Vor allem aber lag es an John Higgins, der am Montagabend das Finale gegen Shaun Murphy mit 18:9 und damit den dritten Weltmeistertitel seiner Karriere gewann. "Ich habe kaum Fehler gemacht, die Bälle sind dorthin gerollt, wo ich sie haben wollte", sagte Higgins, den seine Fans vor allem als "Wizard of Wishaw" - den Magier aus Wishaw - kennen.

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Es waren nicht nur die spannenden Partien in den Vorschlussrunden gegen die aufstrebenden Talente Allen (17:13), Selby (13:12) und Cope (13:12) oder seine Dominanz im Finale gegen Shaun Murphy, die Gegner und Zuschauer verblüffte - vielmehr stritten die Kollegen darüber, welche spielerische Eigenschaft von Higgins am beeindruckendsten war.

Im Finale versenkte der Schotte mehr als 60 Prozent aller weit entfernt liegenden Kugeln. "Das ist eine Quote, die bisher nur Stephen Hendry in seinen besten Tagen schaffte", urteilte Altmeister Steve Davis. Im 19. Abschnitt etwa versenkte er beim Spielstand von 49:49 den blauen Ball, obwohl der genau am anderen Ende des Tisches lag. "Ich habe die schwierigen Bälle getroffen, Shaun hat einige leichte verschossen. Das war der Schlüssel", sagte Higgins nach dem Finale.

O'Sullivan hingegen faszinierte das sogenannte Break Building des 33-Jährigen - die Kunst, nach einem schweren Einsteigerball möglichst viele weitere Kugeln einzulochen und den Spielabschnitt für sich zu entscheiden, ohne dem Gegner eine Gelegenheit zu einem Comeback zu geben: "Er sieht Bilder auf dem Tisch und erkennt Möglichkeiten, die andere nicht einmal verstehen würden, wenn man sie ihnen aufzeichnet."

Allein im zweiten Abschnitt des Finales erreichte Higgins Breaks von 128 (zwei Mal), 95 und 91. Gegner Shaun Murphy saß während dieser Breaks regungslos auf seinem Stuhl und sah seinem Gegner staunend dabei zu, wie der sich aus scheinbar unlösbaren Situationen befreite und immer weiter Kugeln versenkte und gelegentlich mit dem Kopf nickte. Wenn Murphy doch einmal an den Tisch durfte, war er zumeist erschreckt über die Konstellation der Kugeln.

"Seine Sicherheitsstöße haben dafür gesorgt, dass ich nichts anfangen konnte mit dem, was da herumlag", sagte Murphy und spielte auf die dritte Qualität von Higgins an: taktisches Verständnis und die Geduld, nicht immer mit einem hohen Break gewinnen zu müssen. "Er ist einfach der beste Allrounder, den dieser Sport jemals gesehen hat", urteilte Steve Davis.

Die Sportart Snooker wird sich in den kommenden Jahren verändern. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr junge Spieler wie Allen, Selby und Cope in die Weltspitze drängen - im Halbfinale standen drei Spieler, die jünger als 26 Jahre waren. "Wenn ihr mich sucht: Ich bin der mit den grauen Haaren", witzelte Higgins. Diese Talente versenken nicht nur forsch lange Bälle, sondern sind ähnlich wie Higgins formidable Allround-Spieler. Sie werden kommende Weltmeisterschaften nicht nur spannend, sondern auch hochklassig und faszinierend gestalten - ob Ronnie O'Sullivan nun an 17 Turniertagen dabei ist oder nicht.

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  1. Grauhaariger Kopfnicker
  2. Sie lesen jetzt Ein deutliches Finale
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(sueddeutsche.de/hum)