Nach dem 30. Titelgewinn für Real Madrid kommt es zu Ausschreitungen. Real-Trainer Capello legt sich in der Meisternacht mit der Vereinsführung an. Der Deutsche Bernd Schuster steht schon bereit
Auch in Barcelona flogen Raketen und hupten Autofahrer, als Real Madrid Sonntagnacht zum 30. Mal in seiner Geschichte Meister wurde. Vereinzelt jedenfalls. Sonderlich groß ist die Diaspora zwar nicht, diesmal allerdings hatte sie etwas Verstärkung bekommen. Einige Tausend Madrilenen waren nach Katalonien gereist, um dem Comeback des von ihnen hochverehrten Stierkämpfers José Tomás beizuwohnen.
Bild vergrößern
Eine Feier mit 108 Verletzten: Real Madrid und die Meisterschaft. (© Foto: AP)
Anzeige
Was ihnen dadurch entging, war unter anderem reichlich Chaos in ihrer Heimatstadt. Als die letzte Partie der Spielzeit vorüber und der 3:1-Sieg von Real Madrid gegen Real Mallorca besiegelt war - nach 0:1-Rückstand durch zwei Tore des für Beckham eingewechselten Reyes und eines von Diarra - , als der 5:1-Erfolg des punktgleichen Titelverteidigers FC Barcelona wertlos war, zogen Hunderttausende Fans zum zentral gelegenen Kybele-Brunnen von Madrid.
Dort huldigen die Fußballer von Real traditionell der Göttin der Fruchtbarkeit und schmücken die Statue mit Fahnen und Schals. Als die Fußballer wieder davongezogen waren, kam es zu Ausschreitungen. 108 Leichtverletzte zählte die Polizei. Doch auch sonst ging die Meisternacht für Real Madrid nicht ohne Schrammen ab. Denn obschon es der erste Titel in vier Jahren war, knarzt es heftigst im Gebälk des Estadio Santiago Bernabéu.
Capello rechnet ab
,,Jetzt sind alle Freunde'', spottete Fabio Capello, als seine landesweit live im Fernsehen übertragene Pressekonferenz immer wieder von einem Klingeln unterbrochen wurde: Sein Handy läutete unentwegt. Vor den Medien hatte er vor allem eins mitzuteilen: Er sei vertraglich noch zwei Jahre an Real gebunden, er wolle seinen Kontrakt erfüllen.
Doch die Philippika, die er im Lichte des frischen Meisterruhms folgen ließ, trug alle Züge einer Abrechnung mit Medien und dem Präsidium, die ihn dem Abschied wohl ein wenig näher gebracht haben dürfte. Gleichzeitig dürften sich die Chancen des früheren deutschen Nationalspielers Bernd Schuster erhöht haben, den Italiener als Trainer bei Real zu beerben. ,,Ich bin bereit'', sagte der derzeitige Trainer des spanischen Pokalfinalisten Getafe in einem Interview mit der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
,,Ich habe vom ersten Tag an Prügel einstecken müssen. Aus Kenntnislosigkeit heraus hat man meine Arbeit kritisiert. In boshafter Weise'', zischte Capello. Monatelang hatte die Presse in Madrid den Fußball seiner Mannschaft bestenfalls resigniert zur Kenntnis genommen - meistens aber zerpflückt. Den Chor dazu bildete ein Anhang, der den defensiven Stil Capellos satt hatte; Capello zeigte dem Anhang seinerseits einmal sogar den Stinkefinger.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
Drogeriekette wird abgewickelt