Beim Schützenfest gegen Sporting Lissabons fahrige Reserve erfreut sich der motivierte FC Bayern an den positiven Seiten seiner schizophrenen Saison.
Christian Lell ist ein erfolgreicher Fußballprofi, 2008 gewann er mit dem FC Bayern Meisterschaft und DFB-Pokal. Doch obwohl der Rechtsverteidiger erstaunlich viele Einsätze hatte, treten ihm hierzulande die Experten eher reserviert gegenüber (auch Bayern selbst, sie wollen fürs nächste Jahr vor allem die rechte Abwehrflanke stärken).
Christian Lell und Hans-Jörg Butt: Freude am deutlichen Sieg. (© Foto:)
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Der Brasilianer Derlei umarmte Lell dagegen nach dem Abpfiff innig und ausdauernd, als halte er ihn für Münchens blonde Antwort auf David Beckham. Derlei ließ Lell einfach nicht los, und als sich dieser entfernen konnte, griff sich Sportings Stürmer eben Landsmann Zé Roberto. Der nächste Superstar im Schwitzkasten, Derlei blickte dankbar und ergriffen.
In Lissabon wird Sportings devotes Verhalten wohl noch ein Weilchen thematisiert werden nach zwei Niederlagen historischen Ausmaßes, welche den Klub bei seiner ersten Teilnahme am Champions-League-Achtelfinale über sich ergehen ließ. Ein 1:7 glühte Dienstagabend auf der Arena-Tafel, ein unwirklich anmutendes Resultat, das trotz des 0:5 im Hinspiel wohl nur von waghalsigsten asiatischen Wettern für möglich gehalten worden wäre. Eins zu zwölf mache das in der Addition, hatte der Stadionsprecher bereits wenige Sekunden nach Spielende recherchiert - die 65000 gingen vergnügt und mit dem Lied vom wunderschönsten Tag auf der Zunge heim.
Das Duell mit Sporting bildete den vorläufigen Höhepunkt einer schizophrenen Saison, die der FC Bayern abliefert. In der Liga ringt die Mannschaft weiterhin um Souveränität und Struktur - doch in Europa gelingt eine makellose Bilanz: sechs Siege, zwei Remis, 24:5 Tore. "Champions League ist immer etwas Besonderes, wie ein Länderspiel", sagte der zweifache Torschütze Lukas Podolski, einer von vielen Gewinnern am Abend des offenen Tores.
Respektabel motiviert sind die Münchener jedenfalls gewesen trotz der klaren Verhältnisse nach dem Hinspiel und auch ohne die Patienten Ribéry und Toni. "Wir spielen vor voller Hütte", sagte Philipp Lahm, "da wollten wir nicht irgendwie rumkicken." Der Nebeneffekt sei aber auch nicht zu verachten, befand Manager Uli Hoeneß, "Respekt haben diese Ergebnisse sicher hervorgerufen". Der Gegner im (am 20. März ausgelosten) Viertelfinale werde sich "sicher die Videos anschauen und denken: ,Hoppla, was ist denn da los?!'"
Trotzdem sind die Bayern nicht gleich davongeschwebt. Für den euphorischen Ausblick haben sie ihren Trainer, "wir sind jetzt unter den besten Acht Europas, aber wir sind hungrig, wir wollen mehr", sagte Jürgen Klinsmann. Kapitän Mark van Bommel ordnete derweil den tadellosen Auftritt ebenso souverän ein. "Der Gegner war nicht richtig gut'", formulierte der Holländer, "die waren nicht ganz heiß, hatte ich das Gefühl."
Nur vier Profis aus der Startelf des Hinspiels hatte Trainer Paulo Bento ("ich durchlebe einen Albtraum") nominiert und Torjäger Liedson die Reise erst gar nicht mitgemacht. Abwehrchef Polga gönnte er leider keine Pause, worauf dieser mit einem Eigentor und mehreren Assists reagierte. Dennoch, so viele Tore müsse man erstmal schießen, lobte Hoeneß, und Übermut werde schon nicht aufkommen: "Die Gefahr hochgejubelt zu werden, ist bei unserer Presse nur ganz klein."
Gern geschehen, doch selbst Defätisten dürften Gefallen gefunden haben am launigen Vortrag und engagierten Nebendarstellern. Wie an einem gewissen Thomas Müller, 19-jähriger Mittelfeldamateur, der für nächste Saison einen Profivertrag besitzt und zum 7:1 abstaubte. Sogar die teuren Reservisten Sosa und Breno durften eine Halbzeit mittun, Kollege Butt gar 90 Minuten. Der Torhüter ersetzte Michael Rensing, durfte aber trotz des Plazets des Publikums ("Buttbuttbutt!") den Strafstoß zum 6:1 nicht treten.
An einem guten Tag jeden schlagen
Jörg Butt hat mal für Leverkusen zwei Elfmeter verwandelt, "für mich ist das ein bisschen blöd, weil ich mit dem Luca hätte gleichziehen können mit drei Toren in der Champions League"; sagte der 34-Jährige bierernst. Miroslav Klose hat aber eben vor dem Spiel so viel Muße gehabt, "mit dem Jörg darüber zu reden, dass ich dann schieße". Klose möchte Schützenkönig der C-Klasse werden. Eine Egozentrik, die Hoeneß begrüßt: "Da muss man ein bisserl pragmatisch sein."
So will es der FC Bayern auch halten für den weiteren Weg. In der Champions League nähmen sie "jeden Gegner", sagt Hoeneß, nur bitte "zuerst auswärts" und "nicht Liverpool". Er findet aber: "Wenn alles passt, können wir an einem guten Tag jeden schlagen." Womöglich also auch den VfL Bochum, "das wird am Samstag ein ganz wichtiges Spiel für den FC Bayern", sagt Klinsmann und erinnert an das 3:3 aus der Hinrunde trotz 3:1-Führung. Ein launiges Spiel ist auch dieses damals gewesen, doch Klinsmann möchte das Unterhaltungsprogramm trotz der mutmaßlichen Rückkehr Ribérys nun doch reduzieren. "In der Bundesliga", meint er, "da ist jetzt nichts mehr zu spaßen."
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(SZ vom 12.03.2009/jüsc)
Totilas und sein Reiter
an der fußballerischen klasse von ribery ist überhaupt nicht zu zweifeln, im gegenteil glaube ich, daß man sich schnell von spielern seienr güte blenden lassen kann udn dabei übersieht, welche wirkungen sie auf das mannschaftsgefüge und auf die leistungvermögen anderer spieler haben, vielleicht auch auf die mentale einstellung... vielleicht bewegen sich spielertypen wie podolski oder schweinsteiger tatsächlich deswegen auch unter ihren möglichkeiten... da ribery seit einiger zeit ziemlich rummault udn sich da evtl. eine art diego-syndrom entwickelt, sollte man hier auch aufs geld schauen und ordentlich abkassieren... schade drum, aber ich habe den eindruck, daß sich das team nicht unbedingt weiterentwickelt. klinsmann ist ein trainer mit einem festen konzept, dem man unbedingt die nötige zeit zum aufbau geben sollte, möglicherweise benötigt er dafür nur das entsprechende spielermaterial
ich habe weniger das Gefühl, dass es an Ribery liegt, sondern eher an seinen Mitspielern. Wenn er auf dem Platz ist, wird die rechte Seite einfach vernachlässigt, und jeder Ball wird im Mittelfeld möglichst auf Ribery gespielt, ob er nun zugestellt ist oder nicht.
Vielleicht ist er aber auch einfach zu gut für die Bayern, ein Phänomen, das Mitspieler wie Schweinsteiger Spiel für Spiel in eine Art meditative Trance versetzt, wenn er am Ball ist.
und wie sollte dieses Konzept Ihrer Meinung nach aussehen? Toni und Ribery, ab auf die Bank?
Ist das ernst gemeint?
sollte den verantwortlichen des fcb mal ein licht aufgehen, welche destruktiven wirkungen spielertypen wie toni und ribery auch haben... da haben sie doch schon einen trainer geholt, der ein klares konzept hat, man muß ihn nur lassen
dass ich mich als Redaktions-Beißer etabliere - "schizophren" ist nicht die Bayern-Saison (allenfalls in Maßen durchwachsen), sondern die hiesige Berichterstattung darüber. Aber ok, es gibt immer wieder gute, ausgewogene Artikel, deswegen lesen wir ja auch noch an dieser Stelle. Weiter, immer weiter! ;-)
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