geahndet werden. Wegen dieser Befürchtungen hatte Tuitert der Regel den Namen des Gesellschaftsspiels "Dr. Bibber" verpasst. Espeli sagte, der Weltverband nehme die Argumente der Sportler sehr ernst. Kramer hatte der technischen Kommission auch eine Liste mit 120 Unterschriften von Eisschnellläufern aus aller Welt überreicht.