Ein Interview von Tanja Rest

Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger über jubelnde Fans, erstaunliche Fernsehbilder im Hotel und die Wehmut nach der Weltmeisterschaft.

Die Stimme am anderen Ende der Leitung ist ein Zwitterding: todtraurig und euphorisch zugleich. Bastian Schweinsteiger hat mit seiner Mannschaft das Halbfinale verloren, aber die Herzen der Deutschen gewonnen. Das muss ihnen erst mal einer nachmachen. Ein Gespräch über die Rolle der Fans bei dieser Weltmeisterschaft.

Die deutsche Mannschaft wurde gefeiert, als hätte sie den vierten Titel gewonnen (© Foto:)

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SZ: Herr Schweinsteiger, herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Turnier. Wie geht es Ihnen?

Schweinsteiger: Das ist schwierig. Es geht mir schon gut, irgendwie, man muss das ja auch mal wegstecken. Heute ist ein neuer Tag, sag' ich mir. Andererseits... Wir hätten schon wahnsinnig gerne im Finale gestanden, und dass wir es nicht geschafft haben, tut weh.

SZ: Sie sind nicht Weltmeister geworden und werden trotzdem gefeiert. Nicht ganz selbstverständlich, oder?

Schweinsteiger: Nein, und das ist ja auch das Schöne. Das hängt mit unserer Leistung vorher zusammen, wir haben schöne Spiele gezeigt. Ich denke, die Leute waren überrascht. Die hatten nicht damit gerechnet, dass wir als Mannschaft so zusammenhalten. Wir hätten theoretisch auch gegen Italien gewinnen können. Am Ende sind wir ausgeschieden, und man ist trotzdem stolz auf uns.

SZ: Haben Sie eigentlich mitgekriegt, was in den vergangenen Wochen mit den Menschen in diesem Land passiert ist?

Schweinsteiger: Schon. Also, wir konnten während des Turniers natürlich nicht auf die Fanmeilen gehen. Aber nach dem Spiel, da kann man nicht sofort schlafen, weil man noch so aufgedreht ist. Also sitzt man im Hotel und schaltet den Fernseher ein. Und da laufen dann Bilder von tausenden Menschen, die unseren Sieg auf der Berliner Fanmeile feiern.

SZ: Bis zu 900.000, genau genommen.

Schweinsteiger: Und dann haben mich auch Freunde angerufen und gesagt, dass Zigtausend im (Münchner) Olympiapark vor einer Riesenleinwand standen und dass die Leopoldstraße total dicht war. Die war doch für den Verkehr gesperrt, oder?

SZ: Kann man so sagen.

Schweinsteiger: Ja, Wahnsinn. Und da gab's doch für die Haare diesen schwarz-rot-goldenen Irokesen, das fand ich lustig. Und das Fahnenmeer. Wir haben vom Bus aus ein bisschen was mitbekommen, als wir nach Dortmund gefahren sind. Oder in Stuttgart, da war die Hölle los, als wären wir Weltmeister. Verrückt. Was die WM alles ausgelöst hat in Deutschland - die Leute denken viel positiver. Und da sind wir total dankbar und froh, dass wir dazu beigetragen haben.

SZ: Ist Ihnen aufgefallen, dass diesmal auch besonders viele Frauen mitgefiebert haben?

Schweinsteiger: Das war wirklich auffällig. Viele Frauen kennen sich auch richtig gut aus beim Fußball. Manche haben vielleicht auch ein bisschen nach den gutaussehenden Spielern geguckt, dem Roque (Santa Cruz) oder dem Freddie Ljungberg (Schweden). Und andere waren einfach wegen der Begeisterung dabei, weil sie gerne feiern wollten. Das versteh' ich gut, ich feier' ja auch gerne.

SZ: Als Spieler beim FC Bayern sind Sie Jubel gewohnt. Hatte die Begeisterung der Fans diesmal eine andere Note?

Schweinsteiger: Es war was anderes. Mit dem FC Bayern sind wir ja nicht überall beliebt. Diesmal hat uns ganz Deutschland die Daumen gedrückt.

SZ: Wie viel bekommen Sie unten auf dem Platz eigentlich mit von den Fans?

Schweinsteiger: Wenn der Ball im Spiel ist - nichts. Da bin ich völlig konzentriert. Aber wenn der Ball mal kurz draußen ist, hör' ich die Zuschauer wieder, wie sie singen, wie sie uns anfeuern. Das tut gut. Andere Spieler dagegen blenden das völlig aus.

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