Snooker Snooker-Profi O'Sullivan ist der Perfektion schon wieder gefährlich nahe

Trotz eines grandiosen Spiels ist er nie leicht zufriedenzustellen: der fünfmalige Snooker-Weltmeister Ronnie O'Sullivan

(Foto: Getty Images)
  • Der ehemalige Weltranglistenerste Ronnie O'Sullivan verzückt bei seiner Rückkehr auf die Tour das Publikum.
  • Beim Masters in London schlägt er gleich den Favoriten.
  • Trotzdem ist der 40-Jährige nicht zufrieden mit seiner Leistung.
Von Carsten Eberts

Die erste gute Nachricht: Ronnie O'Sullivan ist zurück. Und die zweite: Richtig schlau wird man immer noch nicht aus ihm.

Am Donnerstagabend hat der fünffache Snooker-Weltmeister das Publikum im Londoner Alexandra Palace verzückt. Die Menge war völlig begeistert von der Darbietung des Engländers, der nach einer neunmonatigen schöpferischen Pause den Weltranglistenersten Mark Selby beim Masters aus dem Turnier befördert hatte. Seine 73er-Serie, die ihm den entscheidenden Frame brachte, war so grandios, dass sie Steve Davis, der früher die Sportart dominierte, "eine der besten aller Zeiten" nannte.

Nur O'Sullivan blieb nüchtern. Emotionslos nahm er die Ovationen entgegen, den Daumen nach oben gereckt verließ er die Arena. "Ich quäle mich mit meiner Technik", gab The Rocket später zu Protokoll, was für Außenstehende allerdings kaum ersichtlich war. Es sei lediglich sein Instinkt, der ihn die Spiele gewinnen ließe. "Ich mache mir selbst vor, zufrieden zu sein", sagte O'Sullivan und das klang wie eine Überlebensstrategie. Von einem, der nur darauf wartet, im kommenden Match nach einer krachenden Niederlage aus der Halle gejagt zu werden.

O'Sullivan weiß, dass auf große Siege herbe Niederlagen folgen

Man muss O'Sullivan zugutehalten, dass er im Snooker-Zirkus mehr erlebt hat, als fast jeder seiner Gegner. Er weiß, dass auf große Siege herbe Niederlagen folgen können. Er hat Matches auf Strümpfen bestritten, weil ihn die Lackschuhe störten. Gerade hat er seinen Rekord an Century Breaks, also 100 gespielten Punkten in Serie, auf mehr als 800 geschraubt. Ein Viertelfinalsieg beim Masters ist für ihn nichts Besonderes, und trotzdem hätte er etwas zufriedener dreinblicken dürfen. Die Szene hatte schließlich spekuliert, in welcher Verfassung O'Sullivan wohl zum Masters erscheinen möge, nach seiner langen Pause. Ob er überhaupt mithalten könne, so fast ohne Matchpraxis.

Nun ist er plötzlich wieder der Topfavorit. "Es ist Wahnsinn, wie gut er schon wieder ist", hatte Mark Williams nach seiner Erstrundenniederlage gegen O'Sullivan gesagt. Eine Drohung an all die anderen Spieler.

Gegen Selby zeigte O'Sullivan, dass er trotz seiner mittlerweile 40 Jahre in der Lage ist, das Snooker-Geschehen zu diktieren. Selby gilt als unangenehmer Spieler, er wird "The Torturer" genannt, der "Folterknecht" also, weil er nie aufgibt und unerbittlich seine Chancen nutzt. Doch O'Sullivan bot ihm keine Chance zum Foltern. Zur Pause führte er 3:1, als Selby verkürzte, antwortete O'Sullivan mit einem Century Break.

Er findet immer einen Grund, um zu meckern

Stark war vor allem seine Quote bei den langen Bällen. Dann der letzte Frame: Selby legte 70 Punkte vor, musste vor dem Frameball mit einer Safety aussteigen. Die Bälle lagen kompliziert auf dem Tisch verteilt, O'Sullivan durfte keinen Fehler begehen. Auf die letzte Schwarze entriss er Selby den Frame. Der sagte: "Ich glaube nicht, dass ich schlecht gespielt habe." Nur eben nicht gut genug für O'Sullivan. Der sei "definitiv in der Lage, das Turnier zu gewinnen", glaubt Selby.

Bei O'Sullivan stellt sich indes die Frage, was seine neuerliche Auszeit eigentlich bewirkt hat. Im April 2015 war er ausgestiegen, weil er mit seinem eigenen Spiel unzufrieden war. Zu weit weg von der Perfektion, wie er befand. Nun ist O'Sullivan zurück und findet immer noch etwas zu meckern - gewinnt aber nach wie vor die großen Spiele. Siegt er am Samstag im Halbfinale, winkt ihm am Sonntag sein sechster Titel beim prestigeträchtigen Masters. Nicht schlecht für einen alten Zauderer, der sich so sehr mit seiner Technik quält.

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