Snowboarden Der unstillbare Drang der Stubenhocker
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Während der Olympiade springen und schwingen plötzlich Snowboarder über den Bildschirm. Für die Zuschauer ist dies unzumutbar.
Ständig stürzen im Fernsehprogramm Skifahrer, Skispringer oder Eiskunstläufer auf spektakuläre Weise. Snowboarder dagegen fast nie. Das liegt nicht etwa daran, dass diese das Können mit Löffeln gefressen haben; nein, vielmehr daran, dass Snowboarden in der Sportberichterstattung praktisch gar nicht existiert. Gottlob!
So macht es doch keinen Spaß - das Zugucken: Hobbysnowboarder und Profi trennen Welten.
(Foto: Foto: AFP)Anders ist dies leider während der Olympiade: Dann spielen sich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Szenen ab, die sonst nur im Internet auf verwackelten Amateurvideos zu sehen sind.
Seit den Spielen von Nagano im Jahre 1998 ist Snowboarden olympische Disziplin. Die Fernsehsender haben dadurch ihr Publikum ein wenig verjüngen können, die Olympiade hat eine Handvoll neuer Sponsoren gewonnen. Die Leidtragenden sind die Zuschauer.
Denn die Snowboarder zeigen den Fernsehzuschauern, was sie sind: Nichtskönner. Was ist schon ein kleiner Hüpfer, mit dem man allenfalls bei Freunden ein gewisses Maß an Anerkennung erlangen kann, gegen die Jumps beim Freestyle während der Fernsehübertragung? Ein ungelenker Grab an die Innenseite des Boards gegen einen "Backside 720 Indy Shifty" oder einen "McTwist 540" zum Beispiel?
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Beim Riesenslalom fassen die Profiboarder bei jedem Schwung mit der Hand so elegant in den Schnee, dass der arme Zuschauer beim ungelenken Nachahmen beinahe einen Handgelenksbruch davongezogen hätte.
Dies legt die Forderung nach einem Ausstrahlungsverbot ähnlich wie bei Jackass nahe. Denn ebenso wie einst Fernseh-Versuchskaninchen Johnny Knoxville auf MTV verleiten Profisnowboarder Jugendliche dazu, lebensgefährliche Stunts nachzumachen.
Warum müssen also die Snowboarder den Zuschauer die Olympischen Spiele vermiesen? Den Stubenhockern, die in der Heizungsluft auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzen. Sie, die springen und schwingen in einer weißen, weiten Natur.
Andere olympische Disziplinen kann man ja wirklich getrost im TV anschauen. Abfahrtslauf beim Ski Alpin? Würde man ohne Bögen eine Piste hinunterfahren, wäre man schließlich fast genauso schnell, denkt sich hier das Fernsehpublikum. Beim Snowboarden ist das anderes. Der Zuschauer erkennt: "Das kann ich nicht. Obwohl ich es so gerne können würde, obwohl ich dieses wohl einzigartige Gefühl so gerne kennen lernen würde."
Ähnlich beim Eislaufen im Fernsehen. "Nie im Leben würde ich so einen dämlichen Anzug anziehen und mich bis auf die Knochen blamieren", rumort es von den Wohnzimmersesseln. Doch beim Snowboarden zeigen die Profisportler ihre modischen Jacken, Hosen und Sonnenbrillen. Das setzt den Zuschauer unter Zugzwang: Den Sinn für die Realität auf der Piste verloren, überlegt er, ob er auch so etwas tragen müsse, wenn er, falls es endlich mal wieder so weit sein sollte, auf einer Skipiste steht und sein Snowboard anschnallt.
In Folge solcher Situationen entsteht Neid, Unzufriedenheit, Frustration. Snowboarden - "a symbol of freedom and fashion"? Eher schon ein Symbol für Hausarrest und Kaufzwang.
"Olympia nimmt dir alle Freiheit", hat Terje Haakonsen aus Norwegen, einer der berühmtesten Snowboard-Profis der Welt, einmal gesagt. Haakonsen weigert sich, an Olympischen Spielen teilzunehmen. Natürlich hatte er den Satz auf den ewigen Streit bezogen, den die beiden Snowboardverbände ISF und Fis wegen Olympia austragen. Doch für Fernsehzuschauer gilt dieser Satz umso mehr.